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Corona: Sterbende brauchen Beistand

Der einsame Tod auf Corona-Stationen bewegt viele. Auch der Kamenzer Seelsorger Vincenc Böhmer weiß von der Not der Kranken - und des Personals.

Der Kamenzer Krankenhaus-Seelsorger Vincenc Böhmer bemüht sich, auch und vor allem in der Corona-Krise für schwer kranke Patienten da zu sein. Besuche bei palliativen und sterbenden Patienten ermöglicht das Malteser-Krankenhaus.
Der Kamenzer Krankenhaus-Seelsorger Vincenc Böhmer bemüht sich, auch und vor allem in der Corona-Krise für schwer kranke Patienten da zu sein. Besuche bei palliativen und sterbenden Patienten ermöglicht das Malteser-Krankenhaus. © PR

Kamenz. In der Corona-Krise treffen die Festlegungen der Politik zu Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen nicht immer auf Verständnis. Das gilt vor allem auch, wenn es um das Sterben im Krankenhaus geht.

Besuche in schweren Fällen möglich

Das Thema spaltet - und steht vor allem bei denen im Fokus, die täglich damit zu tun haben. Im Malteser-Krankenhaus Kamenz kennt man die Nöte. "Seit Mitte März stehen wir vor Herausforderungen rund um die Infektionsrisiko-Minimierung, die fortlaufende medizinische Versorgung, erhöhten Arbeitsausfall durch Quarantäne und Krankheiten sowie den Besucherstopp", sagt Krankenhaus-Seelsorger Vincenc Böhmer.

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"Von Anfang an war uns aber klar: So knapp die Ressourcen wie Schutzmaterial und Zeit sein mögen, Besuche müssen wir bei palliativen und sterbenden Patienten ermöglichen. Und ebenso die Verabschiedung am Totenbett!" Auch in den Oberlausitz Kliniken Bautzen und Bischofswerda wird dies nach Angaben der Krankenhausleitung so gehandhabt. Am Ende zähle aber die Einzelfallentscheidung der leitenden Stationsärzte.

Video-Telefonie als Alternative?

In Kamenz sei dies bisher gut gelungen, sagt Vincenc Böhmer. "Natürlich stand uns vor Augen, wie schmerzlich es sein würde, einen Angehörigen nicht verabschieden zu können, und ich bin dankbar, dass nicht ich als Seelsorger einen Weg suchen musste, sondern dass dieses Anliegen von allen Führungskräften des Hauses vorgebracht wurde."

Die größten Herausforderungen seien aktuell die Ängste der Patienten und Angehörigen sowie die mitunter lange Abgeschiedenheit. "Das betrifft einerseits all jene, die mit einer Corona-Infektion behandelt werden. Andererseits unsere geriatrischen Patienten, die allgemein für länger im Krankenhaus sind, zum Teil anschließend in eine Anschlussheilbehandlung gehen und somit sehr lange von der Familie getrennt sind."

Hierfür würden Lösungen gesucht - ähnlich wie es sie im St. Carolus in Görlitz beispielsweise mit der Video-Telefonie gibt. Die Technik könne den Besuch von Angesicht zu Angesicht zwar nicht ersetzen. "Aber sie bietet die Möglichkeit, neben dem Hören der vertrauten Stimme auch den Vertrauten zu sehen."

Landrat kritisiert Verhalten der betroffenen Familie

Der Fall einer Familie aus Panschwitz-Kuckau, die mit dem Tod des 80-jährigen Vaters an die Öffentlichkeit ging, schlug kürzlich Wellen. Während viele mitfühlten, kritisierten andere die Darstellung des Geschehens. Allen voran Landrat Michael Harig (CDU). Die Familie habe - so seine Aussage - am letzten Tag vor den November-Beschränkungen noch zusammen gefeiert. "Die Senioren waren zu diesem Zeitpunkt schon fiebrig erkrankt. Der Jubilar verstarb im Nachgang, und die zum großen Teil infizierte Familie beklagt nun die Besuchsbeschränkungen im Krankenhaus", kritisierte Harig. Und appellierte nochmals an die Vernunft aller.

Leser Thomas Wolf aus Dresden schreibt dazu: "Die in dieser Region deutlich höheren Infektionszahlen zeigen, dass die Verantwortungsbereitschaft der Menschen gegenüber der Pandemie offensichtlich eine andere ist als in größeren Städten. "Man muss aber hinterfragen, welche Optionen dem Arzt zur Verfügung standen, seine Isolierstation viren- und keimfrei zu halten."

Auch SZ-Leser Herbert Löffler äußert sich: " Es ist sehr schlimm, wenn ein Angehöriger stirbt!" Dennoch störe ihn der Fakt, dass die Familie in Quarantäne war. "Sie hätten Haus oder Wohnung nicht verlassen dürfen." Hätte die Klinik also das Risiko einer Ansteckung von Schwestern, Pflegern und Ärzten eingehen dürfen oder müssen?", fragt er.

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