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Deutschland & Welt

Soziologe: Viele Impfgegner sind politisch motiviert

Ein Göttinger Forscher sieht eine Schnittmenge von politisch motivierten Impfgegnern und AfD-Anhängern.

Ein Göttinger Soziologe sieht bei den politisch motivierten Impfgegner eine große Schnittmenge mit AfD-Anhängern.
Ein Göttinger Soziologe sieht bei den politisch motivierten Impfgegner eine große Schnittmenge mit AfD-Anhängern. © dpa

Nach Ansicht des Göttinger Soziologen Berthold Vogel sind 50 bis 60 Prozent der Fälle von Impfgegnerschaft politisch motiviert. Das sei "nicht in erster Linie Ausdruck medizinischer Bedenken, sondern eines grundsätzlichen Protests gegen die Demokratie und ihre Einrichtungen", sagte Vogel dem Evangelischen Pressedienst. Diese Gruppe, wohl etwas mehr als die Hälfte der bis heute nicht Geimpften, werde Angebote auch künftig nicht annehmen, so der Sozialforscher.

"Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir die Übrigen erreichen und die Impfquote mit aufsuchendem Impfen und 2G entscheidend steigern können", sagte der Direktor des Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI).

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Aus Vogels Sicht gibt es bei den politisch motivierten Impfgegnern eine große Schnittmenge mit "Basis"- und AfD-Anhängern. Aktuelle Forschungsbefunde zeigten eine klare Korrelation zwischen niedriger Impfquote und hohen Stimmenanteilen für die AfD. "Hier sammeln sich nicht nur Abgehängte. Vielmehr gehören die politisch motivierten Impfgegner mehrheitlich der Mittelschicht an und sind gut qualifiziert".

"Spätimpfer" fühlen sich nicht vor die Entscheidung gestellt

Die sogenannten "Spätimpfer" machen aus Vogels Sicht etwa ein Fünftel der noch nicht Geimpften aus. "Zu dieser Gruppe zähle ich isoliert lebende Menschen. Ihnen fehlt das soziale Umfeld, das sie zur Impfung animiert", sagte der Soziologe. Auch diese Menschen lehnten die Impfung nicht aus gesundheitlichen Gründen ab. Mangels sozialen Drucks fühlten sie sich schlicht nicht vor die Entscheidung gestellt.

Als dritte Gruppe definierte Vogel Arbeitskräfte mit unsicherem Aufenthaltsstaus. "Sie haben oft große Sorge vor Behördenkontakten. Auch das Impfen empfinden viele als soziales Risiko", erklärte Vogel. Erfahrungen vieler Kommunen zeigten, dass diese Menschen bereit seien, sich impfen zu lassen, wenn man ihnen zuvor ihre Ängste nehme. (epd)

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