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Urlaubsstornierungen in Dresden "dramatisch"

Das Beherbergungsverbot ist gekippt, doch es hinterlässt Schäden: Bis in die Striezelmarktzeit wurde storniert. Kommen die Touristen zurück nach Dresden?

Wie viele Touristen werden den Dresdner Striezelmarkt dieses Jahr überhaupt besuchen?
Wie viele Touristen werden den Dresdner Striezelmarkt dieses Jahr überhaupt besuchen? © Robert Michael (Archiv)

Dresden. Das Beherbergungsverbot für sächsische Hoteliers ist am Donnerstag zwar gekippt worden. Doch es hat bereits reichlich Schaden angerichtet. „Wir hatten in den letzten Tagen eine sehr hohe Stornierungswelle, nicht nur aus Risikogebieten“, sagt Marten Schwass, Chef des Kempinski-Hotels. Die Menschen seien sehr verunsichert gewesen: Wohin darf man noch reisen? Wohin nicht?

Ab Sonnabend soll es keine Probleme mehr für Touristen geben, die aus deutschen Risikogebieten kommen und in Dresden Urlaub machen wollen. Zuvor galt: Wer in einem Hotspot wohnt, in dem es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gab, darf in der Stadt nur dann einchecken, wenn er einen aktuellen und negativen Corona-Test vorlegt. Einen Test, der pro Person rund 150 Euro kostet und privat bezahlt werden musste.

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Hoffnungen liegen auf den Herbstferien

Die Leute wollen in den Herbstferien verreisen, sie brauchten gerade in diesen Zeiten einen Tapetenwechsel, meint Schwass. Mit dem Beherbergungsverbot habe man die Menschen in ausländische Urlaubsregionen getrieben.

Als katastrophal bezeichnet Thomas Gaier das, was das Verbot bisher angerichtet habe. Der Chef der Dresdner Hotel-Allianz sagt, es habe überall Stornierungen gegeben. Mit den Herbstferien hatte die Branche so sehr gehofft, die Umsatzverluste der vergangenen Monate wenigstens etwas auszugleichen. „Wir haben außerdem Stornierungen für die Striezelmarktzeit, das ist dramatisch.“

Dass sich die sächsische Staatsregierung am Donnerstag nach einem Treffen mit den Landräten und Oberbürgermeistern dafür entschieden hat, das Verbot zu kippen, sei begrüßenswert, sagt Johannes Lohmeyer, selbst Hotelier und Chef des Tourismusverbandes der Stadt. „Dass der Freistaat so schnell reagiert, hätte ich nicht erwartet.“ 

Er sei froh, dass Sachsen in dieser Sache mit Augenmaß vorgehe und mit der Aufhebung des Verbots einer Klage der Tourismusbranche vorgegriffen habe. Kurz vor der Entscheidung in Sachsen hatte der Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg das dortige Beherbergungsverbot untersagt.

Urlauber aus Dresden müssen sich nicht testen lassen

Ob die neue Regelung, die es nun auch Menschen aus Risikogebieten erlaubt, in Sachsen Urlaub zu machen, die Stornierungswelle der vergangenen Tage auffängt, bleibt abzuwarten. „Die Delle ist erst einmal da“, so Lohmeyer. Er selbst hatte in seinen beiden Dresdner Hotels zwar keine Absagen, sagt er, aber die Buchungen für die kommenden zwei Wochen seien sehr verhalten gewesen. 

Was auch an der „katastrophalen Kommunikation“ der einzelnen Bundesländer gelegen habe. „Niemand wusste genau, wo welche Regeln gelten.“ Das habe potenzielle Urlauber verunsichert. Ob Sachsen und damit auch Dresden nun einen Vorteil gegenüber anderen Regionen haben, in denen das Beherbergungsverbot noch gilt, könne er nicht einschätzen. „Ich glaube aber ohnehin, dass die anderen Bundesländer in den nächsten Tagen nachziehen und das Verbot ebenfalls aufheben.“

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Dresdner, die in den Herbstferien in Deutschland Urlaub machen wollen, müssen aktuell so oder so kein Testergebnis im Hotel vorlegen. Der Sieben-Tage-Wert für die Landeshauptstadt ist am Donnerstag leicht gesunken auf 28 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Das Gesundheitsamt hatte lediglich zehn neue Fälle gemeldet. Allerdings gab es auch eine traurige Nachricht: Ein weiterer Corona-Patient starb an seiner Infektion in der Nacht zum Donnerstag im Städtischen Klinikum. Es ist das 13. Opfer, dessen Tod auf eine Corona-Infektion zurückgeführt wird.

Derzeit liegen 15 Dresdner im Krankenhaus. Im Städtischen Klinikum werden acht Corona-Patienten versorgt, darunter vier auf der Intensivstation. Zwei von ihnen müssen beatmet werden. Am Uniklinikum werden zehn Corona-Patienten behandelt, einer von ihnen auf der Intensivstation.

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