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Schützt Vitamin D wirklich vor Krankheiten?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Studien zur Wirksamkeit von Vitamin D überprüft. Wie sieht es mit Corona aus?

Sonnenlicht regt die Vitamin D-Produktion des Körpers an.
Sonnenlicht regt die Vitamin D-Produktion des Körpers an. © 123rf

Ärzte reagieren manchmal schon genervt, wenn Patienten beim Blutabnehmen ihren Vitamin-D-Status mitbestimmen lassen wollen. Zwar bezahlen die Krankenkassen nicht dafür. Doch in den letzten Jahren wurden dem Vitamin allerlei positive Effekte für die Gesundheit zugeschrieben. Einige Studien lassen inzwischen sogar hoffen, dass Vitamin D vor einem allzu schweren Covid-19-Verlauf schützen könnte. Insofern verwundert es nicht, dass nun immer mehr Menschen – vor allem gesundheitsbesorgte Frauen – zu Ergänzungspillen und -mitteln mit Vitamin D greifen, die es in Apotheken und sogar Drogerien zuhauf gibt. Überflüssig oder empfehlenswert?

„Es existieren dazu sehr viele Studien, doch nicht alle sind methodisch von guter Qualität beziehungsweise unabhängig“, sagt Professor Jakob Linseisen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Lehrstuhlinhaber für Epidemiologie an der Uni München. Eine Arbeitsgruppe unter seiner Leitung hat für den neuen Bundesernährungsbericht systematisch alle verfügbaren Studien zu ausgewählten Krankheiten gesichtet und auf ihre wissenschaftliche Aussagekraft hin bewertet. Die Frage war jeweils, ob eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe vorbeugend oder gar heilend wirken kann. Das Ergebnis fällt überwiegend ernüchternd aus: In den meisten Fällen konnte ein positiver Effekt nicht sauber nachgewiesen werden.

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„So legen zwar Beobachtungsstudien nahe, dass ein niedriger Vitamin-D-Status das Risiko für Demenz einschließlich Alzheimer und auch das Risiko für eine Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit begünstigt, vor allem bei älteren Menschen“, sagt Linseisen. Doch die wenigen randomisiert kontrollierten Studien – der Goldstandard in der Medizin – kämen zu keinem eindeutigen Schluss. Auch hinsichtlich einer vorbeugenden Wirkung gegen Asthma, Multiple Sklerose und Diabetes Typ 1 seien die Daten nicht eindeutig beziehungsweise unzureichend.

Positiv für die Atemwege

Anders allerdings sieht es bei akuten Atemwegsinfektionen aus. „Sowohl Beobachtungs- als auch randomisierte Studien weisen hier auf einen präventiven Effekt von Vitamin D hin, insbesondere bei Menschen mit einem Mangel“, sagt Linseisen. Bei Patienten mit Asthma und einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (kurz COPD) gebe es sogar förderliche therapeutische Effekte durch Vitamin D.

Da das Coronavirus die Lunge angreift, wurde in ersten Studien auch der Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Status und einem erhöhten Risiko für eine Sars-CoV-2-Infektion beziehungsweise für einen schweren Verlauf untersucht. Linseisen: „Hinweise darauf gibt es. Die Ergebnisse sind jedoch unzureichend, um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachzuweisen.“ Gründe seien zum Beispiel die nicht ausreichende Berücksichtigung von Risikofaktoren und Vorerkrankungen. Hier müssten große randomisierte Studien her.

Trotz dieser Ergebnisse bleibt die DGE bei Ihrer Empfehlung, bei nicht ausreichender Sonne zusätzlich Vitamin D zu nehmen. „Gerade jetzt in Pandemiezeiten ist es einen Versuch wert, der zudem nicht viel kostet“, sagt Linseisen. Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr schließt sich dieser Meinung an. Der Ärztliche Direktor György Irmey sieht „mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Hinweise für den Nutzen von Vitamin D bei Covid 19“.

Diese Lebensmittel helfen

Unbestritten ist, dass vor allem im Winter bei den allermeisten Deutschen ein Mangel an Vitamin D besteht. Typische Symptome dafür wie Müdigkeit, Nervosität oder Haarausfall können jedoch viele andere Ursachen haben. Wer Klarheit will, muss einen speziellen Marker im Blutserum bestimmen lassen, der laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung bei mindestens 50 Nanomol pro Liter liegen sollte.

„Jetzt in den Wintermonaten erreichen nur 10 bis 15 Prozent unserer Bevölkerung diesen Wert“, sagt Linseisen. Bei mehr als der Hälfte der Deutschen bestehe mit Konzentrationen unter 30 Nanomol ein Defizit. Denn nur etwa 10 bis 20 Prozent der empfohlenen Vitamin-D-Menge werde über Nahrungsmittel wie Fisch, Eier, Butter, Margarine, Milchprodukte oder Öle aufgenommen. Der Rest muss über die Haut durch Sonnenbestrahlung gebildet werden. Doch die Sonne ist derzeit rar und hat noch nicht genug Kraft. Und zudem gehen die Menschen jetzt im Lockdown und Homeoffice auch weniger raus.

Schon Säuglinge sollten laut DGE täglich zehn Mikrogramm nehmen, denn der Gehalt in der Muttermilch reiche nicht aus. Ab einem Jahr rät die Fachgesellschaft zu täglich 20 Mikrogramm, was sogenannten 800 Internationalen Einheiten entspricht. Da es sich um ein fettlösliches Vitamin handelt, wird die Einnahme zusammen mit einem fetthaltigen Lebensmittel empfohlen. Die Milch im Kaffee genüge.

Überdosierung möglich

Vor allem Ältere sowie Menschen mit dunkler Hautfarbe und mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel. Verbraucherschützer warnen jedoch immer wieder vor einem Zuviel. Da Vitamin D im Körper gespeichert werden kann, ist laut Robert Koch Institut nicht nur eine akute, sondern auch eine schleichende Überdosierung möglich.

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Sie könne in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und sogar zum Tod führen. Im Arznei-Telegramm gibt es Berichte von ernsten Gesundheitsproblemen, die vor allem durch hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet verursacht worden sind. Denn eine EU-einheitliche Höchstmengenfestsetzung für Vitamine und Mineralstoffe in solchen Ergänzungsmitteln lässt noch immer auf sich warten.

Von einer flächendeckenden Bezahlung des Bluttests durch die Krankenkassen hält die DGE aber nichts. Linseisen: „Wer sich an die empfohlene Menge hält, muss sich vor einer Überdosierung nicht fürchten.“

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