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Gärtnerei kämpft nach Brand weiter

Das Team der Traditionsgärtnerei Gruschwitz in Neustadt muss mehr als die Folgen des Feuers am Jahresende überstehen.

Antje May hat die Schockstarre nach dem Brand überwunden. Doch es drohen weitere Sorgen.
Antje May hat die Schockstarre nach dem Brand überwunden. Doch es drohen weitere Sorgen. © Steffen Unger

Antje May, die Chefin der Gärtnerei Gruschwitz, kann wieder lächeln. Viel hat sie in den letzten Wochen mit ihrer Familie und dem Team durchstehen müssen. "Etwa drei Wochen waren wir wie in einer Schockstarre. Jetzt geht es langsam wieder", sagt sie. Inzwischen kann sie auch wieder den zerstörten Teil der Gärtnerei betreten. Dort ist das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Verkohlte Deckenbalken, verrußte Wände, Wasser, zersplitterte Fensterscheiben. Brandgeruch. Der komplette Anbau samt Wohnung - zerstört, nicht mehr nutzbar.

Noch Anfang September, bei Baubeginn, konnte sie stolz die Pläne präsentieren. Der alte Laden wurde abgerissen, um Platz zu schaffen. Und den brauchte die Gärtnerei dringend. Unter anderem auch, um den Abstand zwischen den Kunden wahren zu können, ist jeder Quadratmeter mehr Fläche ein Gewinn. In der neuen Halle sollten unter anderem die Baumschulerzeugnisse ihrer sächsischen Kollegen verkauft werden. Weitere Lager- und Arbeitsräume sind so entstanden. Kurz vor Weihnachten sei dann alles soweit fertig gewesen. "Wir waren gerade dabei, die Sachen einzuräumen", erzählt Antje May.

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Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Dann der 31. Dezember, nachmittags. "Passanten haben uns informiert, dass es brennt. Vielleicht konnte so noch Schlimmeres verhindert werden", sagt sie. Und sie hat ein Anliegen. Sie möchte den Leuten persönlich danken, kennt sie aber nicht. Es wäre schön, wenn sie sich in der Gärtnerei melden würden.

Überhaupt sei sie noch immer überwältigt davon, wie viel Hilfsbereitschaft und Zuspruch die Familie erfahren habe. Schon am Neujahrstag standen die Handwerker, das Team und andere Leute auf dem Hof, um zu retten, was noch zu retten war. Zum Glück blieb der eigentliche Verkaufsraum verschont und vor allem die Heizungsanlage. Bei den Minusgraden in den letzten Tagen wäre das die nächste Katastrophe gewesen. Auch die Gewächshäuser blieben unversehrt, zur Erleichterung der Familie. Aber Lager, Arbeitsräume, der Pausenraum für die Mitarbeiter fehlen. Mutmaßliche Ursache war ein technischer Defekt. Ein abschließendes Ergebnis der Polizei liegt noch nicht vor.

Wirtschaftskreisläufe sind gestört

Schon eine Woche nach dem Unglück hatte die Gärtnerei wieder geöffnet. Auch wenn es am Anfang schwer war, eine längere Schließzeit hätte man sich gar nicht leisten können. Denn die Pflanzen und Blumen, die über die letzten Monate gehegt und gepflegt wurden, müssen ja auch verkauft werden.

Silvester, nachmittags. Feuerwehrleute löschen den Brand in der Gärtnerei Gruschwitz in Langburkersdorf.
Silvester, nachmittags. Feuerwehrleute löschen den Brand in der Gärtnerei Gruschwitz in Langburkersdorf. © Marko Förster

Derzeit wird ein Bereich, der zwar vom Feuer nicht zerstört, aber in Mitleidenschaft gezogen wurde, erneuert. Damit dann wenigstens wieder etwas mehr Platz zum Arbeiten ist. Schließlich steht in den Gewächshäusern schon die nächste Generation von Pflanzen. Und damit rollt auf das Unternehmen wie auch auf andere Gärtnereien ein Riesenproblem zu. "Wir dürfen zwar öffnen, aber wir produzieren auch für den Großhandel. Und wenn die Blumengeschäfte nicht öffnen dürfen, die ja darüber ihre Waren beziehen, bleiben wir darauf sitzen", sagt Antje May. Der gesamte Wirtschaftskreislauf sei damit gestört. Einer ist vom anderen abhängig, und wenn jemand ausfällt, dann funktioniert es auch bei den anderen Partnern nicht mehr.

Und die Gewächshäuser sind voll von Frühblühern. Alles, was das Herz der Gartenfreunde höher schlagen lässt, gedeiht oder steht schon in voller Blüte. Primeln über Primeln leuchten in allen Farben. Und wer auf die fast nicht enden wollenden Tische sieht, ahnt die Sorgen der Gärtner. Man habe eigentlich gehofft, am 1. März wieder öffnen zu dürfen. Dann wäre wohl auch noch vieles an Ware zu verkaufen. Außerdem wachsen bereits die nächsten Pflanzen heran. Tomaten und Kräuter sind ausgesät. Werden die größer, brauchen sie ebenfalls Platz.

Wieder Hoffnung. Ein Bereich, der nicht vom Brand vernichtet, aber in Mitleidenschaft gezogen wurde, wird derzeit hergerichtet.
Wieder Hoffnung. Ein Bereich, der nicht vom Brand vernichtet, aber in Mitleidenschaft gezogen wurde, wird derzeit hergerichtet. © Steffen Unger

Pflanzen für den Kompost gezüchtet

Antje May hofft, dass auch die Händler bald wieder starten können. Jede Woche, die ins Land geht, sei für die Produkte aus den Gärtnereien eine Woche zu viel. Sie will da gar nicht nur von sich reden. Sie spricht für alle ihrer Branche. Können die Waren nicht verkauft werden, dann müssen sie kompostiert werden. "Da blutet einem das Herz. Vor allem, weil wir auch wissen, wie viel Arbeit wir da bereits reingesteckt haben." Und nicht nur das. Langsam zermürbe der Zustand auch das Team. Das Ganze sei nicht zu Ende gedacht, kritisiert sie die jetzigen Entscheidungen.

Und wie geht es mit dem abgebrannten Teil der Gärtnerei weiter? Aufgeben wird die Familie nicht. Antje May führt die 1912 gegründete Gärtnerei Gruschwitz im Neustädter Ortsteil Langburkersdorf immerhin schon in vierter Generation. Man arbeite gerade an den Plänen. "Wir werden im Sommer dort etwa Neues aufbauen, etwas Modernes. Und wie gesagt, wir brauchen Platz."

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