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Trotz Verbot: Strockener Mühlenfans geben nicht auf

Thomas Malkowski ist bisher davon ausgegangen, dass er am Samstag den Mühlenverein Strocken gründen kann. Corona und die Behörden verhindern das.

Alle Mühlenfans: Thomas Malkowski mit seiner Frau Nancy und Sohn Hans. Die Familie würde sich freuen, wenn sich der Initiative viele Mitstreiter anschließen. Die eigentlich für Samstag geplante Vereinsgründung darf coronabedingt nicht stattfinden.
Alle Mühlenfans: Thomas Malkowski mit seiner Frau Nancy und Sohn Hans. Die Familie würde sich freuen, wenn sich der Initiative viele Mitstreiter anschließen. Die eigentlich für Samstag geplante Vereinsgründung darf coronabedingt nicht stattfinden. © Lars Halbauer

Grßweitzschen. Wer regelmäßig durch den kleinen Ort Strocken unweit der Autobahn-Anschlussstelle Leisnig der A14 fährt, hat es womöglich gesehen: ein großes Plakat mit einer alten Mühle. Das hängt genau gegenüber des Grundstückes der Familie Malkowski – nicht ohne Grund.

Thomas Malkowski ist Mühlenfan. Mit seiner Begeisterung für diese Art Bauwerke, gleich ob Wasser- oder Windmühle, hat er bereits seine Frau Nancy angesteckt und den fünfjährigen Hans, den älteren der beiden Malkowski-Sprösslinge.

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Doch dabei soll es nicht bleiben. Der 50-jährige Strockener hat bereits Kontakt zu Mühlenfachleuten aufgenommen. Die, so sagt er, würden ihn bei kommenden Projekten unterstützen und gegebenenfalls Mitglied im Mühlenverein Strocken werden.

Spaziergang statt Vereinsgründung in Strocken

Sämtliche Vorbereitungen für die Gründung des Vereins hat Malkowski bereits getroffen. Seine Einladung stand für Samstag. Doch: „Aufgrund der aktuellen Coronaverordnung und der Inzidenz im Landkreis wurde uns die Gründungsversammlung untersagt“, teilt der Strockener jetzt mit.

Er hofft, dass sich trotzdem einige Interessierte im Ort einfinden und es gegen 14 Uhr einen kleinen Spaziergang an den Rand von Strocken geben kann. Den stellt er unter die Überschrift „Rettet die Bockwindmühle Strocken“.

Die „heimische“ Mühle stellt der Vereinsinitiator auch erst einmal in den Mittelpunkt, und das, obwohl sie weder ihm noch der Gemeinde gehört. Doch diese Mühle habe er nun mal jeden Tag vor Augen – zumindest das, was davon noch übrig ist.

Von der einst ansehnlichen Mühle in Strocken steht im Moment nur noch ein Teil. Kammrad und Flügel liegen daneben – ohne Schutz vor Wind und Wetter.
Von der einst ansehnlichen Mühle in Strocken steht im Moment nur noch ein Teil. Kammrad und Flügel liegen daneben – ohne Schutz vor Wind und Wetter. © Lars Halbauer

Während die politische Wende vielen einstigen DDR-Bürgern gerade zur richtigen Zeit kam, war es für die Bockwindmühle in Strocken ein oder zwei Jahre zu früh. Denn: „Es gibt einen Förderbescheid aus dem Jahr 1989. Nach dem hätte die Mühle komplett restauriert werden können“, erzählt Thomas Malkowski.

Inzwischen ist eher das Gegenteil passiert. Die Strockener Bockwindmühle, wahrscheinlich um 1910 gebaut, steht schon nicht mehr komplett auf der Anhöhe am Rande des kleinen Ortes. „Kammrad und Flügel wurden 1997 abgenommen und liegen ohne Wetterschutz neben dem Rest der Mühle“, zeigt er auf das Mühlengrundstück.

Weil sich das genau wie das Denkmal in privatem Besitz befindet, liegt es nicht in der Hand der Mühlenfreunde beziehungsweise des von ihnen zu gründenden Vereins, was mit der Mühle Strocken passiert. „Aber wir würden uns freuen, wenn wir bei der Sanierung dieser Mühle unterstützen können“, sagt der 50-jährige Initiator.

Verein will bei Mühlen-Restaurationen helfen

Auch den Besitzern anderer Mühlen bietet er seine und die Hilfe des Experten-Netzwerkes an, das er im Moment aufbaut. „In der Region gibt es leider nicht sehr viele Mühlen, aber einige schon“, so der Mühlenbegeisterte. Immer wieder hat er sich einige in der Nähe angeschaut, schon mit den Denkmalschützern in Mittel- und Nordsachsen Kontakt aufgenommen.

Malkowskis Intension sei, die hierzulande nur noch wenigen existierenden Mühlen vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. „Heutzugtage gibt es noch Bauteile, die bei einer Sanierung eingesetzt werden können, und es gibt auch noch Fachleute auf diesem Gebiet. Wie lange das so bleibt, wissen wir leider nicht“, so der Familienvater aus Strocken.

Er hat übrigens Bäcker gelernt, arbeitet heute allerdings nicht mehr in diesem Handwerk, sondern in der Pflege. Ob er über seinen „ersten“ Beruf auch zu seinem Faible für Windmühlen gekommen ist, vermag er so genau gar nicht zu sagen.

Funktionierende Schaumühle als Vision

Fest steht: Es können sich noch einige daran erinnern, wie sie in der Mühle in Strocken gemahlenes Mehl abgeholt haben. Solche Erzählungen sollen festgehalten und mit Bestandsausnahmen einzelner Mühlen Dokumentationen erstellt werden. Das soll ein weiteres Arbeitsfeld des neuen Mühlenvereins sein.

Als großes Ziel steht Malkowski zufolge, als Verein eine eigene Mühle nach historischem Vorbild zu haben, zu betreiben und dort idealerweise Schulkindern wie technikbegeisterten Erwachsenen zu zeigen, wie aus Korn Mehl entsteht und dann vielleicht sogar noch Brot. Da kämen Malkowski seine Erfahrungen als Bäcker zweifelsohne zugute.

Kontakt zu Thomas Malkowski über die Mail-Adresse: [email protected]

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