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Tschechen versüßen sich den Lockdown

In der Corona-Zeit ist der Zuckerverbrauch im Nachbarland rasant gestiegen.

Nebel über der Karlsbrücke in Prag. Die trübe Jahreszeit – verschärft durch die Folgen der Corona-Pandemie – versüßen sich die Tschechen mit Backwerk und viel Zucker.
Nebel über der Karlsbrücke in Prag. Die trübe Jahreszeit – verschärft durch die Folgen der Corona-Pandemie – versüßen sich die Tschechen mit Backwerk und viel Zucker. © Petr David Josek/AP/dpa (Archiv)

"Es ist ein Brauch von Alters her – wer Sorgen hat, hat auch Likör“, dichtete einst Wilhelm Busch. Mit süßem Gesöff hatten es die Tschechen in der Corona-Pandemie nicht so. Aber versüßt haben sie sich die Zeit der zahlreichen Lockdowns doch.

Eine Studie über das Verhalten in der Covid-Zeit besagt, dass die Tschechen – anders als die Deutschen – nicht beim Toilettenpapier besonders heftig zugeschlagen haben, sondern beim Zucker. Alle großen Lebensmittelketten registrierten einen Anstieg beim Kaufverhalten. Kaufland-Sprecherin Renata Maierl beispielsweise spricht von 25 Prozent Steigerung vom März 2020 bis zum Februar 2021 im Vergleich zum gleichen Zeitraum vor Corona.

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Normalerweise bunkern die Tschechen speziell vor Ostern und Weihnachten erheblich Zucker und andere Zutaten zum Backen. Tschechisches Ostergebäck sowie vor allem die Weihnachtsplätzchen sind legendär. Natürlich nur die in häuslicher Umgebung selbst gebackenen Werke. Eine Frau, die möglichst gemeinsam mit den lieben Kleinen vor Weihnachten nicht Unmengen Plätzchen in zumindest 30 verschiedenen Sorten herstellt, gilt als blutige, einfallslose Laiin.

Aber in Corona-Zeiten haben die Tschechen auch unabhängig von Ostern und Weihnachten mehr als fleißig gebacken. Vor allem die, die sich in Quarantäne begeben mussten oder lange Zeit im Homeoffice gearbeitet haben. Ehe sie angesichts von geschlossenen Kultureinrichtungen oder Kneipen der Langeweile unterlagen, griffen sie in den Supermärkten zu, banden sich zu Hause die Schürze um, stellten sich die Zutaten zurecht und fingen an, einen Teig zu produzieren, um den dann in unterschiedlichster Weise zu wahrem Naschwerk zu veredeln.

Freudige Überraschungen beim Selberbacken

Im vergangenen Frühjahr wurden mehr als sonst Kuchen und anderes Weißgebäck gebacken. Das war nicht nur schmackhafter als die Angebote aus dem Supermarkt oder aus den geschlossenen Caféhäusern, sondern auch preiswerter. Und Zusatz- und Konservierungsstoffe fanden sich da auch nicht drin.

Erstaunt zeigten sich die Tschechen, die zum ersten Mal eigenhändig knusprige Hörnchen und Brötchen produziert hatten, dass die auch von ganz anderer Konsistenz sein können als die, die sie bisher vom täglichen Einkauf kannten. Die fallen eher unter die Bezeichnung „Größer geratene Gummitiere“. Abends kaut man auf diesem Zeug lange herum – es wird immer mehr im Mund –, wenn man sich überhaupt dazu überwinden kann.

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Der Foodblogger Martin Kuciel, der den Abruf von Rezepten im Internet verfolgt, sah im Herbst und Winter ein besonderes Interesse von neuen Brotbäckern. Der Hit waren Rezepte für die von den Tschechen besonders geliebte Sorte Sumava, die frisch gegessen ein tatsächlicher Gaumenschmaus ist und sich überdies auch besonders lange hält. Das Brot mit einer besonders schrundigen Kruste sei besonders gut bei den Schulkindern angekommen, die zu Hause lernen mussten und dort auch gern ein Pausenbrot zu sich nahmen.

Zwar schlagen Ärzte und Zahnärzte wegen des wachsenden Zuckerverbrauchs schon Alarm. Aber an eine Zuckersteuer wie in anderen Ländern denkt man in Tschechien derzeit noch nicht.

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