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Politik

Städtetag fürchtet zu wenige Impf-Ärzte

Deutschland bereitet sich auf die ersten Corona-Impfungen vor. Um die rasche Verteilung zu sichern, ist noch viel zu tun. Wer soll zuerst geimpft werden?

Der Städtetag hat die Länder aufgefordert, schon jetzt genug Personal für Impfzentren bereitzustellen.
Der Städtetag hat die Länder aufgefordert, schon jetzt genug Personal für Impfzentren bereitzustellen. © David Cheskin/PA Wire/dpa (Symbolbild)

Berlin. Der Deutsche Städtetag hat die Länder aufgefordert, rasch genügend medizinisches Personal für Corona-Impfungen bereitzustellen. "Wenn der Impfstoff da ist, dürfen die Impfungen nicht an fehlendem Personal scheitern", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD). Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass im Dezember ein erster Impfstoff zugelassen wird. Nach dem aktuellen ZDF-"Politbarometer" will sich gut die Hälfte der Bürger (51 Prozent) impfen lassen, 29 Prozent sind sich da noch nicht sicher und 20 Prozent wollen das definitiv nicht.

"Bund, Länder und Kommunen wollen gemeinsam, dass die Impfungen ein Erfolg werden", betonte Jung. Sie seien ein entscheidender Baustein, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. "Die Städte unterstützen selbstverständlich tatkräftig den Aufbau und Betrieb der Impfzentren. Sie sind in der Lage, zügig die notwendigen organisatorischen Vorbereitungen zu treffen. Das heißt zum Beispiel Gebäude anmieten und ausstatten." Die Kosten, die den Kommunen entstünden, müssten Bund, Länder und Krankenkassen ausgleichen.

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Die Impfungen selbst seien Aufgabe der kassenärztlichen Vereinigungen und ihrer niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, so der Leipziger Oberbürgermeister. "Das medizinische Personal der Gesundheitsämter bleibt durch die Pandemie auf absehbare Zeit voll ausgelastet und kann nicht zusätzlich auch noch die Impfungen übernehmen. Wir fordern die Länder auf, sich gemeinsam mit den kassenärztlichen Vereinigungen jetzt schnell um genügend medizinisch-pflegerisches Personal für die Impfzentren und die mobilen Impfteams zu kümmern."

Die Zeit dränge, weil die ersten Impfstoff-Mengen schon bald zur Verfügung stehen dürften. "Die begrenzten Impfdosen sind zunächst für einen relativ kleinen Personenkreis gedacht. Wer genau vorrangig geimpft wird, müssen Bund und Länder nun schnell verbindlich festlegen und transparent machen", so Jung.

Verwirrender Begriff der Impfzentren

Gesundheitsminister Spahn machte deutlich, dass er vor allem von Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen erwartet, sich so bald wie möglich impfen zu lassen. Jeder könne für sich entscheiden, ob er dieses Angebot annehme, sagte Spahn dem Bayerischen Rundfunk im Interview der Woche auf B5 aktuell. Aber: "Im Ziel habe ich schon die Erwartung und die Bitte, dass die allermeisten, die im Gesundheitswesen arbeiten, sich auch impfen lassen." Es gehe nicht nur darum, sich zu schützen, sondern auch die, die man pflege.

Spahn hat die Länder nach eigenen Angaben gebeten, dass die Impfzentren Mitte Dezember einsatzbereit sein sollen. Jung warnte vor zu hohen Erwartungen. "Wir sind etwas unglücklich über die Bezeichnung Impfzentrum, weil die Menschen so vielleicht den Eindruck bekommen, dass ab Januar in jeder kreisfreien Stadt und in jedem Kreis eine Einrichtung in Betrieb ist, wo man sich impfen lassen kann", sagte der Städtetagspräsident.

"Tatsächlich gehen wir aber davon aus, dass bis weit ins Frühjahr hinein vor allem mobile Impfteams in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser fahren. Dort werden dann vorrangig chronisch kranke, hochbetagte Menschen und das dortige Personal geimpft", so Jung. Es dürfte keine unrealistische Erwartungen geweckt werden. "Massenimpfungen für die breite Bevölkerung werden nach den Plänen von Bund und Ländern frühestens ab dem Sommer möglich sein."

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