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Spielzeug und Strümpfe sind tabu

Die Supermärkte in der Region Döbeln dürfen nur noch Waren des täglichen Bedarfs anbieten. Die Meinung der Kunden dazu ist geteilt.

Rot-weißes Band soll die Kunden im Edeka-Markt Bühler in Döbeln davon abhalten, zu Ware zu greifen, die nach Ansicht der Regierung nicht zum täglichen Bedarf gehört.
Rot-weißes Band soll die Kunden im Edeka-Markt Bühler in Döbeln davon abhalten, zu Ware zu greifen, die nach Ansicht der Regierung nicht zum täglichen Bedarf gehört. © Dietmar Thomas

Döbeln. Kopfschüttelnd steht ein Mann vor einem Regal bei Kaufland. Das ist mit Folie verhangen und ein gedruckter Flyer weist darauf hin, dass diese Waren aufgrund einer behördlichen Anordnung derzeit nicht verkauft werden dürfen. Die Kunden werden um Verständnis gebeten. Das hat der Mann eher nicht. „Das ist doch nicht normal“, schimpft er vor sich hin und biegt in den nächsten Gang ein.

Bei Kaufland sind viele Regalreihen verhangen. Hinter der Folie verbergen sich Spiel- und Hauhaltwaren, Untertrikotagen und Bücher. Pressesprecherin Andrea Kübler bezeichnet die Lage als angespannt. „Die Ware gehört zu unserem Verkaufskonzept“, erklärt sie.

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Viele Mitarbeiter räumen Ware. Der Supermarkt hat die Anlieferung bestimmter Sortimente zwar gestoppt, aber die Waren, die bereits unterwegs waren, muss er annehmen, auch wenn er sie im Moment nicht verkaufen darf. Dadurch füllt sich das Lager mehr als üblich. Deshalb muss von dort in den 3.300 Quadratmeter großen Markt, was laut Staatsregierung zu den Waren des täglichen Bedarfs gehört.

Ähnlich sieht es bei Marktkauf aus. Dort soll rot-weißes Absperrband die Kunden davon abhalten, zu Waren zu greifen, die als nicht zum täglichen Bedarf gehörend eingestuft werden. An der Stelle im Eingangsbereich, an der sonst eine große Auswahl an Blumen zu finden ist, stehen Kistenstapel Blumenkohl. Orchideen und Co. wurden in den Gastrobereich verbannt, in den sich zurzeit ohnehin niemand setzen darf.

Schwierige Zeit für Händler in der Region Döbeln

An den Bereichen von Depot und Tchibo, bei Schuhen, Taschen, Kleidung, Spielzeug, Büchern und Weihnachtsdeko – überall rot-weißes Band und der Hinweis, dass diese Sortimente nicht verkauft werden dürfen. Etwa 30 Prozent des Angebots bei Marktkauf macht das aus. „Das hat uns völlig unvermittelt getroffen. Beim Lockdown im Frühjahr gab es eine solche Regelung nicht“, sagt Geschäftsführer Sven Flößner. Und die ersten Absprachen seien in Bezug auf den Handel gleich denen im Frühjahr gewesen. „Das ist für die Händler eine schwierige Zeit“, so Flößner.

Auch im Edeka-Markt Bühler hält sich die Leitung an die Vorgaben. Blumen, das wenige Spielzeug, Strümpfe und ein Regal mit sogenannter Non-Food-Ware im Kassenbereich sind abgedeckt.

Uneingeschränkt einkaufen können die Kunden am Montagvormittag dagegen bei Lidl und Netto in Döbeln Ost. Dort gibt es keinerlei Absperrungen oder Abdeckungen. Die Anfrage von Sächsische.de bei den Zentralen der beiden Filialisten weshalb das so ist, bleibt bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Der Vollzugsdienst des Döbelner Ordnungsamtes war am Montagvormittag in allen Döbelner Einkaufsmärkten unterwegs, um die Einhaltung der aktuellen Regelungen zu kontrollieren. „Die überwiegende Zahl der Marktleiter zeigte für die Vorgaben Verständnis“, so Thomas Mettcher, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Zwei Einkaufsmärkte hatten das betreffende Sortiment bereits abgetrennt. „Die anderen Märkte taten dies nach der Aufforderung durch den Vollzugsdienst“, so Mettcher. Am Dienstag werde das Ordnungsamt die Kontrollen wiederholen.

Meinungen der Kunden: Traurig, krass, verständnislos

Die Kunden sehen die Entscheidung, einige Waren nicht mehr anzubieten, ganz unterschiedlich. „Ich dachte, mich erschlägt es da drin“, meint eine Mochauerin, die gerade aus Marktkauf kommt. Sie habe zwar von den Vorgaben gehört, „aber, dass es so verschärft ist, habe ich nicht erwartet.“ Sie bezeichnet die Situation als traurig. „Aber wir müssen es nehmen, wie es ist.“

Als krass bezeichnet eine Döbelnerin die neuen Regelungen. „Ich finde das nicht in Ordnung“, sagt sie und zeigt in ihren Einkaufskorb. „Für mein Tier darf ich ein Spielzeug kaufen, aber für ein Kind nicht“, meint sie verständnislos.

Spielzeug für die Enkel hätte eine Familie aus Otzdorf gern noch mitgenommen. Auch sonst hätte sie das nicht im Einzelhandel gekauft. Nichts Großes sollte es sein. Mit Kurzarbeit seien keine großen Sprünge zu machen.

Gegenüber den anderen, kleineren Händlern sei das in Ordnung, meint eine Döbelnerin. Schließlich dürften die ihr Sortiment auch nicht verkaufen und mussten komplett schließen.

Eine Mutter und ihre Tochter haben gleich für die Großeltern mit eingekauft. Die Rand-Döbelner finden es fraglich, ob die Kunden, das was jetzt abgedeckt ist, in „normalen Zeiten“ tatsächlich beim Einzelhändler gekauft hätten. Sie haben das Gefühl, dass die Menschen wieder beginnen zu hamstern. „Es ist eine schwierige Zeit. Die Stimmung ist unangenehm, noch hektischer als sonst“, so die Tochter. Und wie zur Bestätigung beschimpfen sich zwei Wartende in der Schlange, die bei Kaufland nach einem Korb ansteht.

Hinweis: Wer am Dienstag in den Supermärkten einkauft, erlebt dort voraussichtlich schon wieder eine andere Situation. Denn am Montagabend, kurz vor Redaktionsschluss, hat die Sächsische Staatsregierung die Regelungen wieder gelockert. Die meisten Geschäfte dürfen wieder ihr komplettes Sortiment anbieten.

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