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Kripo ermittelt nach Stöcker-Impfung

Nach der Impf-Aktion mit dem nicht zugelassenen Stöcker-Impfstoff ermittelt die Polizei. Stöcker selbst tritt unterdessen bei Russia Today auf.

Winfried Stöcker - hier ein Archivbild - ist wegen seiner nicht zugelassenen "Impfung" derzeit im Fokus der Öffentlichkeit.
Winfried Stöcker - hier ein Archivbild - ist wegen seiner nicht zugelassenen "Impfung" derzeit im Fokus der Öffentlichkeit. © Bernd Gärtner

Görlitz. Bei der Staatsanwaltschaft Görlitz ist im Zusammenhang mit der Stöcker-Impfaktion in Kiesdorf vom 15. Juli nun ein Verfahren anhängig. Das bestätigte die Polizeidirektion Görlitz nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft nun auf SZ-Nachfrage. "Derzeit ist noch nicht bekannt, ob mit der Impfung ein Straftatbestand verwirklicht wurde. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sollen hierüber Klarheit schaffen", erklärt Pressesprecher Kai Siebenäuger.

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Am 30. Oktober erstrahlt die nächtliche Görlitzer Innenstadt wieder in einem Meer voller Farben und lädt sie zu einem besonderen Einkaufserlebnis ein.

Um sich mit dem sogenannten Stöcker-Antigen gegen Covid-19 immunisieren zu lassen, hatten sich 150 bis 200 Menschen zu einem Impftermin im Kulti in Kiesdorf, einem Ortsteil von Schönau-Berzdorf, eingefunden. Winfried Stöcker, Arzt, Gründer der Firma Euroimmun und im Landkreis Görlitz bekannter Investor, hat dieses Antigen entwickelt. Eine Zulassung über die gesetzlich geregelten Verfahren mit dazugehörigen Testreihen gibt es allerdings nicht. Mit dem Argument der Therapiefreiheit eines Arztes ermuntert Stöcker dennoch Ärzte, dieses Antigen zu verimpfen. Er bietet auf seiner Webseite eine Bestelladresse an. Im Kreis Görlitz sind mehrfach Fälle bekannt geworden, dass Ärzte dieses Antigen verabreichen. Auch dazu laufen Recherchen der Staatsanwaltschaft.

Russischer Regierungssender bei Stöcker

Stöcker selbst bewirbt sein Antigen in einem am 9. Juli erschienenen Film des Portals RT.de. Dieses Portal gehört zum Angebot von Russia Today deutsch, einem vom russischen Staat gegründeten und finanzierten Auslandsfernsehsender. Dort soll dem Zuschauer das Weltgeschehen aus einer russischen - und damit alternativen - Perspektive gezeigt werden. RT wird von Kritikern vorgeworfen, gezielte Desinformation zu betreiben und Verschwörungstheorien zu verbreiten. Im Beitrag über Winfried Stöcker, den ein Filmteam in seinem Privat-Labor besuchte, demonstriert und erläutert Stöcker die Herstellung des Antigens.

Er spricht dabei nicht nur darüber, dass 95 Prozent der mit seinem Stoff Geimpften Antikörper entwickeln, sondern nennt nun auch eine Zahl zur Bildung der wichtigen T-Zellen zur Immunabwehr, die er bisher nicht genauer benannt hat. Immunologen bezeichnen diese Zahl als weitaus wichtiger. Demnach seien in "Stichprobentests" bei zwölf von 20 Patienten solche T-Zellen gefunden worden. Unabhängige Ergebnisse in größeren Versuchsreihen gibt es zu Stöckers Wirksamkeits-Angaben nicht.

Auch für Stöckers Behauptung, dass sein Antigen inzwischen "so modifiziert ist, dass es alle neuen Mutanten enthält" und dagegen wirksam sei, gibt es nur seine eigene Angabe im RT-Beitrag. In dem Film, der dem Zuschauer suggeriert, dass gegen Stöcker und seine Impfung von staatlicher Seite "gezielt vorgegangen" werde, um wissenschaftlich interessantere Methoden und damit auch Patente zu protegieren, kommen Kritiker nicht zu Wort. Lediglich aus einer Antwort der Staatsanwaltschaft Lübeck wird zitiert.

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