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Tschechien lockert trotz hoher Infektionszahlen

Was jetzt alles offen ist und wann die Skigebiete starten. Touristische Reisen sind wieder möglich – unter einer Voraussetzung.

Seit Kurzem wird Kunstschnee mit einer Schneekanone auf einer Piste im Skigebiet Bukova Hora versprüht. Auch wenn noch unklar ist, wann die Skigebiete öffnen können, laufen die Vorbereitungen.
Seit Kurzem wird Kunstschnee mit einer Schneekanone auf einer Piste im Skigebiet Bukova Hora versprüht. Auch wenn noch unklar ist, wann die Skigebiete öffnen können, laufen die Vorbereitungen. © dpa

Die Frau vor dem Einkaufszentrum „Forum“ in Ústí nad Labem (Aussig) atmet hörbar auf. „Dass bei uns die Läden geschlossen waren, hat mich sehr geärgert“, denkt sie an die letzten sechs Wochen zurück. Geöffnet hatten nur Lebensmittelmärkte, Drogerien und Apotheken. Alle übrigen Geschäfte hatten immerhin die Möglichkeit, ihre Waren nach Bestellung im Internet abholen zu lassen. „Aber ich möchte die Waren, die ich kaufe, sehen und anfassen“, sagt die ältere Frau. Seit Donnerstag kann sie doch noch ihren Weihnachtseinkäufen nachgehen.

Der Hund knurrt nicht mehr

Erleichterung auch bei Hotels und Gaststätten. Matěj Kudla betreibt in Chřibská (Kreibitz) am Rande der Böhmischen Schweiz nicht nur die Pension „Na Stodolci“, sondern auch noch einen Landgasthof. Für ihn waren die letzten Wochen ein Verlustgeschäft. Zu ihm reisen wegen der guten Küche Gäste aus Prag oder von noch weiter her. Der Außer-Haus-Verkauf der letzten Wochen konnte das nicht auffangen. „Den habe ich nicht wegen des Umsatzes gemacht, sondern damit mein Personal wenigstens ein bisschen das Gefühl bekommt, dass das alles noch Sinn hat“, sagt Kudla. Im Advent plant er Pension und Restaurant wenigstens von Freitag bis Sonntag zu öffnen sowie dann über Silvester. In die Freude, dass er öffnen kann, mischt sich aber auch Bitterkeit. „Unsere Regierung geht unkoordiniert vor. Diese Entscheidungen kommen viel zu kurzfristig, es fehlt eine langfristige Strategie“, so Kudla.

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Dabei hat Tschechien ein neues fünfstufiges Modell, das regelt, welche Lockerungen oder Einschränkungen bei Erreichen einer bestimmten Stufe in Kraft treten. Es heißt abgekürzt PES, was ausgesprochen zugleich Hund bedeutet. Tatsächlich wurde der Tschechen liebstes Haustier als Logo für das Modell verwendet. Ein kluger Schachzug des neuen Gesundheitsministers Jan Blatný, der dem komplexen Berechnungsverfahren des Risikoindex ein vertrautes Gesicht verlieh. Seit Donnerstag fletscht der Hund nicht mehr bedrohlich die Zähne und knurrt, sondern schaut nur noch mit unbewegter Miene, so wie es sich für die mittlere, dritte Stufe gehört. Für die Menschen in Tschechien ist die Lockerung ein Befreiungsschlag. Dabei waren die Maßnahmen zuletzt mit denen in Sachsen vergleichbar.

Der größte Unterschied waren die Schließungen im Einzelhandel und die fast flächendeckende Schließung der Schulen. Das hat gewirkt. Noch Anfang November gehörte Tschechien zu den europäischen Ländern mit den höchsten Infektionszahlen. Seitdem sind die Infektionswerte gesunken, die Risikowerte des neuen Stufenmodells gaben stetig nach. Um in eine niedrigere Stufe zu gelangen, muss der Wert sieben Tage hintereinander auf dem gleichen Niveau verharren. Das war am vergangenen Sonntag erreicht.

Die Regierung beschloss die vorgesehenen Lockerungen dann doch erst für Donnerstag. Die Unsicherheit in der Regierung war groß, ob man so einen Schritt wagen sollte. Zumal die Neuinfektionen zuletzt nicht mehr ganz so schnell zurückgingen. Am Donnerstag lagen sie bei 4.624, der R-Wert bewegte sich bei 0,9. Kein einziger Kreis in Tschechien erreichte die für Deutschland bedeutsame Marke von weniger als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Die meisten Kreise im Grenzgebiet zu Sachsen liegen deutlich über 200 Neuinfektionen.

Skigebiete bereiten sich vor

Um die Akzeptanz für die Anordnungen in der Bevölkerung zu erhalten, entschied die Regierung letztendlich, doch alles zu lockern, wie im Stufenplan angekündigt. Das ist eine ganze Menge. Nicht nur Geschäfte, Restaurants und Hotels sind mindestens wieder im Teilbetrieb. Auch Museen und Galerien sowie Schlösser und Burgen dürfen wieder teilweise öffnen. Alle Einschränkungen der Bewegungsfreiheit fallen weg und draußen dürfen sich bis zu 50 Personen treffen, in Räumen bis zu 10. Schulen nehmen den Präsenz- bzw. Wechselunterricht auf und Amateursportler dürfen wieder Sport treiben.

Am kommenden Montag will die tschechische Regierung entscheiden, wann die Skigebiete wieder öffnen dürfen. Bis jetzt ist klar, dass es bis 12. Dezember zu keiner Öffnung kommt.

Ausgerechnet in diesem Jahr könnten die klimatischen Bedingungen gerade nicht besser sein und die Skigebiete nutzen die niedrigen Temperaturen, um kräftig mit Kunstschnee nachzuhelfen. Sie brauchen das Weihnachtsgeschäft. „Wir könnten eigentlich heute mit drei Pisten starten“, sagt Petr Zeman, Eigentümer des Skigebiets am Klínovec (Keilberg) im Erzgebirge. Man sei auch mit einem Hygienekonzept vorbereitet. „Die Abstände regeln sich von selbst über die Skilänge, die Skifahrer tragen Handschuhe, haben Helme auf, tragen Schals“, sagt Zeman. Neuralgische Punkte wie Aprés-Ski-Bars bleiben entweder geschlossen oder werden nur für wenige Leute geöffnet. Aber das entscheidet letztendlich die Regierung. „Für uns wäre eine Öffnung spätestens am 19. Dezember ideal, damit wir uns auch darauf vorbereiten können“, wünscht sich Zeman.

Touristische Reisen wieder erlaubt

Dass Hotels wieder offen sind und möglicherweise auch bald Skigebiete, ist auch für Sachsen interessant. Denn Tschechien hat touristische Reisen wieder erlaubt. „Aber nur mit einem negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist“, sagt Hana Malá, Sprecherin des Innenministeriums. „Wenn Ausländer bei ihrer Einreise keinen Test vorlegen können, müssen sie zehn Tage in Quarantäne“, so Malá weiter. Außerdem muss vorher ein Einreiseformular ausgefüllt werden. Das gilt so lange, wie Deutschland von Tschechien als Hochrisikogebiet eingestuft wird. „Die Möglichkeit, dass man für zwölf Stunden aus dringenden Gründen nach Tschechien ohne Test einreisen kann, darf nicht für touristische Zwecke missbraucht werden“, fügt Malá hinzu. Schnell mal nach Tschechien auf die Piste fahren, ist also nicht möglich.

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Aber die Lockerungen könnten schnell wieder vorbei sein, wenn der landesweite Index drei Tage hintereinander in die nächsthöhere Risikostufe zurückkehrt. In den Grenzbezirken Ústí und Liberec sind sie dort schon angekommen. Da über die dritte Stufe aber einheitlich im ganzen Land entschieden wird, profitiert das Grenzgebiet vom Rest des Landes.

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