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Pirnaer Tafel zu: Müssen Kunden hungern?

Die Ausgabestellen in Pirna und Heidenau sind coronabedingt geschlossen. Sächsische.de spricht mit der Leiterin Sandra Furkert. Sie hat zwei große Bitten.

Sandra Furkert leitet die Tafel in Pirna und Heidenau. Ihr Mann hat sich mit Corona infiziert. Das hat Folgen für den Tafelbetrieb.
Sandra Furkert leitet die Tafel in Pirna und Heidenau. Ihr Mann hat sich mit Corona infiziert. Das hat Folgen für den Tafelbetrieb. © Daniel Schäfer

Die drei Ausgabestellen der Pirnaer Tafel in Pirna und Heidenau sind für rund zwei Wochen geschlossen. Betroffen sind auch die Kleiderstübchen. Ursache ist der positiv auf Covid-19 getestete Ehemann der Leiterin Sandra Furkert. Geöffnet wird wieder am 14. Dezember. Die Schließzeit stellt viele Tafelkunden vor ein Problem, da sie sich auf die Lebensmittelausgabe der Tafel verlassen. Darüber sprach Sächsische.de mit Sandra Furkert. Solidarität ist jetzt einmal mehr nötig, meint sie.

Frau Furkert, woher bekommen die Tafelkunden jetzt Lebensmittel? Müssen sie hungern?

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Hungern ist jetzt vielleicht übertrieben. Die Kunden haben ja eigene Rücklagen, aber viele werden sich stark einschränken müssen, fürchte ich. Entweder, sie zehren von ihren Reserven zu Hause, oder sie schauen nach besonders günstigen Angeboten in den Kaufhallen. Dass sich die Kunden untereinander helfen und Lebensmittel weiterreichen, bezweifle ich. Dafür kennen sie sich zu wenig und sie verkehren selten privat miteinander. Am meisten Sorgen macht mir, dass wir in diesen zwei Wochen auch keine Hausanlieferungen mehr durchführen können. Normalerweise bringen wir Menschen mit schwerem Handicap Lebensmittel direkt ins Haus. Diese Personen sind extrem auf die Tafel angewiesen. Das belastet mich enorm. Ich hoffe, dass die Nachbarn der Betroffenen einen Blick dafür haben und sich solidarisch zeigen.

Werden einige Kunden jetzt vielleicht die Nachbar-Tafeln aufsuchen, zum Beispiel in Neustadt, Freital und Dresden?

Ich weiß nicht, ob sie das dürfen. Wir nehmen auch nur Kunden aus dem Einzugsgebiet Pirna beziehungsweise Heidenau auf. Die Zuordnung ist nach den Landkreisgrenzen aufgeteilt.

Gab es zur Schließung wirklich keine Alternative?

Nein, weil mein Mann positiv auf Covid-19 getestet wurde. Das Risiko, dass ich den Virus übertragen könnte, ist zu groß. Das Gesundheitsamt hat mir auferlegt, 14 Tage in Quarantäne zu leben, obwohl ich keine Symptome habe. Dann haben wir im Team beraten und beschlossen, dass auch die Kollegen in eine freiwillige Quarantäne gehen. Es geht um den Schutz und die Sicherheit der Tafelkunden, aber auch der Mitarbeiter. Die Schließung der Tafel ist natürlich mit der Geschäftsführung des dfb-Regionalverbands Sachsen Ost in Dresden abgesprochen. Der Verein ist Träger der Pirnaer und Heidenauer Tafel beziehungsweise der angegliederten Kleiderstübchen.

Haben sich Tafelkunden schon beschwert oder zeigen sie in dieser Situation eher Verständnis für die Schließung?

Manche sind entsetzt gewesen, dass die Tafel geschlossen wird. Sie hatten Bedenken, wie sie jetzt Lebensmittel bekommen sollen. Aber ich muss in diesem Zusammenhang auch sagen, dass die Tafel Menschen in wirtschaftlich schwierigen Situationen lediglich unterstützt. Wir sind keine Vollversorger. Andere Tafelkunden haben eingesehen, dass eine Schließung vernünftig ist, um eine mögliche Ansteckung zu verhindern.

Ab dem 14. Dezember läuft wieder der Normalbetrieb in der Pirnaer und Heidenauer Tafel?

Ja, aber natürlich gelten weiterhin die Hygieneregeln, die wir mit dem Landratsamt abgesprochen haben. Die Abstände sind zu wahren, die Kunden müssen einen Mundschutz tragen. Hereingelassen in die Ausgabestellen werden lediglich jeweils zwei Personen. Die anderen warten draußen, bis sie aufgerufen werden. Das dauert natürlich etwas länger, wird aber von den Tafelkunden toleriert. Das Ordnungsamt hat uns auch schon überprüft und hatte keine Beanstandungen.

Vor Kurzem hatten Sie beklagt, dass zu wenig gespendet wird. Wie sieht es jetzt aus?

Nach wie vor ist das Problem aktuell. Leider. Immerhin gibt es einen kleinen Lichtblick. Momentan verzeichnen wir mehr Privatspender. Das ist erfreulich, ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle, die an die Tafel abgeben. Wir wollen den Kindern zu Weihnachten eine kleine Freude bereiten und sind deshalb besonders auf Kleinigkeiten für die Kleinen angewiesen. Vielleicht haben ja die Menschen noch etwas übrig, das sie uns spenden können. Das ist dann wieder ab dem 14. Dezember möglich.

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