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Striezelmarkt: Entscheidung fällt Mitte November

Wegen der Corona-Pandemie kann der Striezelmarkt in diesem Jahr nicht wie geplant stattfinden. Doch die Planungen laufen auf Hochtouren.

Kann der Dresdner Striezelmarkt in diesem Jahr stattfinden? In der Stadtverwaltung zeigt man sich trotz Lockdwon kämpferisch.
Kann der Dresdner Striezelmarkt in diesem Jahr stattfinden? In der Stadtverwaltung zeigt man sich trotz Lockdwon kämpferisch. © Archiv: Sven Ellger

Update vom 5. November, 13.15 Uhr: Die Stadt Dresden hält trotz der unklaren Pandemie-Lage weiter am Striezelmarkt fest. Seit Sonnabend steht der Striezelmarktbaum, eine Fichte aus der Dresdner Heide auf dem Altmarkt, dort sind auch die traditionelle Krippe und die Hütte der Marktaufsicht aufgebaut. 

Bis Montag will die Verwaltung ebenfalls, dass die Pyramide und der Schwibbogen stehen. Denn auch falls der Markt ausfällt, will die Stadt mit den Traditionswahrzeichen ein Zeichen der Konstanz setzen. 

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"Weihnachten findet statt – ob mit oder ohne Weihnachtsmärkte. Aber wir wünschen uns Weihnachten mit Weihnachtsmarkt und blicken sehr gespannt auf die kommende Woche, was Bund und Länder im Dezember möglicherweise wieder zulassen", so Robert Franke, Leiter des städtischen Amts für Wirtschaftsförderung. 

Sobald es ein positives Signal gebe, sei man vorbereitet und könne gemeinsam mit den Händlern starten. Alles hängt nun also davon ab, was Bund und Länder miteinander absprechen. Am 12. November treffen sich die Chefs der Staatskanzleien mit Kanzleramts-Chef Helge Braun, am 16. November will Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten Bilanz zu den Novembermaßnahmen ziehen. 

Man lasse sich seine Zuversicht nicht nehmen, sagt Franke. Der Striezelmarkt habe eine immense wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt. "Es ist unsere Aufgabe, hier alle Möglichkeiten auszuschöpfen und nicht verfrüht aufzugeben, auch wenn es für alle Beteiligten ein enormer Kraftakt ist."

Markt kann in der aktuellen Form nicht stattfinden

Er wolle alles tun, damit Weihnachtsmärkte stattfinden können, hatte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) immer wieder betont. Seit einer Woche steht allerdings fest: Zum ersten Advent wird es auf dem weltberühmten Dresdner Striezelmarkt weder Glühwein noch Pfefferkuchen geben. Denn es wird den Striezelmarkt dann nicht geben.

Das Infektionsgeschehens und der Lockdown ab dem 2. November machen derart große Veranstaltungen unmöglich, sagte der zuständige Amtsleiter Robert Franke. "Wir können uns drehen und wenden, wie wir wollen: Im November wird nichts möglich sein." Das gilt auch für die thematischen Weihnachtsmärkte. Von einer Komplettabsage will er noch nicht sprechen. Denn er hoffe, dass Büdchen, Pyramide und Schwibbogen vielleicht im Dezember aufgebaut dürfen. 

Man wolle verschiedene Szenarien für die verbleibende Adventszeit entwickeln. Eine Verlängerung in den Januar hinein will er nicht ausschließen. "Es sind verrückte Zeiten." Aber: Am Ende entscheiden die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin, ob der Lockdown tatsächlich im November enden wird.

Konzept für Striezelmarkt wird eventuell überarbeitet

Die Striezelmarkt-Händler waren am vergangenen Donnerstag noch nicht über die Entscheidung informiert worden. Man wolle sich aber schnellstens mit ihnen in Verbindung setzen und klären, wer im Dezember überhaupt noch dabei wäre. 

Stefanie Frenzel aus Dresden ist seit sechs Jahren mit einem Stand am größten Weihnachtsmarkt der Stadt vertreten. Dort verkaufen sie und ihre Mitarbeiter Siebenbürger Baumstriezel in allen Variationen. Anfang September sei sie noch optimistisch gewesen, dass es eine Chance für ein einigermaßen gutes Weihnachtsgeschäft gibt, erzählt sie. 

Aber Mitte Oktober, mit den steigenden Infektionszahlen, sei klar geworden, dass der Striezelmarkt abgesagt werde. "Auch die Stadt weiß momentan nicht so wirklich, was werden soll." Dass man mit der Planung eines Standes dieses Jahr ein Risiko einging, wäre jedem bewusst gewesen, so Frenzel.

Dabei hatte Dresden ein Pandemie-Konzept für den Striezelmarkt entwickelt. Bis zum Terrassenufer sollte der Markt ausgedehnt werden, damit die Menschen nicht dicht an dicht über den Altmarkt drängeln müssen. Dafür hatten die Stadträte sogar rund 600.000 Euro bewilligt. 

Große Veranstaltungen wie das Stollenfest, das jährlich Tausende Besucher anzieht, wurden gleich ganz aus dem Programm gestrichen. Gegebenenfalls muss die Stadtverwaltung das Konzept noch einmal überarbeiten und dabei die aktuellen Regelungen von Bundes- und Freistaatsseite berücksichtigen. Gegebenenfalls.

Hilbert: "Ein Totalausfall würde zigtausende Existenzen bedrohen"

Was ist der Striezelmarkt für Dresden? "Die wirtschaftliche Bedeutung der Weihnachtsmärkte ist für unsere Region riesig und ein Totalausfall würde zigtausende Existenzen bedrohen", hatte OB Hilbert vor zwei Wochen gesagt. 

Ein Beispiel: In Dresden gibt es jedes Jahr rund 50 Stände mit erzgebirgischer Holzkunst. In ganz Sachsen sind es etwa 200. An Weihnachtsmarkt-Tagen erzielen die Händler bis das Zehnfache an Umsatz, verglichen mit einem Tag im restlichen Jahr, rechnet Frederic Günther vom Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller vor. 

Ein zweites Beispiel: Im Dezember 2019 zählten die Dresdner Hotels und Pensionen insgesamt knapp eine halbe Million touristische Übernachtungen. Der Magnet für Touristen aus aller Welt ist in diesem Wintermonat der Striezelmarkt. Diese Übernachtungen drohen wegzubrechen. 

"Ich denke, die Weihnachtsmärkte sind bei jedem Händler die Haupteinnahmequelle", sagt Stefanie Frenzel. Sie will nun abwarten, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Aber auch sie könne erst einmal nichts tun, außer die Berichterstattung zur Pandemie zu verfolgen.

"Der Baum bleibt die unumstößliche Konstante"

Die genauen Einbußen für die Händler, die Touristikbranche, aber auch die Landeshauptstadt, die über Marktgebühren mit am Striezelmarkt verdient, kann Robert Franke noch nicht beziffern. "Wir wissen um die wirtschaftliche Relevanz des Striezelmarktes für Händler, Gastronomen und den Einzelhandel." 

Deshalb versuche man, im Dezember zu ermöglichen, was möglich ist. Aber Geld sei das eine, so Franke: Auch für die Dresdner Stadtgesellschaft wäre es in einem Jahr, das von Kontaktbeschränkungen geprägt war, schlimm, sollten die Weihnachtsmärkte ganz ausfallen.

Striezelmarkt oder nicht: Am Sonnabend wurde auf dem Dresdner Altmarkt  der Weihnachtsbaum für den Markt aufgestellt. "Der diesjährige Striezelmarkt ist durch die Corona-Pandemie von zahlreichen Veränderungen und auch Unwägbarkeiten geprägt", so Hilbert. "Aber der Baum bleibt die unumstößliche Konstante unserer städtischen Advents- und Weihnachtstradition." Die Stadtverwaltung verfolge den Gedanken der Weihnachtsstadt Dresden weiter, verspricht das Stadtoberhaupt.​

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