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"Zweiter Anlauf für Innenstadtbelebung"

Königstein will touristisches Drehkreuz werden. Was 2021 geplant ist trotz und mit Corona, darüber spricht Bürgermeister Tobias Kummer (CDU).

"Wir haben viele Defizite." Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) und sein Plan für 2021.
"Wir haben viele Defizite." Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) und sein Plan für 2021. © Steffen Unger

Herr Kummer, die Corona-Pandemie hat 2020 auch das Leben in Königstein geprägt. Die Stadtverwaltung war zeitweise außer Gefecht, weil sich Mitarbeiter infiziert hatten. Wie haben Sie das Corona-Jahr erlebt?

Königstein und die Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft haben die Situation gut gemeistert. Im Oktober und November war die Lage am angespanntesten, weil es mehrere Corona-Fälle im Königsteiner Rathaus gab. Inzwischen ist die Situation aber überschaubar, es gibt nur wenige Ansteckungen. Die Zahlen schwanken zwar, man kann aber sehen, dass der Pflegebereich deutlich anfälliger ist für Infektionen. Manche Königsteiner arbeiten in Einrichtungen in anderen Kommunen und haben sich dort angesteckt. Die Fälle werden dennoch uns zugeschrieben. Ich denke, in solchen Fällen muss man die Zahlen ein Stück weit differenzieren. Ich bin dankbar, dass unsere Einwohner in der ganzen Zeit Rücksicht nehmen und verantwortungsbewusst sind. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die unterwegs sind, haben bislang keine Verstöße gegen die Corona-Regeln registriert.

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Wie geht es den Unternehmen und Einzelhändlern in Königstein? Wie stark hat sie die Corona-Krise getroffen?

Der Einzelhandel im ländlichen Raum hat schon immer zu kämpfen. Nicht nur wegen der Corona-Beschränkungen. Die Sächsische Schweiz und auch Königstein sind meiner Meinung nach aber bislang gut weggekommen. Vor allem wegen des Touristenbooms im letzten Sommer. Das hat der Region Rekordzahlen beschert. Dadurch konnte das Minus, das durch den ersten Lockdown im Frühjahr entstanden ist, zwar oft nicht ausgeglichen werden. Der Boom hat die Krise aber abgefedert.

Einige Gastronomen konnten wir als Kommune bereits ein wenig unterstützen. Als im Rathaus ein Krisenstab eingerichtet wurde, haben wir für die Mitarbeiter zum Beispiel Essen to go bestellt. Viele Gasthäuser in Königstein bieten auch jetzt wieder Gerichte außer Haus an. Das bewerben wir aktuell in sozialen Netzwerken.

Anders dürfte es bei den großen Unternehmen aussehen, die überregional und international agieren. Dazu zählen die Königsteiner Papierfabrik und die Firma Werkzeug- und Gerätebau Ehrlich in Leupoldishain. Auch Handwerksbetriebe laufen trotz Corona. Diese Firmen waren im vergangenen Jahr teilweise ausgebucht oder hatten keine Kapazitäten.

Befürchten Sie, dass Königstein wegen der Corona-Krise Einnahmen wegbrechen?

Die Einschnitte werden wir erst in den kommenden Jahren zu spüren bekommen. Zum Beispiel durch weniger Fördermittel, die den Kommunen dann nur noch zur Verfügung stehen könnten. Wie es bei den Steuereinnahmen für 2020 aussieht, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Die Auswertung läuft aktuell. Ich erwarte aber weniger Steuereinnahmen für die Stadt.

Stehen damit schon geplante Investitionen auf wackeligen Füßen?

Alle Projekte, die die Stadt angeschoben hat, sind mit den Fördermittelstellen soweit abgestimmt. Es gibt im Moment noch viele Fördertöpfe - trotz Corona. Deren finanzieller Umfang wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich nicht mehr so üppig ausfallen. Deshalb sollten wir jetzt alle Chancen nutzen, die es gibt, um öffentliche Gelder zu bekommen.

Viel Geld hatte Königstein für die Belebung der Innenstadt bekommen: Ein Preisgeld in Höhe von 400.000 Euro, mit denen ein Kultur- und Innenstadtmanagement finanziert wurde. Beides wurde jedoch gestoppt - wegen eines Formfehlers bei der Ausschreibung. Wie geht es jetzt weiter?

In diesem Jahr startet der zweite Anlauf für die Kultur- und Innenstadtbelebung. Nachdem beide Projekte gestoppt wurden, wollen wir von vorn beginnen. Ein Großteil des Preisgeldes ist ja noch da. Wir wollen zum Beispiel viele Veranstaltungsformate, die in diesem Rahmen entstanden sind, weiterführen. Darum kümmern soll sich ein eigenes Innenstadtmanagement, das über zwei Jahre laufen soll. Wer diese Aufgabe übernimmt, ist noch offen. Die Rahmenbedingungen werden aber derzeit geschaffen.

Königstein hatte 2018 ein Realisierungsprogramm zur Aktivierung der Innenstadt beschlossen. Dahinter steckt ein 20-Punkte-Aktionsplan im Umfang von über drei Millionen Euro. Was daraus hat 2021 für Sie Priorität?

Priorität hat das neue Kultur- und Innenstadtmanagement. Ein großes Vorhaben wird auch die Pirnaer Straße 1 sein, der wilde Parkplatz an der Biela. Hier müssen wir dringend Abhilfe leisten und die Qualität des Platzes erhöhen. Wie, darüber gibt es im Stadtrat sehr unterschiedliche Meinungen. Fest steht: Wir müssen eine Lösung finden. Jeder Stadtrat ist angetreten zum Wohle der Stadt. Das sollte jeder im Hinterkopf behalten.

Weiter kommen wollen wir auch beim Thema Festungsbahn. Vor einem Jahr wurde die Realisierungsstudie vorgestellt. Um den nächsten Schritt zu tun, hat der Freistaat eine Million Euro aus früherem SED-Vermögen zur Verfügung gestellt. Die Summe liegt derzeit aber noch beim Wirtschaftsministerium. Wenn das Geld fließt, wollen wir in die Planfeststellung gehen.

Investieren will die Stadt auch in das ehemalige Empfangsgebäude am Bahnhof. Wie soll das Gebäude belebt werden?

Das konkrete Nutzungskonzept wird noch erarbeitet. Die Rahmenbedingungen haben sich leider verändert. Wir hatten eigentlich geplant, das Gebäude als Stadt von der Deutschen Bahn abzukaufen. Daraus wird nun nichts. Denn die Bahn will nicht verkaufen, das Gebäude aber gern erhalten. Wie wir als Kommune daran mitwirken können, dazu laufen aktuell Gespräche.

Wo will Königstein 2021 noch investieren?

In Pfaffendorf wird der Spielplatz an der Alten Schule rundumerneuert, in Hütten wird sogar ein ganz neues Spielareal entstehen. Gute Nachrichten gibt es auch für die Schulturnhalle. 2021 wird der Anbau realisiert, der sich der Tischtennisverein seit Jahren wünscht und einfordert. Der Verein tritt überregional auf und braucht jeden Zentimeter Platz. Der Anbau ist zwar nur klein, setzt aber ein wichtiges Signal. Das wollen wir auch mit der erst kürzlich beschlossenen Vereinsförderung setzen. Königstein wird erstmals Vereine, die Kinder- und Jugendarbeit betreiben, finanziell unterstützen. Insgesamt 2.500 Euro werden 2021 als Pro-Kopf-Pauschale auf die Vereine ausgeschüttet.

Im Stadtrat kommt es zwischen den Fraktionen oft zu Streitereien - zuletzt bei der Diskussion um de Zukunft der Brache an der Pirnaer Straße 1. Als Außenstehender hat man mitunter das Gefühl, es gibt mehr Gegen- als Miteinander unter den Fraktionen. Wie beurteilen Sie die Situation?

Jeder Stadtrat hat den Eid geschworen, zum Wohle der Stadt zu arbeiten. An diese Prämisse muss sich jeder halten. Auf der untersten kommunalen Ebene haben persönliche Befindlichkeiten einfach keinen Platz. Gegeneinander zu arbeiten, bringt nichts. Am Ende muss aber jeder für sich selbst entscheiden, welche Intention er verfolgt. In Königstein hätten viele Projekte schon längst aufgearbeitet sein können. Wir haben viele Defizite. An der Konstruktivität im Stadtrat kann man sicherlich noch arbeiten. Dabei ist jeder Einzelne gefordert.

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