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Discounter halten an Maskenpflicht fest

Aldi, Norma, Lidl und Co. - die Schilder an den Eingängen sind klar: Zutritt nur mit Maske, trotz niedriger Inzidenz. Allerdings halten sich offensichtlich wenige daran.

Abstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet, deshalb Maske auch bei Inzidenz unter zehn. So steht es bei Aldi an der Emmerichstraße in Görlitz.
Abstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet, deshalb Maske auch bei Inzidenz unter zehn. So steht es bei Aldi an der Emmerichstraße in Görlitz. © privat

Netto, Christoph-Lüders-Straße am Donnerstagmittag: Renate Michel* aus Görlitz will ihre Einkäufe für die kommende Woche erledigen, Lebensmittel, Obst, Getränke, eben alles was so ansteht. Über die Plakate, die an Aufstellern zur Hygiene auffordern, zum Händewaschen und Ähnlichem, hat sie sich bisher keine Gedanken gemacht.

"Ich denke, wir können jetzt ganz normal wieder einkaufen, so ganz ohne Maske. Hat doch der Kretschmer gesagt", so Renate Michel. Ein Zettel, etwas kleiner und in schwarz-weiß, verunsichert sie aber. Die Sieben-Tage-Inzidenz muss unter zehn liegen und 1,5 Meter Abstand zu anderen Kunden gehalten werden, dann ist der Einkauf ohne Maske erlaubt.

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"Völliger Schwachsinn", ärgert sich Renate Michel. Woher soll sie denn wissen, wie jetzt gerade der Inzidenzwert ist. "Und soll ich zum Einkaufen künftig einen Zollstock mitbringen, damit ich ja nur niemanden zu nahe komme?", fragt sie sich. Dann geht die Görlitzerin Einkaufen, ohne Maske.

Eigentlich darf man bei Norma im City-Center nur mit Maske einkaufen.
Eigentlich darf man bei Norma im City-Center nur mit Maske einkaufen. © privat

Verunsicherte Kunden, Discounter, die sich mit Hinweisschildern absichern, so sieht die Aussetzung der Maskenpflicht im sächsischen Einzelhandel im Landkreis Görlitz aus. Entweder ist es nur ein dezenter Hinweis wie bei Netto oder eine klare Ansage. Ortswechsel, Norma im Görlitzer City-Center. Wer hier einkaufen geht, will meist nur schnell etwas holen, was er gerade für den Tag braucht oder anderswo vergessen hat. Neben den Einkaufswagen hängt ein großes Schild: "Ohne medizinische Maske - kein Zutritt!" Klare Sache, sollte man meinen. Denn die geforderten anderthalb Meter Abstand zu den Miteinkäufern sind in der relativ kleinen Filiale kaum einzuhalten. Die SZ testet: Einkaufen ohne Maske, niemand sagt etwas. Mit Maske wäre man hier auch schon der Ausnahmefall.

Einkauf mit Zollstock? Bei Netto setzt man offenbar auf die Eigenverantwortung der Kunden.
Einkauf mit Zollstock? Bei Netto setzt man offenbar auf die Eigenverantwortung der Kunden. © privat

Aldi liefert zumindest die Begründung auf den Hinweisschildern an der Tür mit, warum das Unternehmen auf die Maske setzt. "Da ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann, gilt in dieser Filiale auch bei einem Inzidenzwert unter zehn Maskenpflicht", heißt es bei Aldi an der Emmerichstraße.

"Wir bitten unsere Kundinnen und Kunden um Verständnis, dass die Maskenpflicht in solchen Fällen weiterhin in unseren Filialen eingehalten werden muss. Entsprechende Plakate in unseren Filialen weisen auf das Tragen einer Maske hin", so Michael Strothoff, Sprecher von Aldi Nord.

Lidl hat klare Vorgaben: Mund und Nase müssen mit medizinischer Maske bedeckt sein.
Lidl hat klare Vorgaben: Mund und Nase müssen mit medizinischer Maske bedeckt sein. © privat

Das Unternehmen sei sich sicher, dass diese Maßnahme sinnvoll dazu beitrage, Kunden und auch Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. "Für die Unannehmlichkeiten möchten wir uns bei unseren Kunden entschuldigen und uns zugleich für deren Kooperation und Zuspruch bedanken", heißt es.

Kurzer Blick in den Aldi-Markt an der Emmerichstraße: ein zwiegespaltenes Bild. Manche Kunden haben das Textil vorm Gesicht, manche nicht. Malgorzata Jaworska hat die Maske auf. Sie lädt gerade den Kofferraum ihres Kleinwagens voll und will zurück nach Polen. "Ach die Maske...", Malgorzata Jaworska winkt ab. "Nun haben wir sie so lange getragen, da kommt es auf ein paar Tage oder Wochen auch nicht mehr an", findet sie.

Auch Penny am Bahnhof in Görlitz wirbt fürs Maskentragen, bei Inzidenz über zehn und geringem Abstand.
Auch Penny am Bahnhof in Görlitz wirbt fürs Maskentragen, bei Inzidenz über zehn und geringem Abstand. © privat

Aldi will sich noch nicht festlegen, wie lange die Maskenpflicht in den Filialen aufrechterhalten wird. "Wir beobachten die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie in Sachsen sehr genau, um die Maßnahmen immer wieder der aktuellen Lage anzupassen. Dazu stehen wir im regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit der Politik und den zuständigen Behörden", so Michael Strothoff.

Lidl an der Christoph-Lüders-Straße: Auch hier ein eindeutiger Hinweis an der Eingangstür: "Mund und Nase müssen mit einer medizinischen Maske bedeckt sein." Entweder ist das Plakat schon ein älteres, oder es interessiert nur wenige.

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Abstand und niedrige Inzidenzen, dann kann man im Kreis Görlitz in Sachsen ohne Maske einkaufen. Über die Inzidenzen kann man sich im Internet informieren. Am Donnerstag lag die Inzidenz im Kreis Görlitz bei 2,0. Wie es mit dem Abstand zu anderen aussieht, das muss wohl jeder vor Ort selbst entscheiden. (mit SZ/mva)

*Name geändert

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