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Studie zeigt Corona-Risiko bei Vorerkrankungen

Nicht nur Ältere und Lungenkranke sind gefährdet. Das sollte Einfluss auf die Impfreihenfolge haben, fordert das RKI.

Krebskranke haben ein hohes Risiko für einen schweren Corona-Verlauf.
Krebskranke haben ein hohes Risiko für einen schweren Corona-Verlauf. © 123rf

Chronisch Kranke und Ältere sind oft in Sorge, dass sie bei einer Coronainfektion schwerer als andere erkranken, dass sie intensivmedizinische Behandlung oder gar Beatmung benötigen. Doch welche Erkrankungen und Faktoren das Risiko in welchem Maße erhöhen, konnte noch nicht vollständig nachgewiesen werden. Eine neue Studie von Robert Koch-Institut (RKI), mehreren gesetzlichen Krankenkassen und Forschungseinrichtungen hat diese Zusammenhänge jetzt untersucht. Es ist die bislang größte Studie dieser Art. „Die Daten erlauben uns, stark gefährdete Patientengruppen noch besser zu identifizieren“, sagt Professor Jochen Schmitt vom Universitätsklinikum Dresden, der an der Studie mitgewirkt hat.

Potenzierung der Gefahr möglich

Basis der Erhebung waren Abrechnungsdaten von rund 30 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland – Mitglieder der AOK, der Barmer, der DAK-Gesundheit und von Betriebskrankenkassen. Rund 94.000 Versicherte mit einer Covid-19-Erkrankung wurden in die Analyse eingeschlossen. 4.800 von ihnen mussten intensivmedizinisch behandelt werden oder starben. Von dieser am schwersten betroffenen Gruppe erfassten die Studienautoren die Vorerkrankungen.

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35 solche Erkrankungen oder Faktoren konnten ermittelt werden. Diese wurden mit den Daten der Krankenkassen verglichen und daraus eine Rangfolge ermittelt.

Das größte Risiko haben danach Patienten, die an Leukämie oder anderen onkologischen Erkrankungen des blutbildenden Systems erkrankt sind und sich in Behandlung befinden. 31,5 Prozent von ihnen erlitten nach der vorliegenden Analyse einen schweren Verlauf ihrer Coronaerkrankung. Menschen die aufgrund von metastasierenden Tumorerkrankungen behandelt werden, kommen mit 28 Prozent an zweiter Stelle. „Starke Chemotherapien schwächen das Immunsystem. Deshalb stehen diese Patienten so weit vorn“, erklärt Stefan Bassler, Leiter der Analytik-Abteilung der AOK Plus. Auch er hat an der Studie mitgewirkt.

Priorisierung nach Alter suboptimal

Doch schwere Vorerkrankungen stehen nicht immer im direkten ursächlichen Zusammenhang mit schweren Covid-19-Verläufen. Das gilt zum Beispiel für Demenz, die an dritter Stelle der Risikofaktoren rangiert. Bassler zufolge könne man bei der Beurteilung aber davon ausgehen, dass demente Menschen meist auch in einem hohen Lebensalter sind, weitere Erkrankungen haben und oft in Heimen betreut werden, was das Risiko für Corona erhöht. Menschen mit Downsyndrom, einer genetisch bedingten Erkrankung, stehen bereits auf Rang zehn der Risikoliste. Sie haben aber häufig auch ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas, was den Krankheitsverlauf bei Covid-19 ebenso negativ beeinflusst. Generell sehen die Wissenschaftler eine Potenzierung der Gefahr, wenn mehrere Erkrankungen oder Belastungsfaktoren zusammenkommen.

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Nicht jeder Vertreter einer bestimmten Alters- oder Erkrankungsgruppe habe zudem das gleiche Risiko. Denn auch die körperliche Konstitution, der Ausprägungsgrad einer Erkrankung und ihr Behandlungsstand hätten Einfluss darauf. „Die hier dargestellte Rangfolge von Risikofaktoren bietet aber dennoch eine wissenschaftlich basierte und praxistaugliche Orientierungsmöglichkeit. Daran sollte auch die Impfrangfolge angepasst werden – zum Beispiel im niedergelassenen Bereich“, so das RKI. „Eine Priorisierung vorrangig nach dem Alter ist nicht optimal.“

Rangfolge der Risikofaktoren

Der folgende Anteil von Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen muss der Studie zufolge mit einem schweren Coronaverlauf rechnen:

1 Blutkrebs/Leukämie: 31,5 Prozent

2 Metastasierende Krebserkrankungen mit Behandlung: 28 Prozent

3 Demenz: 23 Prozent

4 Metastasierende Krebserkrankungen ohne Behandlung: 22 Prozent

5 Herzschwäche: 21 Prozent

6 Alter 75 bis 79 Jahre: 20 Prozent

7 Dialyse: 19 Prozent

8 Krebs mit Therapie: 18,5 Prozent

9 Schwere Leberkrankheiten: 17 Prozent

10 Down-Syndrom: 16 Prozent

11 Niereninsuffizienz: 15 Prozent

12 Organtransplantierte: 14 Prozent

13 Alter 70 bis 74 Jahre: 13 Prozent

14 Herzrhythmusstörung: 11 Prozent

15 Interstitielle Lungenerkrankung: 10 Prozent

16 Alter 65 bis 69 Jahre: 8 Prozent

17 Koronare Herzkrankheit: 8 Prozent

18 Schwere psychische Erkrankungen: 8 Prozent

19 Diabetes Typ 1 und 2: 7 Prozent

20 COPD und schwere Lungenerkrankungen: 6 Prozent

21 Erkrankungen der Hirn-Blutgefäße: 5 Prozent

22 Adipositas: 4 Prozent

23 Neurologische Erkrankungen: 4 Prozent

24 Alter 60 bis 64 Jahre: 3 Prozent

Quelle: RKI/Kassen

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