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Pirna

Tschernobylkinder müssen Urlaub absagen

Im Januar sollten Kinder aus Weißrussland in die Sächsischen Schweiz kommen - zum 30. Mal in Folge. Die Reise fällt jedoch aus - nicht nur wegen Corona.

Urlaub mit Lerneffekt: Im Januar sollten Kinder aus Weißrussland nach Rosenthal kommen. Die Reise muss jedoch verschoben werden.
Urlaub mit Lerneffekt: Im Januar sollten Kinder aus Weißrussland nach Rosenthal kommen. Die Reise muss jedoch verschoben werden. © Archivfoto: Norbert Millauer

Sie hätten eine weite Reise vor sich gehabt und mehr als 20 Stunden im Bus gesessen: Im Januar sollten erneut Kinder aus den durch die Tschernobylkatastrophe verstrahlten weißrussischen Gebieten die Sächsische Schweiz besuchen. Im Rüstzeitheim "Reimer Mager" in Rosenthal-Bielatal hätten sie sich für fast drei Wochen erholen können. Dafür wollten die Helfer und Spender der Projektgruppe "Kinder von Tschernobyl" sorgen.

Schwierige politische Lage

Nun steht fest: Die Tschernobylkinder können den Erholungsurlaub in Deutschland nicht antreten. "Wir alle freuten uns schon auf die Kinder. Die Einladungen waren verschickt, der Aufenthalt vorbereitet. Doch dann kamen Corona und die schwierige politische Lage in Belarus", erklärt Anja Oehm von der Projektgruppe.

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In den Städten und Dörfern, aus denen die weißrussischen Kinder stammen, würden sich viele Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Ärzte würden um das Leben der Menschen kämpfen. Aus den Briefen, E-Mails und Nachrichten, die unsere Projektgruppe erreichen, sprechen große Traurigkeit und Besorgnis, aber auch eine große Stärke der Weißrussen", schildert Anja Oehm. Mitgefühl und gegenseitige Hilfe seien aus der Not gewachsen. Junge Menschen würden Ältere versorgen: mit Wasser, Lebensmitteln und für sie Besorgungen erledigen. Die Belarusen würden sich in der Krise umeinander kümmern.

Urlaub wird auf 2022 verschoben

Auch die mehr als 20-köpfige Projektgruppe um Pfarrer i.R. Günter Hartmann will weiter für die Kinder da sein. Der Erholungsaufenthalt wird deshalb auf 2022 verschoben. Laut Anja Oehm sei man zuversichtlich, dass sich die Umstände in einem Jahr bessern würden - nicht nur coronabedingt. Dann sollen die Kinder, die diesen Winter nach Rosenthal gekommen wären, ihre Koffer packen.

Bereits seit 1992 wird der Erholungsurlaub der Tschernobylkinder organisiert. 2021 wäre es der 30. Besuch in Rosenthal gewesen. Dass das runde Jubiläum abgesagt werden musste, schmerze umso mehr. "Wir bleiben weiterhin aktiv – das sind wir den Bedürftigen und all den Menschen, die unterstützt haben, einfach schuldig", sagt Anja Oehm.

Kleiderspenden in 600 Kartons

Die Rosenthaler haben vor wenigen Tagen insgesamt 600 Kisten mit Kleiderspenden nach Weißrussland geschickt. Die Sachen wurden von vielen Helfern aus Rosenthal in der Tschernobyl-Kleiderkammer, die sich in den Kellerräumen der Grundschule befindet, gesichtet und verpackt. Die Kleider sind für Bedürftige in der belarusischen Hauptstadt Minsk und Bragin gedacht. Dort sind die Kisten bereits angekommen. "Den großen Dank aus Belarus für die Hilfe und Verbundenheit geben wir gern an alle Spender weiter. Wir setzen die Hilfstransporte fort, solange sie gebraucht werden", sagt Anja Oehm.

Ein weiteres Zeichen wollen die Mitglieder der Projektgruppe im Frühjahr 2021 setzen. Am 26. April jährt sich zum 35. Mal die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Aus diesem Anlass sind ein Gottesdienst und eine Gedenkveranstaltung in Rosenthal geplant.

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