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Umgebinde? Ausgezeichnet!

Familie Umbreit erhält für die Sanierung ihres Hauses in Ebersbach einen Bundes-Preis. Durch Zufall sind sie hier gelandet. Zuvor machten sie Tourismus in Sibirien.

Christina und Tom Umbreit aus Dresden haben ein altes Faktorenhaus in Ebersbach zum Urlaubsdomizil gemacht. Dafür gab's jetzt einen Bundes-Preis.
Christina und Tom Umbreit aus Dresden haben ein altes Faktorenhaus in Ebersbach zum Urlaubsdomizil gemacht. Dafür gab's jetzt einen Bundes-Preis. © Markenfotografie Jörg Simanowski

Die alten Obstbäume im Garten, das stattliche Umgebindehaus etwas oberhalb der Hauptstraße und dann der große Herrnhuter Stern in dem riesigen Fenster unterm Dach, der jetzt in der Vorweihnachtszeit wieder sein warmes Licht verströmt - dieses Haus ist definitiv ein Blickfang in Ebersbach.

Tom Umbreit und seine Frau Christina haben es wieder zu diesem Blickfang gemacht, nachdem sie sich 2015 entschieden, dieses alte Faktorenhaus zu kaufen und zu sanieren. Für ihr Engagement bei der denkmalgerechten Sanierung sind sie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgezeichnet worden. Sie erhalten in diesem Jahr den ersten Preis des ausgelobten Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege. "Die Jury würdigt die Besitzer des „Faktorenhauses C.W. Henke“, Christina und Tom Umbreit, sowie die beteiligten Handwerksbetriebe für die Restaurierung", heißt es in einer Erklärung der Stiftung dazu.

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Dieser Tage sollte die Preisverleihung auf Schloss Augustusburg stattfinden. Wegen Corona fällt sie nun aus, Umbreits bekommen ihre Auszeichnung per Brief. Dass die Preisverleihung nicht wie geplant stattfinden konnte, findet der Bauherr besonders für die Handwerker schade, die an dem Projekt mitgewirkt haben. Denn der Preis richtet sich auch explizit an sie. "Das war für uns ausschlaggebend, dass wir uns überhaupt darum beworben haben", erzählt Tom Umbreit. Denn das sei einer der wenigen Preise, bei denen auch die geehrt werden, die tatsächlich die Arbeit machen. "Alle Handwerksbetriebe waren eingeladen zur Preisverleihung und die meisten hatten auch zugesagt."

Tourismus in Sibirien

Innerhalb von zwei Jahren schafften Umbreits mit der Unterstützung der Handwerker den Umbau. 2016 starteten sie, 2017 empfingen sie im Herbst die ersten Feriengäste. Denn das ehemalige Faktorenhaus ist ein Urlaubsdomizil. Christina und Tom Umbreit leben selbst in Dresden - und werden berufsbedingt vorerst auch mit ihren Kindern in der Landeshauptstadt wohnen bleiben. Sie suchten gezielt nach einem Haus im Umland von Dresden, das sie zu einem Ferienhaus umbauen konnten. Ein Haus, in dem mehrere Familien oder Freundes-Gruppen alle gemeinsam Urlaub machen können, das war ihr Traum. "Ein Haus, in dem man gemeinsam an einer langen Tafel sitzen und zusammen kochen kann und wo sich nicht jeder in seiner eigenen kleinen Ferienwohnung verkriecht", beschreibt Tom Umbreit seine Vorstellung, die er in Ebersbach genau so umgesetzt hat.

Tom Umbreit und seine Frau Christina haben viele Jahre an verschiedenen Projekten gearbeitet, um den Tourismus in Sibirien anzukurbeln. Unter anderem gründeten sie dort das erste Hostel für Rucksacktouristen. "Irgendwann sagten wir uns, wir könnten doch auch was für den Tourismus vor der eigenen Haustür tun und nicht nur am anderen Ende der Welt", erzählt der Dresdner. Und sie wollten Denkmalschutz und Urlaubsdomizil verbinden.

So schön ist das alte Faktorenhaus geworden:

Das Haus thront etwas erhöht über der Hauptstraße und ist von einem Obstgarten umgeben.
Das Haus thront etwas erhöht über der Hauptstraße und ist von einem Obstgarten umgeben. © Markenfotografie Jörg Simanowski
Im Eingangsbereich ist das Gewölbe zu erkennen.
Im Eingangsbereich ist das Gewölbe zu erkennen. © Markenfotografie Jörg Simanowski
Die restaurierte Blockstube.
Die restaurierte Blockstube. © Markenfotografie Jörg Simanowski
Hier finden Familien viel Platz.
Hier finden Familien viel Platz. © Markenfotografie Jörg Simanowski
Rund 260 Quadratmeter hat das als Ferienhaus genutzte Denkmal.
Rund 260 Quadratmeter hat das als Ferienhaus genutzte Denkmal. © Markenfotografie Jörg Simanowski

Ebersbacher kennen das "Meißner-Haus"

Durch eine Bekannte wurden sie auf das Haus in Ebersbach aufmerksam, das zum Verkauf stand. Für Ebersbachs Geschichte hat das Haus eine besondere Bedeutung. Glaubt man den Ausführungen einer Studie, die ein Student in den 1960er Jahren anfertigte, steht hier sogar die Wiege der Ebersbacher Textilindustrie. Denn der Fabrikant Christoph Wilhelm Henke übernahm das Haus im Jahr 1831. In einfacherer Form existierte es wohl schon früher. Für Henke arbeiteten 1.000 Handweber, noch bevor Hermann Wünsche die Weberei in Ebersbach industrialisierte und eine Fabrik baute. Bekannt ist das Gebäude in Ebersbach aber als das Meißner-Haus. Der Arzt Alfred Meißner kaufte es 1881.

"Wenn man durch das Haus geht, ist das eine Wanderung durch 200 Jahre Architekturgeschichte", sagt Besitzer Tom Umbreit. Viele Stilrichtungen haben ihre Spuren hinterlassen. Umbreits haben bei der Sanierung darauf geachtet, dass sie alle erhalten und auch sichtbar bleiben. Ein großes Glück: Zu DDR-Zeiten wurde nichts überbaut in dem Haus. "Die typischen DDR-Sünden haben wir hier nicht", so Tom Umbreit.

Mit ihrem besonderen Ferienhaus wollen Umbreits Touristen aus ganz Deutschland locken - und das gelingt ihnen offenbar. Sie bewerben ihr Haus zum Beispiel auf einem Urlaubsportal, das architektonisch anspruchsvolle Objekte anbietet. "Daher kommen viele Gäste, die gezielt solche besonderen Häuser als Urlaubsdomizil suchen, zum Beispiel Architekten." Und mancher landet auf diesem Weg in der Oberlausitz, obwohl er zuvor gar nicht wusste, dass es diese Region überhaupt gibt, sagt Tom Umbreit etwas überspitzt. "Viele sind dann überrascht, was es hier so alles zu entdecken gibt." Über mangelnde Nachfrage kann sich das Dresdner Ehepaar nicht beklagen. "Wir könnten jedes Wochenende vermieten." Feiertage sind sowieso beizeiten ausgebucht, über Silvester beispielsweise ist das Haus für die nächsten Jahre nicht mehr verfügbar. Derzeit werden natürlich corona-bedingt keine Feriengäste empfangen.

Weitere Pläne fürs Denkmalhaus

Der Bundespreis trägt nun wieder ein Stück weit dazu bei, das Ebersbacher Ferienhaus und die Oberlausitz bekannter zu machen. Neben dem ersten Preis für Umbreits in Ebersbach wurden weitere fünf Eigentümer von Denkmalen in Schönwölkau (Landkreis Nordsachsen), Groitzsch (Landkreis Leipzig), Langenbernsdorf (Landkreis Zwickau), im Leisniger Ortsteil Klosterbuch sowie in Mulda (beide Landkreis Mittelsachsen) und 35 beteiligte Handwerksbetriebe geehrt. Am Wettbewerb, der dieses Jahr in Sachsen aufgetragen wurde, hatten sich Eigentümer von 48 Denkmalen beteiligt. "Die sechs Denkmale, die jetzt ausgezeichnet wurden, sind beispielhaft und ein gutes Vorbild“, sagte Staatsminister Thomas Schmidt im Zuge der Verleihung. „Erst die Zusammenarbeit aller Beteiligten führt zu diesen beeindruckenden Ergebnissen. Es braucht Eigentümer genauso wie Architekten oder Planer. Wichtig sind die Denkmalfachleute in den Behörden, die bei der Suche nach neuen Nutzungen aufgeschlossen mitwirken. Und nicht zuletzt kommt es auf die Handwerker an, die mit ihrer Kunst, ihrem Können und ihrer Qualität einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung der Denkmalvielfalt leisten, auf die wir in Sachsen so stolz sind.“

Dotiert ist der erste Preis mit 6.000 Euro. Das Geld will Familie Umbreit in die Sanierung der historischen Tapeten mit investieren. Da muss der Restaurator noch mal ran, denn es gibt Probleme mit Trockenheit, wie der Bauherr schildert. Und er hat noch weitere Pläne: Das Hinterhaus des Gebäudes am Oberen Kirchweg soll ebenfalls noch erneuert werden. "Das ist noch ein bisschen ein Schandfleck zwischen Grünsteinhof und Kaffeemuseum", sagt Tom Umbreit.

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