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Über 40.000 Euro für Pirnas Händler

Eine Gutschein-Aktion des Citymanagements soll die lokalen Geschäfte in der Schließzeit unterstützen. Sie läuft bislang mit großem Erfolg.

Besondere Hilfe für Pirnas Händler: Vicky Leuschke hat den 900. Pirna-Gutschein gekauft.
Besondere Hilfe für Pirnas Händler: Vicky Leuschke hat den 900. Pirna-Gutschein gekauft. © Daniel Förster

Als Vicky Leuschke Ende vergangenen Jahres Weihnachtsgeld bekam, stand fest, dass der Obolus nicht für alltägliche Dinge aufgebraucht werden soll. Sie wollte sich von dem Geld etwas Besonderes gönnen, vielleicht ein neues Kleid, vielleicht ein gemeinsames Frühstück mit ihrem Mann in einem Pirnaer Café. Es war auch ihr Wunsch, dass das Geld auf alle Fälle in Pirna bleibt, sie bestellt nur ungern etwas im Internet.

Das Problem war allerdings: Wegen des zweiten Corona-Lockdowns sind nahezu alle Geschäfte und Gaststätten in der Stadt geschlossen. Sie wählte daher einen anderen Weg, und so findet sie sich quasi als Jubilarin in einem großen Projekt wieder. Vicky Leuschke hat den insgesamt 900. Pirna-Gutschein gekauft. "Es ist mir sehr wichtig, etwas für die ortsansässigen Händler zu tun", sagt sie.

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900 Gutscheine sind bislang verkauft

Weil der zweite coronabedingte Lockdown mitten in die Weihnachtszeit - eine der umsatzstärksten Zeiten für den Einzelhandel - platzte, initiierte der Verein "Citymanagement Pirna" kurzerhand eine neue Aktion, die am 16. Dezember startete.

Unter dem Motto "Lokal denken - Vielfalt schenken" können Einkaufsgutscheine erworben werden. "Angesichts der Ladenschließungen wollen wir auf diese Weise Kaufkraft in Pirna binden", sagt Dina Stiebing vom Citymanagement, die das Gutschein-Projekt leitet. In jedem Fall trügen die Käufer dazu bei, dass die Ladenvielfalt in der Innenstadt erhalten bleibe.

Das Modell hat sich bislang als Erfolg erwiesen. 900 Gutscheine sind inzwischen verkauft. "Der Umsatz aus der Gutschein-Aktion beläuft sich derzeit auf rund 43.000 Euro", sagt Robert Böhme, Projektleiter Stadtmarketing bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP).

Allerdings profitieren die Händler zurzeit noch nicht von dem Geld, es kann erst in ihre Kassen fließen, wenn alle wieder öffnen dürfen. Gleichwohl sei die große Zahl der verkauften Gutscheine laut Böhme jetzt schon ein starkes Signal an die Gewerbetreibenden mit der Botschaft, dass die Menschen an die Händler glauben und den lokalen Handel stärken wollen.

Gutschein-Betrag lässt sich individuell festlegen

Der Gutschein kommt im Format einer EC-Karte daher, er ist speziell für Pirna entworfen worden, es gibt sie auch mit einer passenden Geschenkkarte, falls der Käufer jemanden anderen damit bedenken will.

Die Karte lässt sich individuell mit jeder beliebigen Summe aufladen. Inhaber der Karte müssen das Guthaben nicht auf einmal und nicht nur in einem Geschäft aufbrauchen. Kaufen sie etwas und bleibt noch ein Restguthaben, kann dies auch in einem oder mehreren anderen Läden, Gaststätten oder Kulturstätten eingelöst werden.

Erhältlich sind die Gutscheine online über die Internetseite www.kaufinpirna.de, dort sind auch weitere Infos sowie die teilnehmenden Gewerbler aufgelistet. Der Gutschein lässt sich aber auch - abhängig von den möglichen Öffnungszeiten - im Touristservice am Markt, im Treffpunkt der Sächsischen Zeitung auf der Schössergasse, im "Kauf in Pirna"-Lädchen auf der Dohnaischen Straße oder bei der Volksbank auf der Gartenstraße erwerben.

Bonus-Gutscheine mit geschenktem Guthaben

Begleitet wird die Gutschein-Aktion von einem besonderen Projekt. Es gibt eine auf 400 Stück limitierte Anzahl von Bonus-Gutscheinen. Ein solcher Gutschein kostet 75 Euro, hat aber einen Wert von 100 Euro, 25 Euro sind somit geschenkt. Diese von Sponsoren bezuschussten Gutscheine sind ausschließlich online erhältlich. Dieses Kontingent ist noch nicht restlos verkauft, wer aber eine solche Bonuskarte haben möchte, sollte sich sputen.

Ursprünglich war geplant, dass der Bonus von 25 Euro - nicht der restliche Wert der Karte - ab 1. Juni 2021 verfällt. Dieses Verfallsdatum soll aber laut Böhme zeitlich nach hinten verschoben werden, da derzeit noch unklar ist, wann Geschäfte und Gaststätten wieder öffnen dürfen. Auf alle Fälle soll genügend Zeit bleiben, um die Guthaben einzulösen.

Gutschein-Aktion ist bislang einmalig

Mit der Gutschein-Aktion betritt Pirna zumindest im Osten Deutschlands Neuland. Zwar gab es im Frühjahr 2020 bereits Gutscheine - aber immer nur für ein bestimmtes Geschäft. "Aber ein allgemeiner Gutschein für die ganze Stadt, das ist bislang ziemlich einmalig", sagt Dina Stiebing.

Um das Gutschein-Projekt technisch umzusetzen, fiel die Wahl des Citymanagements auf das Pulsnitzer Unternehmen "secupay AG". "Für uns ist die Aktion ein Pilotprojekt, in einem solchen Umfang haben wie so etwas noch nie gemacht", sagt Vorstand Hans-Peter Weber. Inzwischen wollen andere Städte, beispielsweise Bischofswerda, dieses Modell adaptieren.

Extra-Gutscheine für Unternehmen

Und noch etwas hat das Citymanagement vorbereitet - eine spezielle Pirna-Card, die sich an Unternehmen richtet. Firmen können die Karte mit maximal 44 Euro im Monat aufladen und Beschäftigen so einen sogenannten steuerfreien Sachbezug zukommen lassen. Diese Karte kann ebenfalls bei allen teilnehmenden Läden, Lokalen und Gaststätten eingelöst werden. Das Interesse der Unternehmen an dieser Karte, sagt Dina Stiebing, sei groß.

Vicky Leuschke hat sich inzwischen grob überlegt, wo sie ihren Gutschein einlösen könnte. "Vielleicht kaufe ich mir etwas Schönes im Funky Town auf der Schuhgasse", sagt sie, "dort finde ich eigentlich immer etwas."

Was Pirnas Einzelhändler über den Lockdown denken

Jens Weinhold vom Bergsportgeschäft rotpunkt: "Ich will aufmerksam machen, dass die Kacke am Dampfen ist. Wir Einzelhändler werden zu den Schuldigen gemacht, dabei sind die eigentlichen Probleme ganz andere. Es kann nicht sein, dass man die Läden schließt und wir nichts dafür können. Ich persönlich kann nicht klagen, weil wir seit 20 Jahren auch Onlinehandel betreiben. Im Internet können wir uns derzeit quasi gar nicht retten. Aber sobald der Winter vorbei ist und Ski nicht mehr gekauft werden, geht es mir genauso dreckig, wie allen anderen Ladenbesitzern auch. Wir werden hier in den Innenstädten wohl bald nur noch schwarze Löcher haben. Ich fordere eine Entschädigung für das verloren gegangene Einkommen. Wir kleinen Einzelunternehmer sind keine Menschen zweiter Klasse. Wenn alle Läden in Deutschland zu machen müssten, dann würde man schnell erkennen, wie systemrelevant wir sind.“ (notiert von Daniel Förster)
Jens Weinhold vom Bergsportgeschäft rotpunkt: "Ich will aufmerksam machen, dass die Kacke am Dampfen ist. Wir Einzelhändler werden zu den Schuldigen gemacht, dabei sind die eigentlichen Probleme ganz andere. Es kann nicht sein, dass man die Läden schließt und wir nichts dafür können. Ich persönlich kann nicht klagen, weil wir seit 20 Jahren auch Onlinehandel betreiben. Im Internet können wir uns derzeit quasi gar nicht retten. Aber sobald der Winter vorbei ist und Ski nicht mehr gekauft werden, geht es mir genauso dreckig, wie allen anderen Ladenbesitzern auch. Wir werden hier in den Innenstädten wohl bald nur noch schwarze Löcher haben. Ich fordere eine Entschädigung für das verloren gegangene Einkommen. Wir kleinen Einzelunternehmer sind keine Menschen zweiter Klasse. Wenn alle Läden in Deutschland zu machen müssten, dann würde man schnell erkennen, wie systemrelevant wir sind.“ (notiert von Daniel Förster) © Daniel Förster
Kelly Beier, Filialleiterin der Parfümerie Thiemann: "Wir haben die ganzen Jahre gegen den Online-Handel gekämpft. Das ist uns dank unserer Kompetenz und Beratung gut gelungen. Durch den Lockdown ging uns dann unser größtes Geschäft zu Weihnachten futsch. Wir haben kaum eine Chance: Jede Drogerie darf Düfte und Pflegeprodukte verkaufen - wir dürfen es nicht. Das ist unverständlich. Ich wünsche mir, dass es eine klare Linie gibt und wir bald wieder öffnen dürfen. Der Einzelhandel braucht eine Zukunft. In unserem Geschäft haben wir ein Hygienekonzept - so wie jeder Drogeriemarkt auch. Ich behaupte, unser Konzept ist sogar besser, weil wir es besser kontrollieren können. Wir haben Desinfektionsmittel, unsere Mitarbeiter tragen Schutzmasken, auch für die Kunden haben wir einen Mund-Nase-Schutz da. Wir lassen zudem nur so und so viele Leute in den Laden, wie es erlaubt ist.“ (notiert von Daniel Förster)
Kelly Beier, Filialleiterin der Parfümerie Thiemann: "Wir haben die ganzen Jahre gegen den Online-Handel gekämpft. Das ist uns dank unserer Kompetenz und Beratung gut gelungen. Durch den Lockdown ging uns dann unser größtes Geschäft zu Weihnachten futsch. Wir haben kaum eine Chance: Jede Drogerie darf Düfte und Pflegeprodukte verkaufen - wir dürfen es nicht. Das ist unverständlich. Ich wünsche mir, dass es eine klare Linie gibt und wir bald wieder öffnen dürfen. Der Einzelhandel braucht eine Zukunft. In unserem Geschäft haben wir ein Hygienekonzept - so wie jeder Drogeriemarkt auch. Ich behaupte, unser Konzept ist sogar besser, weil wir es besser kontrollieren können. Wir haben Desinfektionsmittel, unsere Mitarbeiter tragen Schutzmasken, auch für die Kunden haben wir einen Mund-Nase-Schutz da. Wir lassen zudem nur so und so viele Leute in den Laden, wie es erlaubt ist.“ (notiert von Daniel Förster) © Daniel Förster
Ursula Nitzschner, Inhaberin vom „Mode-Mix“: "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich fühle mich von der Politik total verlassen. Auf die Worte von Politikern wie Gesundheitsminister Jens Spahn kann man sich nicht verlassen. Im vergangnen Jahr hat er noch großmundig getönt, dass diese Fehler - Läden zu schließen wie im Frühjahr - nicht wiederholt werden. Und was hat er gemacht? Genau dasselbe - ohne finanzielle Hilfe zu leisten. Ich werde jetzt einige Lieferanten anschreiben und anrufen, dass sie noch auf ihr Geld warten müssen. Denn ich weiß nicht, wo ich es derzeit hernehmen soll. Die ganze bestellte Winterware, die steht im Laden. Es ist eine total kaputte Saison. Ich wünsche mir kurzfristige Hilfen. Es sollen nicht nur ein Teil der Fixkosten, sondern auch Umsatzausfälle ersetzt werden. Damit könnte ich dann auch die Lieferanten pünktlich bezahlen. Sie hängen ja ebenfalls am anderen Ende mit dran.“ (notiert von Daniel Förster)
Ursula Nitzschner, Inhaberin vom „Mode-Mix“: "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich fühle mich von der Politik total verlassen. Auf die Worte von Politikern wie Gesundheitsminister Jens Spahn kann man sich nicht verlassen. Im vergangnen Jahr hat er noch großmundig getönt, dass diese Fehler - Läden zu schließen wie im Frühjahr - nicht wiederholt werden. Und was hat er gemacht? Genau dasselbe - ohne finanzielle Hilfe zu leisten. Ich werde jetzt einige Lieferanten anschreiben und anrufen, dass sie noch auf ihr Geld warten müssen. Denn ich weiß nicht, wo ich es derzeit hernehmen soll. Die ganze bestellte Winterware, die steht im Laden. Es ist eine total kaputte Saison. Ich wünsche mir kurzfristige Hilfen. Es sollen nicht nur ein Teil der Fixkosten, sondern auch Umsatzausfälle ersetzt werden. Damit könnte ich dann auch die Lieferanten pünktlich bezahlen. Sie hängen ja ebenfalls am anderen Ende mit dran.“ (notiert von Daniel Förster) © Daniel Förster

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