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Tourismus in Sachsen: Deutlicher Einbruch

40 Prozent weniger Umsatz, mehr als ein Drittel der Gäste fehlt: Der Coronavirus hat der Tourismusbranche schwer geschadet. Dennoch blickt sie nach vorn.

Ausflügler am Skihang in Altenberg. Viele Hotels und Gaststätten in Sachsen kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben.
Ausflügler am Skihang in Altenberg. Viele Hotels und Gaststätten in Sachsen kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben. © Robert Michael/dpa

Dresden. Ein Jahr nach dem anderen vermeldete Sachsens Tourismusbranche Ende Dezember neue Rekordmarken. Doch in diesem Jahr brechen die Verluste alle Rekorde. Denn die Corona-Pandemie hat das Geschäft zum Erliegen gebracht. Das Ergebnis: 35 Prozent weniger Gäste und etwa 27 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr.

Allein in den Monaten März bis Oktober dieses Jahres mussten Sachsens Touristiker einen Umsatzverlust von mehr als 2,69 Milliarden Euro hinnehmen. Die Schließung von Restaurants, Gaststätten, Pensionen und Hotels im November und Dezember ist da noch nicht eingerechnet. Bis zum Ende des Jahres prognostizieren Experten nach Angaben des Landestourismusverbands einen Umsatzrückgang in Höhe von 3,5 Milliarden Euro - das sind etwa 40 Prozent.

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Noch 2019 besuchten so viele Gäste wie noch nie den Freistaat. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes haben etwa 8,5 Millionen Gäste mehr als 20,7 Millionen Übernachtungen gebucht. Bruttoumsatz : 8,1 Milliarden Euro.

„Die Corona-Pandemie stellt den Tourismus vor große Herausforderungen und die Lage ist für viele Betroffene schwierig“, sagt Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU). „Wir wollen alle gemeinsam aus dieser Situation herauskommen.“ Die Branche soll weiter finanziell unterstützt werden. Im Entwurf der Regierung für den Doppelhaushalt seien insgesamt 27,4 Millionen Euro für Tourismus enthalten.

Im Sommer und Herbst konnten vor allem die ländlichen Regionen punkten. Die Sächsische Schweiz zählte im Juli sogar mehr Besucher als im Vorjahr. Insgesamt sind hier die Einbußen am geringsten. Die Zahl der Gäste ging bis Oktober um etwa 14 Prozent zurück, es wurden acht Prozent weniger Übernachtungen gebucht. Allerdings fehlt den Hoteliers der Region das komplette Winter- und Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr. In der Oberlausitz sank die Zahl der Gäste im Vergleich zu 2019 um 23 Prozent. Die größten Einbußen musste Chemnitz hinnehmen: Die Zahl der Touristen brach um 43 Prozent ein.

Situation in den Städten schwieriger

Für die bisherigen Spitzenreiter unter den Reisezielen sieht es ebenfalls düster aus. Dresden besuchten bis Oktober 1,14 Millionen Gäste – fast 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, die Übernachtungen brachen um 34 Prozent ein. In Leipzig wurden 41 Prozent weniger Besucher gezählt. Die Großstädte leiden massiv unter dem fehlenden Geschäftstourismus mit Kongressen, Events, Messen und Tagungen.

Auch Reisegruppen und Schulfahrten fehlen: Die Gruppenunterkünfte in Ostdeutschland verzeichneten ein Minus von 58 Prozent bei den Übernachtungen. Bei Ferienwohnungen und Campingplätzen fiel das Minus deutlich geringer aus.

Der zweite Shutdown bringt nun viele Tourismusbetriebe an ihre Grenzen. Nach Angaben des Landestourismusverbands geben aktuell 76 Prozent der Hotels und 62 Prozent der Gaststätten an, um ihr Überleben zu kämpfen. „Finanzielle Einbußen müssen dabei Mitarbeiter durch weniger Gehalt in der Kurzarbeit und Unternehmer durch immer höhere Verluste hinnehmen“, hieß es. Die Rücklagen seien bei vielen Betrieben aufgebraucht, Umsatzeinbrüche müssten mit Fremdkapital finanziert werden, damit drohe zum Jahreswechsel einigen die Insolvenz.

Lage bleibt weiter angespannt

Der Landestourismusverband geht davon aus, dass die Lage auch 2021 sehr labil bleibt. „Prognostiziert wird, dass sich der Inlandstourismus schneller als der Auslandstourismus wieder erholen wird, sobald Reisen wieder möglich sind“, heißt es. Allerdings wird wohl insgesamt weniger gereist, die Gäste werden bei der Anreise das eigene Auto und weniger öffentliche Verkehrsmittel nutzen. „Jetzt gilt es, nach vorn zu denken. Der Aktivtourismus mit Naturerlebnissen, zwischen Ruhe und Abenteuer, ist im Aufwind“, sagt Rolf Keil, der Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen. Der Tourismus brauche eine konstruktive Aufbruchstimmung, etwa neue Ideen für historische Gasthöfe oder neue Angebote für Wohnmobile.

Außerdem müsse für die Betriebe in Zukunft „sicheres Reisen“ im Mittelpunkt stehen: mit anerkannten Testroutinen und klugen Lösungen zur Nachverfolgung für den betrieblichen Alltag im Tourismus. „Das Virus wird uns noch lange begleiten“, so Keil. Eine Expertengruppe soll im Auftrag des Landestourismusverbands und des Kulturministeriums mögliche Perspektiven für eine Öffnung des Tourismus erörtern.

Allerdings seien weiterhin von Kompensations- und Fördermaßnahmen gefordert, so Keil. Tourismusministerin Barbara Klepsch sicherte Unterstützung zu: "Wir sind im engen Austausch, um für den Tourismus die notwendige finanzielle Unterstützung zu ermöglichen. Damit wollen wir die weitere Entwicklung und das Tourismusmarketing der Regionen finanzieren, insbesondere in der Phase der Wiedereröffnung".

Auch Klepsch rechnet mit einem veränderten Reiseverhalten der Deutschen nach dem Ende der Corona-Krise. "Die Pandemie könnte langfristig zu einem Umdenken im Tourismus führen. Viele Leute haben in diesem Jahr Deutschland als Urlaubsland und damit die Schönheit vor der eigenen Haustür für sich entdeckt und werden das wohl auch in den kommenden Jahren noch tun", sagte sie. Dennoch werde die Neugier auf die Fremde bleiben: "Auch wir in Sachsen wünschen uns ja wieder viele ausländische Touristen."

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Nach den Worten von Klepsch sind die Corona-Folgen für den Tourismus drastisch: "Wenn ich mir die Signale aus der Branche anschaue, wird klar, dass viele in eine schwierige Situation geraten. Die Fachverbände gehen davon aus, dass nicht alle es schaffen werden." Die Branche sage, sie brauche zwei oder drei Jahre, um sich von der Pandemie zu erholen. (mit dpa)

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