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Trotz Corona: Volksbank zahlt Anteile aus

Die Bankenaufsicht wollte das verbieten. Die Volksbank Löbau-Zittau wehrte sich mit Erfolg. Die Krise hat weitere Folgen: Filialschließungen könnten kommen.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa-Zentralbild

Die gute Nachricht: Die Mitglieder der Volksbank Löbau-Zittau - das sind immerhin knapp 9.000 Menschen überwiegend aus der Region - erhalten auch dieses Jahr die Dividende auf ihre Anteile in Höhe von drei Prozent. Das ist nicht selbstverständlich. Denn die Bankenaufsicht hatte es den Banken untersagt, Dividende auszuzahlen, berichtet Wolfang Zürn, Vorstand der Volksbank Löbau-Zittau. Sie sollten auf die Auszahlung verzichten, falls sie infolge der Coronakrise das Kapital selbst noch brauchen würden. 

Dagegen wehrten sich jedoch die Bankenverbände. Mit Erfolg: Das Verbot wurde etwas gelockert. Unter bestimmten Voraussetzungen können die Banken nun doch an ihre Mitglieder auszahlen. Die Ertragsperspektive der Bank muss so gut sein, dass sie Risiken abfedern kann. "Wir denken, dass wir diese Voraussetzungen erfüllen", so Wolfgang Zürn. Die Auszahlung ist bereits beschlossene Sache, die Vertreterversammlung hat zugestimmt. "Das haben wir auch schon der Bankenaufsicht gemeldet." 

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Außerdem hat der Vorstand eine weitere Änderung beschlossen, von der auch die Mitglieder profitieren. So dürfen sie jetzt Anteile bis 2.000 Euro besitzen. Bisher lag die Grenze bei 1.000 Euro.

Wenn auch der Ausblick auf die kommenden Geschäftsjahre angesichts der Coronakrise ungewiss bleibt, so sieht die Bilanz für das vergangene Jahr 2019 gut aus. Die Volksbank Löbau-Zittau hat sich in allen Bereichen gesteigert. So stieg die Zahl der Mitglieder auf jetzt 8.970. Die Bank betreut über 1,2 Milliarden Euro an Kundenvolumen. "Das erstreckt sich auf alle Bereiche: Einlagen, Wertpapiere, Kredite und mehr", erläutert Wolfgang Zürn. Kredite mit einem Gesamtvolumen von 72 Millionen Euro wurden zugesagt - an Unternehmen wie Privatleute. Die Nachfrage sei nach wie vor groß wegen des niedrigen Zinsniveaus. 

Wolfgang Zürn ist Vorstand der Volksbank Löbau-Zittau.
Wolfgang Zürn ist Vorstand der Volksbank Löbau-Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ebenfalls immer mehr gefragt sei die Investition in Edelmetalle. Auch das bietet die Volksbank an, zum Beispiel in ihrem Goldshop in Zittau. Das beruht vor allem darauf, dass das Vertrauen in die Sicherheit der Währung nachlässt, erklärt der Bankvorstand diesen Trend. Die Unsicherheiten auf dem Weltmarkt, die hohe Staatsverschuldung und die schwierige Zinslage sind daran Schuld. 

Von den guten Geschäften der Bank profitiert auch die Region insofern, dass die Bank wie jedes Unternehmen auch Steuern zahlt. Mehr als 1,7 Millionen Euro sind das 2019 gewesen. Ein großer Anteil davon - 836.000 Euro - sind Gewerbesteuern. Und die bleiben direkt vor Ort, wo die Bank ihren Sitz hat.

Seit März beobachtet aber auch die Volksbank Veränderungen infolge der Coronakrise. Insbesondere die Branchen Tourismus, Hotelerie oder die Reisebranche seien betroffen. Die meisten der Volksbankkunden könnten jedoch ihre Kredite nach wie vor bedienen, sagt Zürn. Mit einigen hat die Bank vereinbart, dass sie die Tilgung aussetzen können. Das betrifft aktuell 276 Konten. 

Auch die aktuelle Corona-Lage in Tschechien hat Auswirkungen auf den Bankbetrieb. Denn die hiesige Volksbank hat viele tschechische Kunden, unterhält eine Filiale in Liberec. "Die Mitarbeiter dort, wohnen aber alle in Tschechien. Von daher ist das kein Problem", so Wolfgang Zürn. Jedoch sind persönliche Treffen mit den Kollegen in Liberec derzeit tabu. "Wir besprechen jetzt alles Nötige per Telefon und Mail." 

Nun bleibt abzuwarten, so Zürn, wie sich die Lage weiter entwickelt. Vieles werde sich erst in den Folgejahren zeigen. In jedem Fall beobachtet er schon jetzt, dass weniger Kunden in die Filialen kommen. Vieles wird inzwischen - auch infolge der Coronakrise und der Kontaktbeschränkungen - online erledigt. "Es kann sein, dass wir unser Filialnetz deshalb auf den Prüfstand stellen müssen." Konkret heißt das, Beratungs- und Öffnungszeiten könnten verkürzt werden. Aber auch Filialschließungen sind nicht ausgeschlossen. Bei aller Digitalisierung, sagt der Bankvorstand, sei ihm aber in erster Linie wichtig, regionaler Ansprechpartner für die Kunden zu bleiben. "Das kann in Zukunft eben auch über andere Zugangswege sein, eben zum Beispiel Internet, Telefon, Video." 

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