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Steigen trotz Corona die Sommerfeste im Rödertal?

Ottendorf wird 100 Jahre alt, Radeberg feiert sich als Bierstadt. Kann man trotz Corona feiern? Jetzt hat sich eine Kommune festgelegt.

Tausende Besucher kommen jedes Jahr zum Bierstadtfest nach Radeberg. Auch in diesem Jahr laufen die Vorbereitungen.
Tausende Besucher kommen jedes Jahr zum Bierstadtfest nach Radeberg. Auch in diesem Jahr laufen die Vorbereitungen. © Archiv/Thorsten Eckert

Radeberg/Ottendorf-Okrilla. Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis Bautzen steigt. Am Freitagmittag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Meldung des RKI bei 262,5 Fällen pro 100.000 Einwohner. Immer mehr Menschen werden auf den Intensivstationen behandelt. Die Hoffnungen vieler liegen auf dem Sommer, darauf, dass mit ausreichend Impfstoff die Pandemie eingedämmt werden kann. Endlich wieder im Biergarten sitzen, endlich wieder gemeinsam feiern. Damit das passieren kann, müssen Kommunen schon jetzt ihre Stadt- und Dorffeste vorbereiten - oder es bleiben lassen. Zwei Beispiele:

Ottendorf-Okrilla: Klare Entscheidung vor der 100-Jahr-Feier

Ottendorf wird einhundert Jahre alt. Die Gemeinde soll deshalb in allen Ortsteilen vier Tage lange feiern, von Donnerstag, dem 1. Juli, bis Sonntag, den 4. Juli. So der Plan. Seit vergangenem Jahr bereitet Katrin Hoyer von der Gemeindeverwaltung das Event vor. Ein detailliertes Programm wurde ausgearbeitet. „Unsere Idee war, zu zeigen, welche Kraft in den Vereinen liegt. Wir hatten sie aufgerufen, sich zu beteiligen, und die Resonanz war überwältigend“, sagt sie. Die Gemeinde selber hatte schon in den vergangenen Jahren große Beträge zurückgelegt. Das Jubiläumsfest sollte am Donnerstag mit einer Eröffnungsfeier in der Turnhalle An der Blöße beginnen, mit Bühnenprogramm, einer Versteigerung und Lagerfeuer. Die Festmeile sollte am Freitag an der Kühnmühle eröffnet werden mit zahlreichen Ständen und Karussell.

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Als Höhepunkt war am Abend der Auftritt der Partyband Jolly Jumper plus Vorband und DJs geplant. Wie es sich für ein Ortsfest gehört, war für den Sonnabend ein großer Umzug vorgesehen mit vielen Vereinen und Firmen. Mehr als zwei Stunden wären Wagen durch den Ort gezogen, hat Katrin Hoyer ausgerechnet. Am Nachmittag hätte sich das Geschehen in den Hermsdorfer Schlosspark verlagert mit Vereinspräsentationen, leckerem Imbiss und am Abend viel Musik mit zwei DJs, einem Roland-Kaiser-Double und einer Rockband. Am Abend sollte der Schlossteich mit einem Licht-Spektakel illuminiert werden. „Wir wollten, dass die Einwohner sich noch Jahre daran erinnern und sagen, das war toll damals“, so Katrin Hoyer. Der Sonntag war mit Frühschoppen und Bühnenprogramm geplant.

Das Programm lag fertig auf dem Tisch, erste Verträge waren unterschrieben, und mit den Vereinen war gesprochen worden. Zu Beginn des Jahres dann der Kurswechsel. „Wir haben uns gesagt, angesichts der Corona-Entwicklung können wir die Feier nicht abhalten. Das wurde erst in der Verwaltung mit Bürgermeister Rico Pfeiffer diskutiert. Anfang März hat dann auch der Gemeinderat einstimmig für eine Absage votiert. Die Qualität, die wir uns vorgestellt hatten, wäre nicht zu erreichen gewesen. Am Ende wurde diese schmerzliche Entscheidung von vielen mitgetragen.“

Radeberg: Bierstadtfest in Aussicht

Anders verfährt die Stadt Radeberg: In diesem Sommer soll das Bierstadtfest wieder stattfinden. Vom 16. bis 18. Juli soll drei Tage lang mit viel Livemusik und dutzenden Ständen auf dem Marktplatz gefeiert werden. Tausende Besucher sind an dem Wochenende in Radeberg unterwegs. Die Vorbereitungen haben längst begonnen. Entlang der Hauptstraße und auf dem Markt werden zahlreiche Buden zum Bummeln einladen. Es wird das Bierfassrollen geben, und auch der beliebte Funkenflug, also der Wettbewerb der Tanzgruppen, wird stattfinden. Stadtsprecher Jürgen Wähnert hat jetzt bestätigt, die Vorbereitungen laufen. Allerdings betont die Stadt, dass das Ganze unter Vorbehalt steht. Die endgültige Entscheidung wird erst in einigen Wochen fallen. „Ende Mai sehen wir uns die Corona-Lage genau an und legen fest, ob das Bierstadtfest stattfinden kann oder nicht“, sagt der Stadtsprecher. 2020 musste es wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Weshalb entscheiden die Kommunen so unterschiedlich?

Weshalb entscheiden die Kommunen so unterschiedlich? Die Feste waren für den gleichen Monat geplant, beide mit tausenden Besuchern, teils eng gedrängt vor der Bühne. Die Infektionszahlen sind die gleichen. In Ottendorf wird die Absage mit der langen Vorbereitungszeit begründet. „Die Vereine müssten sich jetzt schon treffen, um zu proben oder den Umzug vorzubereiten. Der Männerchor beispielsweise kann nicht zu seinen Chorproben zusammenkommen. Diese Situation hält angesichts der Lage sicher noch einige Zeit an“, sagt Katrin Hoyer. Auch Sicherheitsbedenken hätten zu der Absage geführt. „ Wir hatten geplant, sämtliche Veranstaltungen eintrittsfrei anzubieten. Wenn jetzt zwei Wochen vor dem Jubiläum die Auflage kommt, nur 1.000 Besucher dürfen zum Konzert, dann hätten wir einen Sicherheitsdienst beauftragen und Zäune aufstellen müssen. Mit hohen Kosten. Das Risiko ist uns zu hoch.“ Im Vertrag mit Jolly Jumper sei eine Corona-Klausel vereinbart worden, die angewandt werden konnte.

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Radeberg sieht noch ausreichend Spielraum für eine Entscheidung. „Wir wollten mit den Vorbereitungen beginnen, um uns so die Möglichkeit für das Bierstadtfest offen zu halten“, sagte OB Gerhard Lemm vor einiger Zeit. Ende Mai könnte dann die endgültige Entscheidung getroffen werden, dass sei die Lage klarer, die Impfkampagne habe hoffentlich an Fahrt aufgenommen und das Virus zurückgedrängt. Dann sei es auch noch nicht zu spät, um das Fest abzusagen. Die Chancen überwiegen. Um Zeit zu gewinnen, hatten die Veranstalter den Termin bereits von Anfang Juni auf Mitte Juli verlegt.

In Ottendorf soll das Jubiläum jedoch nicht vollkommen ausfallen. „Eine Festveranstaltung wird es geben. Dabei werden unter anderem verdiente Ottendorfer geehrt, und es wird die Ortschronik übergeben, an der die Autoren schließlich sechs Jahre gearbeitet haben.“ Auch das Pflanzen der 100 Bäume wird stattfinden, eventuell zu einem späteren Zeitpunkt, und die Dorfoper, die Fried Walter aus Ottendorf komponiert hatte, wird aufgeführt. Unklar ist aber noch, wann das geschehen wird. Das könne auch später erfolgen, je nach dem, wie sich die Corona-Lage entwickelt.

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