merken
PLUS Dresden

Dresdner Intensivstationen: "Durchgehende Belastung"

In den Dresdner Krankenhäusern ist die Lage nach wie vor sehr angespannt. Auf den Coronastationen kommt das Personal an seine Grenzen.

Die Belastung für das Personal ist weiter hoch.
Die Belastung für das Personal ist weiter hoch. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa (Symbolbild)

Dresden. Seit mehr als einem Jahr kämpfen die Pflegekräfte und Mediziner auf den Dresdner Intensivstationen um das Leben der Covid-19-Patienten. Zunehmend kommen sie dabei an ihre Grenzen. Allein am Dienstag mussten 21 Menschen aufgrund einer Coronavirus-Infektionen ins Krankenhaus eingewiesen werden. Laut Stadt liegt die Bettenauslastung in den Dresdner Krankenhäusern bei 85 Prozent.

"Die Belastung für alle von uns ist nicht banal. Wir sehen jeden Tag in der Notaufnahme Pflegekräfte und Ärzte mit Tränen in den Augen. Wir sehen aber auch jeden Tag Patienten, die so belastet sind – finanziell zum Beispiel – dass sie nicht mehr können", sagt Mark Frank, Leiter der Notaufnahme am städtischen Klinikum. " Wir sehen Menschen, die vereinsamen. Jetzt schon bemerken wir eine dezente Zunahme bei Suiziden. Hätten wir Licht am Horizont, ließe sich das aushalten", so der Mediziner. Aber es herrsche eine pauschale Hoffnungslosigkeit, das spiegele sich in der Bevölkerung wider, aber auch bei seinem Personal.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Dazu komme die Arbeitssituation: "Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten auf einer Normalstation und haben jeden Tag zwei Menschen, die sterben. Davon viele, die nicht wollten, dass sie weiter therapiert werden, aber ohne diese Corona-Infektion noch ein bisschen Zeit gehabt hätten", so Frank. Das mache etwas mit den Leuten. "Das ist eine Situation, bei der wir zwar versuchen, kollegial und mit Profis zu unterstützen. Aber das ist ein Pfund, das wir wohl noch viele Jahre mit uns herumtragen werden", so der Mediziner.

Und dann gäbe es auch das hohe Arbeitspensum. Im Januar und Februar gingen die Einweisungen etwas zurück. Doch in diesem Moment habe man im städtischen Klinikum andere Bereiche für Patienten, die lange auf eine Therapie gewartet haben, wieder aufgebaut. "Vom Arbeitspensum ist das also bisher eine durchgehende Belastung gewesen." Dazu komme, so der medizinische Direktor und Chefarzt Harald Schmalenberg, dass noch längst nicht alle Mediziner geimpft sind. "Wir haben jetzt 58 Prozent unserer Mitarbeiter geimpft. Das sind über 2.200, die alle vollständig geimpft sind. Es gibt noch 500 impfwillige Mitarbeiter, die mangels Impfstoffs bisher nicht geimpft werden konnten." Trotzdem spüre er den Effekt. "Wir hatten im Dezember bis zu 250 Mitarbeiter, die durch Corona ausgefallen sind. Das war kritisch." Das sei jetzt weniger, deutlich unter 100.

Man sei noch nicht in dem Modus wie im Dezember, aber habe eine starke Beanspruchung der Intensivstationen. Auf den Normalstationen sei die Lage nicht ganz so kritisch. "Das hat sicher damit zu tun, dass die Patienten tendenziell jünger sind. Die über 80-Jährigen sind eher die Ausnahme, weil die Altenheimbewohner geimpft sind", so Schmalenberg.

"Die Belastung auf der Covid-ITS-Station ist ungebrochen hoch. Die Versorgung der Patienten ist körperlich anstrengend und hochkomplex", sagt auch das Uniklinikum. Zwar seien die Patientenzahlen im Vergleich zum Dezember gesunken. Von einem Durchschnaufen bei dem Personal, das die Covid-Patienten betreut, könne jedoch keine Rede sein.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden