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25 Corona-Tote im Oktober in Liberec

Die Situation im Nachbarland wird extremer. Auswirkungen sind etwa Entlassungen wie im Jeschken-Hotel. Viele orientieren sich in Richtung Deutschland.

Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz wartet in Prag auf die Straßenbahn.
Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz wartet in Prag auf die Straßenbahn. © Vítimánek/CTK/dpa

Seit Donnerstag, sechs Uhr früh, gilt in Tschechien der Lockdown. Bewegungsfreiheit und Kontakte wurden eingeschränkt. Erlaubt sind nur noch Wege zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt und zu Familienmitgliedern. In der Natur dürfen sich die Menschen aufhalten, allerdings nur zu zweit - sofern es sich nicht um Familienangehörige handelt. Alle Geschäfte und Dienstleister, bis auf Supermärkte, Tankstellen, Drogerien und Apotheken, bleiben geschlossen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten vorerst bis 3. November.

Die neuen Einschränkungen seien nötig, um den Zusammenbruch des Gesundheitssystems vorzubeugen. Der könnte laut Einschätzung der Regierung nach dem 7. November drohen - obwohl die Krankenhäuser ihre Kapazitäten erhöht hatten. Am Mittwoch wurden in Tschechien fast 15.000 Menschen positiv auf COVID-19 getestet, das ist der höchste Tageszuwachs seit Beginn der Pandemie. Im Krankenhaus liegen über 4.500 Menschen, 1.739 sind gestorben, davon 253 diese Woche.

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Ähnlich entwickelt sich die Lage auch in der Region Liberec. „Es sieht nicht gut aus“, bestätigte der Direktor der bezirkshygienischen Station in Liberec, Vladimir Valenta. In der Region war der Tageszuwachs zuletzt bei 500 Fällen. Derzeit werden über 200 Infizierte hospitalisiert, 41 mit schweren Komplikationen. In der Region gibt es 36 Corona-Tote, davon 25 im Oktober.

Die Kapazität der Krankenhäuser in Liberecký kraj solle bis Monatsende von 292 auf 400 Betten erhöht werden. In dem Liberecer Krankenhaus liegen die Corona-Patienten bereits auf elf Abteilungen. Das künftige Problem werden nicht die Betten und Technik, sondern das Personal sein. Die Krankenhäuser suchen eine Verstärkung in Ambulanzen und unter Medizin-Studenten.

Restaurant Balada in Liberec will schließen

Viele Gaststätten in der Region machen sich Sorgen um die Zukunft. Schließen will zum Beispiel das beliebte Restaurant Balada im Stadtkern von Liberec. Auch das Berghotel Jeschken muss Mitarbeiter entlassen. Manche Gaststätten haben ein Fenster geöffnet und machen darüber Straßenverkauf - das ist noch erlaubt. Ihre Umsätze bewegen sich bei zehn bis 30 Prozent unter dem üblichen Wert. Hotels dürfen nur Ausländer und Personen, die auf Dienstreise sind, aufnehmen.

„Bislang schaffen wir es, alle Kontakte der Neuinfizierten in den vergangenen zwei Tagen nachzuverfolgen. Aber auch unsere Möglichkeiten sind begrenzt“, sagt Valenta. Rund 60 Hygieniker hat seine Einrichtung, unterstützt von 25 Freiwilligen aus der Technischen Universität und von der Polizei. „Bei 500 neuen Fällen handelt es sich um etwa 2.500 weitere Personen, die wir wegen Tests und Quarantäne kontaktieren müssen“, ergänzt er. Laut dem Gesundheitsminister Roman Prymula sei bisher nicht gelungen, die Reproduktionszahl zu reduzieren, diese liege bei 1,36.

Der öffentliche Verkehr richtet sich nach dem Ferienfahrplan. Maskenpflicht besteht bereits seit Mittwoch auch in allen Innenräumen, im Auto und auf den Straßen, wo sich andere Personen aufhalten. Ausnahmen bilden Familienmitglieder und Sportler in der freien Natur.

"Regierung hat Russisch Roulette gespielt"

Die Fallzahlen steigen derzeit in ganz Europa. „Trotzdem sind unsere Zahlen deutlich höher und unser Wachstum schneller“, sagt  Martin Půta, Bürgermeister für den Kreis Liberec. Er stimmt allen aktuellen Maßnahmen zu, kritisierte aber über seine Facebook-Seite offen die Regierung dafür, dass sie vor den Wahlen mit den Bewohnern "Russisch Roulette" gespielt habe, im September die Situation unterschätzt und bagatellisiert habe. „Nun müssen wir alle an einem Strang ziehen“, meint er. Mit allem anderen müsse man warten, bis alles wieder besser werde.

Viele Tschechen in der Grenzregion zählen nun auch auf die geöffneten Geschäfte in Polen und Deutschland. „Uns bleibt nichts anderes übrig als zu hoffen, dass es besser wird“, meinte auch der Grottauer Bürgermeister Josef Horinka.

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