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Corona: Triage in Radeberger Klinik?

Wenn die Klinik-Kapazitäten ausgelastet sind, müssen Mediziner entscheiden, wer die besten Überlebenschancen hat. Könnte es im Rödertal so weit kommen?

Müssen Mediziner im Rödertal irgendwann entscheiden, wer noch beatmet werden kann, weil die Intensivbetten nicht mehr ausreichen?
Müssen Mediziner im Rödertal irgendwann entscheiden, wer noch beatmet werden kann, weil die Intensivbetten nicht mehr ausreichen? © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa (Symbolbild)

Radeberg. Die Lage in den Krankenhäusern in Sachsen ist wegen der Coronavirus-Pandemie inzwischen sehr angespannt. Die Zahl der Infektionen steigt und damit auch die Zahl der Menschen, die in den Kliniken behandelt werden müssen, mitunter auf der Intensivstation.

Am Mittwoch sorgte die Nachricht bundesweit für Schlagzeilen, dass am Zittauer Klinikum bereits die Triage angewandt werden müsse, das heißt Ärzte entscheiden müssten, wer von den Covid-19-Erkrankten die besten Überlebenschancen hat und deshalb lebensrettende Behandlungen erhalten soll.

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Das dementierte eine Klinik-Sprecherin kurze Zeit später, wenn man bei der Aufnahme von Patienten in den Corona-Stationen Grenzen erreiche, würden diese an die umliegenden Krankenhäuser ausgeflogen. In keinem Krankenhaus im Kreis sei es bisher zu einer Triage gekommen, erklärte Kreis-Dezernentin Martina Weber außerdem.

Der Begriff Triage stammt aus der Militärmedizin und wird angewandt, wenn beispielsweise Sanitäter aufgrund der Vielzahl der Patienten entscheiden mussten, wer operiert wird und wer nicht. Im Asklepios-ASB Krankenhaus in Radeberg sind die Kapazitäten in der Corona-Station ebenfalls fast am Limit. Auf der Corona-Station werden 15 Patienten behandelt. Insgesamt verfügt die Station über 18 Plätze. Zusätzlich werden fünf Corona-Patienten auf der Intensivstation betreut. Lediglich ein Intensivbett ist noch frei.

Größeres Problem ist fehlendes Fachpersonal

Könnten Fälle von Triage daher auch in Radeberg vorkommen? "Es wird in Radeberg nicht passieren, dass ein Patient keinen Sauerstoff bekommt, wenn er ihn benötigt", sagt Regionalgeschäftsführer Patrik Hilbrenner. "Die Klinik in Radeberg verfügt über ausreichend Beatmungsgeräte und ausreichend Sauerstoff. Wir gehören zu einem großen Konzern. Sollte es an einer Stelle Engpässe geben, können wir schnell reagieren. Auch durch die enge Kooperation mit der Uniklinik ist die notwendige Behandlung immer gegeben", sagt er.

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Er glaubt auch nicht, dass der Mangel an Geräten das Problem in Deutschland ist, sondern eher fehlendes Fachpersonal. "Sauerstoff und Beatmungsgeräte gibt es ausreichend, gerade in der angespannten Situation kann es jedoch vorkommen, dass nicht genügend Mitarbeiter vorhanden sind, um sie zu bedienen."

In der Radeberger Klinik sind derzeit acht Mitarbeiter in Quarantäne, weitere 20 Mitarbeiter sind erkrankt, ein Teil davon am Coronavirus. "Damit liegt die Ausfallquote bei Pflegerinnen und Pflegern bei rund 30 Prozent." 85 Betten werden in der Klinik insgesamt angeboten. 130 wären es im Normalfall. "Dennoch behandeln wir natürlich jeden, der zu uns kommt."

Appell des Klinik-Chefs: "Keine unnötigen Einkäufe, keine Partys"

Laut Patrik Hilbrenner ist das "Triagieren", also die Auswahl von Patienten, gängige Praxis in den Krankenhäusern. "Ärzte müssen jeden Tag entscheiden, wen sie zuerst behandeln und wer noch warten muss." Das geschehe oft in der Notaufnahme. "Werden zur selben Zeit mehrere Verletzte eingeliefert, beispielsweise nach einem Unfall, entscheidet der Arzt nach Schwere der Verletzung, wer sofort drankommt und wer warten muss."

Der Klinik-Chef bittet erneut eindringlich, sich an die Corona-Schutzregeln zu halten. "Keine unnötigen Einkäufe, keine Partys und wenn dann Feiern nur in engem Familienkreis, Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand halten. Aus Rücksicht gegenüber den Mitmenschen aber auch aus Rücksicht gegenüber den Mitarbeitern in den Krankenhäusern sollte jeder die Vorschriften befolgen." Seiner Vermutung nach werden die Zahlen über Weihnachten weiter ansteigen.

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