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Corona-Protestler spielen mit der Geduld der Polizisten

Corona-Protest gab es am Montagabend auch in Großenhain. Die Polizei stellt sich mit einem Großaufgebot rund 120 "Spaziergängern" entgegen

Von Thomas Riemer
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Montagabend in Großenhain: Die Polizei ist mit einem Großaufgebot am Rathaus präsent.
Montagabend in Großenhain: Die Polizei ist mit einem Großaufgebot am Rathaus präsent. © Thomas Riemer

Großenhain. In der Röderstadt versammelten sich am Montagabend rund 120 Menschen auf und um den Hauptmarkt. Die Polizei wiederum war wie schon in den Wochen zuvor mit einem Großaufgebot präsent, das nach knapp einer Stunde sogar noch einmal aufgestockt wurde.

Denn: Die Beamten sahen den "Spaziergang" als unzulässige Versammlung an. Mehrfach wurden die Teilnehmer daher per Lautsprecheransage zum Verlassen des Ortes aufgefordert. Weil das Gros dem aber nicht folgte, kündigten die Polizei schließlich die Auflösung und die Aufnahme von Personalien an.

Die Bilanz: Gegen 24 Teilnehmer wurden Ordnungswidrigkeitsanzeigen gefertigt. Sie müssen mit einer Geldstrafe von 250 Euro rechnen. Außerdem wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Verstoß gegen das Sächsische Versammlungsgesetz eingeleitet.

Demonstranten machen Unmut lautstark Luft

Die Kluft ist offenbar groß. Denn weil das Gesetz zurzeit derartige Zusammenkünfte nicht zulässt, ist die Polizei auch aus der Erfahrung in anderen Städten zum energischen Vorgehen angehalten. Das tat sie in Großenhain am Montag wie schon in den Vorwochen: bestimmt, deutlich, mit großer Präsenz.

Doch als dann die Feststellung von Personalien eingeleitet wurde, machten einige Teilnehmer ihrem Unmut darüber lautstark Luft. Pfiffe ernteten die Beamten, als sie eine Frau mit kleinem Kind und einem Plakat zum Mannschaftswagen führten, um die Daten aufzunehmen.

Kurzzeitig brisant wurde es, als sich in der Salzgasse - gleich neben dem Revier - eine junge Dame der Kontrolle ebenso lautstark zu entziehen versuchte. Während Uniformierte das Areal abriegelten, gab's rundum viel zu debattieren. "Komm, wir zeigen denen mal, was ,kesseln' ist", zum Beispiel.

Andere Polizisten gingen auf dem Hauptmarkt freundlich auf Menschen zu, forderten zum Nach-Hause-Gehen auf. "Das hast du mir nicht zu sagen. Dort (mit Fingerzeig auf seine Frau - d.R.) steht meine Mutti - die darf das", so die Erwiderung.

Hämischer Beifall für die Polizei

Hämischer Beifall dann, als kurz vor 20 Uhr acht weitere Mannschaftswagen mit Blaulicht vor das Rathaus rollten. Das zeigte dennoch Wirkung: Die Mehrzahl der Teilnehmer verließ jetzt den Ort des Geschehens.

Zurück blieben auch diesmal mulmige, beklemmende Gefühle und auch Unverständnis Beteiligter. "1989 haben wir für die Schaffung der Demokratie gekämpft. Und jetzt wollen wir sie zerschlagen?" fragte ein Mann und schüttelte ratlos mit dem Kopf.

Es war nicht der einzige Protest am Montag. Auch in Riesa (circa 20), in Nünchritz (rund 30) sowie Oschatz gingen Menschen auf die Straße. In Meißen und Radebeul wurden je 150 Personen gezählt, in Radeburg 70.

Auch hier führte die Polizei nach eigenen Angaben mehrere Identitätsfeststellungen durch und leitete Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung ein. Zudem werde wegen Verstößen gegen das Sächsische Versammlungsgesetz ermittelt.