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Stöcker strebt Zulassung seines Impfstoffs an

Eine schnelle Zulassung des Corona-Impfstoffs von Stöcker in Deutschland ist unwahrscheinlich. Er will sein Antigen außerhalb von Europa anbieten.

Fühlt sich für seinen Corona-Impfstoff zu Unrecht angegriffen: Professor Winfried Stöcker.
Fühlt sich für seinen Corona-Impfstoff zu Unrecht angegriffen: Professor Winfried Stöcker. © Stern TV

Der Lübecker Wissenschaftler Professor Winfried Stöcker erhält von seinem früheren Unternehmen Euroimmun AG und dessen Mutterfirma Perkin Elmer aus den Vereinigten Staaten keine Unterstützung. Das betonen beide Seiten unabhängig voneinander gegenüber der SZ.

"Euroimmun ist in keiner Weise in die unabhängigen Forschungsbemühungen von Prof. Winfried Stöcker involviert", erklärt Euroimmun-Sprecherin Johanna Fraune. Und Winfried Stöcker antwortet auf die Frage, ob er nie daran dachte, zusammen mit Euroimmun seinen Impfstoff herzustellen und so ein neues Geschäftsfeld aufzubauen, schriftlich der SZ wie folgt: "Euroimmun und ihre Mutterfirma Perkin Elmer wollen sich nicht mit Impfstoffen beschäftigen."

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Labor Stöcker kauft das Antigen ein

Das Antigen, das die Grundlage seines Impfstoffs darstellt, beziehe das Laboratorium Stöcker in Lübeck von Dritten. "Wir stellen das Antigen seit Langem nicht mehr selbst her, sondern wir kaufen es ein." So ist es auch mit dem Antigen geschehen, das eine Allgemeinmedizinerin aus dem Südkreis Görlitz Patienten gespritzt hat. "Was wir tun, ist die Qualität des Produktes zu kontrollieren, etwa indem wir die Antigen-Potenz überprüfen, die biochemische Reinheit und die Abwesenheit von Mikroorganismen", erklärt Stöcker über die Arbeit seines Labors.

Zulassung außerhalb von Europa

Weil eine Zusammenarbeit mit Euroimmun nicht besteht, werde sich nun das Labor Stöcker selbst mit der Zulassung seiner Impfung befassen, "erst einmal außerhalb Europas, weil unsere beste Corona-Impfung dringend gebraucht wird". Welche Länder das sein werden, gibt Stöcker nicht an. Und schreibt weiter: "Sonst bekommen wir dort gleich am Anfang zu viel Gegenwind. Dort werden dann die gleichen Lügen verbreitet wie in Deutschland, wo man Ärzte, die sich ganz im Sinne der Gesetze verhalten, versucht zu kriminalisieren."

Das Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt/Main, das über die Zulassung von Impfstoffen entscheidet, sieht das anders und hegt den Anfangsverdacht, dass Winfried Stöcker gegen das Zulassungsverfahren in Deutschland verstoßen hat. Deswegen gibt es in Lübeck Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die noch nicht abgeschlossen sind.

Was ist dran an der Kritik Stöckers an anderen Impfstoffen?

Gerade dieses Zulassungsverfahren kritisiert Stöcker als "unnötig übertrieben und hat zu Verzögerungen geführt, die Tausende Menschen das Leben gekostet und unsere Wirtschaft niedergeknüppelt hat". Obwohl es nach Ansicht von Stöcker übertrieben sei, kritisiert er aber andererseits, dass "unerprobten Impftechniken gegen jede Vernunft Vorschub geleistet wurde", mithin das Zulassungsverfahren für diese Impfstoffe nun wiederum noch nicht umfangreich genug ist. Stöckers Kritik zielt auf die Mainzer Firma Biontech, die er auch schon vor dem Wirtschaftsrat der sächsischen CDU massiv kritisiert hat. Deren Impfstoff wurde vor seiner Zulassung an 40.000 Menschen getestet, das sind mehr als die meisten anderen Impfstoffstudien. Das Antigen von Winfried Stöcker wurde bislang schätzungsweise an 200 Personen verimpft. Allerdings sagt Stöcker: "Es ist übrigens ein Unterschied, ob man ein banales Antigen zum Impfen verwendet oder einen Vektorvirus und fremdes Erbmaterial".

Die Diskussion über die Impfstoffe hält nun bereits seit über einem halben Jahr an und lebt durch vereinzelt auftretende, auch schwere Nebenwirkungen wie die Gehirntvenenhrombosen bei AstraZeneca immer wieder auf. Aber auf der einen Seite ist die Gefahr bei einer Impfung deutlich geringer, als bei einer Infektion schwer an Corona zu erkranken. So schreibt das Robert-Koch-Institut in Berlin in seinem Tagesbericht am Sonntagabend: „Alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, schützen nach derzeitigen Erkenntnissen sehr gut vor einer Erkrankung durch die in Deutschland hauptsächlich zirkulierende VOC B.1.1.7, und sie schützen auch vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten.“

Zum anderen wird in den Medien ausführlich über die Diskussion berichtet. So auch erst zuletzt in der SZ.

Schätzung: 30 Prozent aller Einwohner geschützt

Aus Sicht Stöckers besäßen die eingesetzten Impfstoffe eine zu niedrige Akzeptanz. Zumindest in Deutschland ist das bislang nicht der Fall, die Impftermine in den Impfzentren sowie bei den Hausärzten sind so schnell ausgebucht, dass sich Tausende vergeblich um einen Impftermin bemühen. In Umfragen wollen sich bis zu 70 Prozent aller Deutschen impfen lassen.

Stöcker sieht aber auch im Landkreis Görlitz, dass viele Menschen eine Alternative zu den bislang zugelassenen Impfstoffen wollen, "weil sie sich ängstigen". Zuletzt hatte er einen Test seines Antigens unter Tausenden Einwohnern im Kreis Görlitz vorgeschlagen, um die Wirksamkeit seines Impfstoffs unter Beweis zu stellen. Tatsächlich äußern sich immer wieder Impfskeptiker, dass sie zwar die zugelassenen Impfstoffe ablehnen, aber sich durchaus mit dem russischen Impfstoff Sputnik V impfen lassen würden. Dessen Zulassung wird aber erst für den September erwartet, nachdem nötige Unterlagen nicht vorlagen.

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Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums sind bis vergangenen Donnerstag, rund 75.000 Erstimpfungen im Impfzentrum Löbau verabreicht worden, zudem weitere 47.000 Zweitimpfungen. Nicht erfasst sind in den Zahlen die Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten. Seit Anfang April, so teilt das RKI mit, sind sie aber für 40 Prozent aller Impfungen verantwortlich. Zusammen mit den rund 19.000 Menschen im Kreis, die die Coronavirus-Infektion überstanden haben, dürften mittlerweile rund 30 Prozent der Einwohner im Kreis Görlitz vollständig gegen das Coronavirus geschützt sein.

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