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Klinikchef: Bald nur noch britische Corona-Mutation

In Liberec, dem Riesengebirge und dem Schluckenauer Zipfel explodiert die Zahl der Infizierten wieder. Sind die Nachbarn erneut "Vorreiter" wie im Sommer?

Eine Expertin untersucht Proben auf die britische Mutation des Corona-Virus.
Eine Expertin untersucht Proben auf die britische Mutation des Corona-Virus. © Symbolbild: Andreas Arnold/dpa

Die Sorgen auf deutscher Seite über die Corona-Lage jenseits der Grenze zu Tschechien sind offenbar berechtigt: In der Gegend um Liberec breitet sich hauptsächlich die sogenannte britische Mutante des Coronavirus sehr schnell aus. Diese wurde bei 70 Prozent der Proben bestätigt, informierte Václav Ŕičář, Sprecher des Liberecer Krankenhauses. „Bei 88 zufällig ausgesuchten Proben wurde sie in 64-mal festgestellt“, präzisierte er.

Er geht davon aus, dass es nicht mehr lange dauert, bis alle Tests nur noch die britische Mutation, die viel ansteckender als die bereits bekannte Variante ist, zeigen werden. Das Liberecer Krankenhaus kann zwischen den verschiedenen Mutationen des Virus - also der britischen, der südafrikanischen und der brasilianische Variante - unterscheiden und arbeitet an der weiteren Verfeinerung der Methoden.

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Während der letzten sieben Tage wurden im Kreis Liberec weitere 921 positive Fälle registriert, im Kreis Děčín 660. Die Stadt Hradek (Grottau) meldet während der letzten Woche 28 Fälle, Varnsdorf 45, Schluckenau 31 und Rumburg 52. Das Labor in Liberec wertete 2020 fast 98.000 PCR-Tests aus und weitere 24.500 im Januar 2021.

Im Kampf gegen die Ausbreitung von Virus-Mutanten hatte die tschechische Regierung die Maßnahmen verschärft. Die britische Variante wurde inzwischen in allen Regionen festgestellt. Ab heute sind drei von der Corona-Pandemie besonders betroffene Bezirke des Landes fest abgeriegelt. Es handelt sich um die Kreise Cheb (Eger), Sokolov (Falkenau in Westböhmen) sowie die Riesengebirgsstadt Trutnov (Trautenau). Erlaubt sind dort nur Fahrten zur Arbeit und zur Schule. Die Einhaltung der Regeln soll laut des Gesundheitsministeriums die Polizei kontrollieren.

Die Zahl der Neuinfektionen liegt dort drei- bis viermal höher als anderswo im Lande. Auf 100.000 Bewohner kommen dort über 1.000 Infizierte. Zugespitzt hat sich dort auch wieder die Lage in den Krankenhäusern. Es fehlt dort an Betten und medizinischem Personal.

Die verschärften Maßnahmen sind an den ausgerufenen Notstand gebunden, der nur bis 14. Februar gilt, weil die Regierung bisher keinen Weg fand, ihn wie geplant zu verlängern. Die Hauptmänner der Regionen Karlovy Vary, Pardubice, Liberec, Nordböhmen, Olomouc und Prag wollen den regionalen Notstand ausrufen, falls der landesweite am Sonntag tatsächlich endet. Dieser Schritt solle den Regionen ermöglichen, zu Krisenmaßnahmen zu greifen, zum Beispiel - wie in Deutschland schon länger üblich - die Armee in Krankenhäusern einzusetzen. Das Ende des nationalen Notstandes bedeutet für die Unternehmer, dass sie keinen weiteren Anspruch auf Staatshilfen haben.

„Noch am Freitag wollen wir von der Regierung hören, wie sie weiterhin Covid-19 bekämpfen und die Auswirkungen auf den Betrieb von Krankenhäusern mildern möchte“, schrieb der Liberecer Bezirkshauptmann Martin Půta auf seinem Facebook-Profil. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ab Montag so tun werden, als ob das Coronavirus nicht mehr existiert, und darauf warten, bis unser Krankenhaus überfüllt sein wird."

Seit Beginn der Pandemie erkrankten in der Region Liberec rund 47.000 Personen an Corona, über zehn Prozent der Bewohner. Aktuell kämpfen mit dem Virus über 5.000 Menschen, 705 sind verstorben.

Tschechien war in der ersten Welle eines der am wenigsten betroffenen Länder. Dafür begann die zweite Welle im Juli und damit viel früher als beispielsweise in Deutschland. Tschechien war extrem stark betroffen. Dafür entspannte sich die Lage ab November wieder ein bisschen. Vermutungen zufolge war der Grenzverkehr zwischen Tschechien und Deutschland einer der Gründe, warum gerade Sachsen in der zweiten Welle so stark betroffen war. Bewiesen worden ist das allerdings bisher nicht. Aus Sorge vor einem Ausbreiten nach Deutschland hat die Regierung am Donnerstag strenge Maßnahmen an der Grenze angeordnet.

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