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Kita: "Trotz Lockdown fast Normalbetrieb"

Die Nachfrage nach der Kita-Notbetreuung im Rödertal ist groß. Probleme bereiten den Eltern aber verkürzte Öffnungszeiten.

Trotz des eingeschränkten Betriebs werden in den Kitas im Rödertal oft mehr als die Hälfte der Kinder betreut.
Trotz des eingeschränkten Betriebs werden in den Kitas im Rödertal oft mehr als die Hälfte der Kinder betreut. © dpa

Radeberg. Hunderte Kinder werden jeden Morgen in die Kitas in Radeberg und der Umgebung gebracht. Abends nach der Arbeit holen die Eltern sie wieder ab. Normalerweise. Ab dieser Woche gilt das nicht, die Kindertagesstätten im Landkreis Bautzen sind geschlossen. Der Grenzwert von 165 Infektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen ist weit überschritten. Er liegt nach Angaben des RKI im Landkreis bei 317 (Stand Dienstagmittag).

In den Kitas ist lediglich eine Notbetreuung eingerichtet. Sie wird aber von sehr vielen Eltern in Anspruch genommen, wie eine stichprobenartige Umfrage in den Einrichtungen in Radeberg und der Umgebung ergab. „Bei uns herrscht fast Normalbetrieb“, sagt die Leiterin der Kita „Am Sandberg“ in Radeberg, Madlen Winkler.

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Sie schätzt, dass rund 70 Prozent der Kinder am Montagmorgen in die Einrichtung gebracht wurden. „Die Eltern in systemrelevanten Berufen sind ja berechtigt, ihre Kinder weiterhin betreuen zu lassen, und an unserer Kita sind viele Mütter und Väter, die beispielsweise in Gesundheitsberufen oder der Lebensmittelindustrie arbeiten.“

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Für die Kita-Leiterin bedeuten diese Vorschriften viel Arbeit. „Derzeit bin ich damit beschäftigt, die Genehmigungen zu überprüfen, es gibt auch sehr viele Nachfragen, wer nun reingehört und wer nicht“, sagt sie. Überhaupt haben sie und ihre Mitarbeiterinnen derzeit deutlich mehr zu tun als zu normalen Zeiten. „Das ist ja inzwischen schon gut geübte Praxis, aber die besondere Obacht auf die Einhaltung der Hygieneregeln, die separate Betreuung der Kinder nur in ihren Gruppen, das ist schon deutlich mehr Aufwand.“

Deshalb mussten auch die Betreuungszeiten verkürzt werden. „Es ist nicht möglich, die Kinder morgens und am späten Nachmittag in ihren Gruppen zu lassen und dann jeweils nur ihren Erzieher zur Verfügung zu stellen. Diese Kapazitäten haben wir nicht.“

Für einige Eltern ist das eine Herausforderung. „Gerade, was den Nachmittag angeht, gab es viel Gesprächsbedarf. Inzwischen wurden Lösungen gefunden. Entweder die Verwandten holen die Kinder ab, oder Eltern haben sich innerhalb der Gruppe ausgetauscht und sich so Hilfe organisiert. Da gibt es ein gutes Netzwerk.“

Überhaupt gibt es jetzt mehr Gesprächsbedarf zwischen Eltern und Kita-Mitarbeitern, sagt Madlen Winkler. „Vieles ist immer noch ungewohnt, da müssen wir uns schnell austauschen.“ Extra zu diesem Zweck hat der Betreiber der Kita „Am Sandberg“, der Internationale Bund IB, eine Handy-App angeschafft, auf der die Kommunikation schnell möglich ist. „Darüber laufen die schnellen Nachrichten, wir haben aber auch schon Video-Konferenzen abgehalten, das ist sehr hilfreich.“

Wie groß der Druck einiger Eltern ist, ihre Kinder, betreuen zu lassen, zeigt das Beispiel einer anderen Kita. „Es gibt einige, die versuchen, ihre Kinder zu uns zu bringen, obwohl sie nicht in den berechtigten Berufen arbeiten. Deshalb sehen wir uns die Berechtigungen genau an“, sagt eine Kita-Leiterin, die nicht genannt werden will. Auch in einigen Kitas der Volkssolidarität in Radeberg, Arnsdorf und Weixdorf ist die Zahl der Kinder, die in die Betreuung gegeben werden, hoch. „In unserer Kita ,Radeberger Kinderland‘ waren am Montag 61 von 147 Kindern zur Notbetreuung da“, sagt Sven Krell, Vorstand der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen.

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Zwei weitere Gruppen wären berechtigt gewesen, waren allerdings noch in Quarantäne. „In unserer Arnsdorfer Kita ,Am Karswald‘ haben 120 von 212 Kindern Anspruch auf Notbetreuung“, sagt er.

Weniger wird offenbar die Betreuung im Hort nachgefragt. „Im Radeberger Hort ,Regenbogenland‘ kamen 27 von 220 Kindern in die Notbetreuung, In unserem Arnsdorfer Hort ,Tannebergkids‘ waren es am Montag 60 von 200 Kindern“, so Sven Krell. In der Weixdorfer Kita „Heideland“ gilt aktuell keine Schließung beziehungsweise Notbetreuung, da Weixdorf zu Dresden gehört. Hier wird das Wechselmodell angewandt. Rund 60 Prozent der Kinder waren im Hort.

Auch in den Kitas der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist die Zahl der zu betreuenden Kinder teilweise hoch. Nach Angaben von Britta Marschler, Geschäftsführerin der AWO Radeberger Land, liegt sie in den einzelnen Einrichtungen bis zu 50 Prozent. In andere wurden nur fünf Prozent der Kinder gebracht. "Das hängt natürlich mit den Berufen der Eltern zusammen.“ Vermutlich wären es generell mehr Mädchen und Jungen in den Kitas und Horten. Etliche müssen aber aufgrund von Quarantäneregeln zu Hause bleiben.

Nach Angaben des Radeberger Stadtsprechers Jürgen Wähnert können die Kinder von drei Kita-Gruppen in der Stadt nicht in die Einrichtungen gebracht werden. Bei den Horten ist die Zahl der Kinder noch höher. „Hier sind zwei Schulen betroffen. An einer müssen zwei Klassen zu Hause bleiben, an der anderen vier Klassen.“

Nach Angaben von Sven Krell sind in der Arnsdorfer Kita „Am Karswald“ momentan zwei Erzieher und vier Kinder betroffen. In den Kitas der Gemeinde Ottendorf-Okrilla sind es nach Angaben von Thilo Richter, Leiter des Bürgeramtes, 27 Kinder aus zwei Gruppen sowie zwei Erzieherinnen.

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