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Tschechien geht wieder in den harten Lockdown

Das Nachbarland fährt das Leben nach Weihnachten erneut herunter. Die höchste Gefahrenstufe dort führt zu massiven Einschränkungen.

Skifahrer in Spindlermühle: Auch die erst kürzlich geöffneten Wintersportareale Tschechiens werden nach Weihnachten wieder geschlossen.
Skifahrer in Spindlermühle: Auch die erst kürzlich geöffneten Wintersportareale Tschechiens werden nach Weihnachten wieder geschlossen. © Radek Petrácek/CTK/dpa

Von unserem Korrespondenten Hans-Jörg Schmidt in Prag

Was das Christkind den Tschechen unter den angeputzten Weihnachtsbaum legt, wird für viele noch eine Überraschung sein. Dass nach Weihnachten wieder Schluss mit lustig sein wird, kommt dagegen nicht überraschend. Am Dienstag ließ sich die Regierung vom Parlament schon den Notstand um einen Monat verlängern. Am heutigen Mittwoch dann kamen die erwarteten massiven Einschränkungen.

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Die Frage war nur, wann die in Kraft treten: schon am 25. Dezember oder erst am 27. Dezember? Die Regierung hat sich für letzteren Termin entschieden. Was Sinn macht: Der neuerliche harte Lockdown erlaubt in geschlossenen Räumen wie draußen nur das Zusammensein von zwei Personen. Hätte dies schon ab dem 1. Weihnachtsfeiertag gegolten, wäre das Fest für die Masse der Leute gelaufen gewesen. Das hätte die Regierung niemandem vermitteln können. Auch so schon sind die Tschechen der Eingriffe in ihr Leben müde.

Welche Beschränkungen kommen nun? Man darf ab dem 27.12. nur noch zur Arbeit aus dem Haus und zu unbedingt nötigen Einkäufen des Grundbedarfs. Natürlich auch zum Arzt, zur Apotheke oder zum Kleintierbedarf. Die Supermärkte können auch nicht ihr gesamten Warenangebot feilbieten - nur die wichtigsten Lebensmittel. Damit sind sie den kleinen Lebensmittelläden gleichgestellt.

Zwischen 21 und 5 Uhr gilt eine Ausgangssperre. Die Schulen öffnen erst am 4. Januar wieder - und das auch nur für die ersten und zweiten Klassen. Der Unterricht für alle anderen soll übers Internet laufen. Eingeschränkt werden auch die Teilnehmerzahlen bei Hochzeiten oder Begräbnissen. Restaurants dürfen ihr Angebot über Fenster nach draußen verkaufen. Alkohol in der Öffentlichkeit aber ist verboten. Schluss ist auch für Museen und Galerien, für die zuletzt noch eine Ausnahme bestand. Die Skiareale Tschechiens, die über Weihnachten noch geöffnet sind, werden danach wieder geschlossen.

Silvester ohne Böllerei

Silvester, so appellierte die Regierungsvertreter vor der Presse in Prag, sollen die Tschechen in diesem Jahr zu Hause feiern, möglichst ohne Knallerei, um die eh schon am Rande des Möglichen arbeitenden Kliniken nicht durch die sonst üblichen Silvesterverletzten zusätzlich zu belasten.

Gesundheitsminister Jan Blatný nutzte die Gelegenheit der Regierungspressekonferenz, um allen Mitarbeitern des Gesundheitswesens noch einmal nachdrücklich für ihren Einsatz zu danken. Ihrer Arbeit sei es zu verdanken, dass man die Weihnachtstage nahezu normal verbringen könne, wenn auch in diesem Jahr etwas anders als sonst.

Der Minister hatte auch noch eine positive Nachricht: „Am 26. Dezember erwarten wir die ersten Impfstoffe in unserem Land. Einen Tag darauf werden sie in vier Prager und zwei Brünner Krankenhäusern zur Verfügung stehen.“ Die Logistik sei ebenso vorbereitet wie die Liste der Menschen, die als erste mit dem Impfstoff versorgt werden sollen.

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