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Und was blüht uns nach Corona?

Die größten Risiken in den nächsten Jahren sieht das Weltwirtschaftsforum in Extremwettern und Klimapolitikversagen.

Anfang Januar: Das Sturmtief „Filomena“ hat in der Region starke Regenfälle verursacht. Extremwetter sind nach Expertensicht die nächsten großen Wirtschaftsrisiken.
Anfang Januar: Das Sturmtief „Filomena“ hat in der Region starke Regenfälle verursacht. Extremwetter sind nach Expertensicht die nächsten großen Wirtschaftsrisiken. © Álex Zea/dpa

Von Hannes Koch

Auf der Liste der größten Risiken, die das Weltwirtschaftsforum von Davos alljährlich herausgibt, waren Pandemien schon lange verzeichnet – allerdings auf unteren Rängen. Doch im Bericht über die globalen Risiken 2021 sind „Infektionskrankheiten“ nun erstmals an die oberste Stelle vorgerückt. „Wir wissen, wie schwierig es ist, mit solchen langfristigen Risiken umzugehen“, sagte Saadia Zahidi, Direktorin des Weltwirtschaftsforums (WEF) am Dienstag, „sie zu ignorieren, macht sie aber nicht weniger wahrscheinlich“. Im Kampf gegen das Coronavirus und künftige Pandemien ruft das WEF deshalb zu einem gemeinsamen Vorgehen auf. Regierungen, Unternehmen und Gesellschaften müssten dringend neue wirtschaftliche und soziale Systeme gestalten, „die unsere kollektive Widerstandsfähigkeit“ verbessern, betonte Zahidi.

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Der Risikobericht des WEF dient jedes Jahr als Stimmungsbarometer der Wirtschafts- und Politikelite. Die Organisation befragt dafür hunderte Vorstände globaler Unternehmen, die internationale Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Traditionell erscheint der Bericht in der Woche vor der Eröffnung des Kongresses im Schweizer Bergort Davos, der dieses Jahr aber nur per Internet stattfindet.

Den Befragten macht nicht nur Sorgen, dass die Corona-Pandemie „Millionen Leben kostet“, sondern sie verschärfe auch die ökonomischen Ungleichheiten und erschwere die Bekämpfung der globalen Armut. Auf der Liste der Risiken mit den größten Schäden steht Covid-19 deshalb an erster Stelle. In einer zweiten Bewertung, die sich auf die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens der Risiken im Jahr 2021 konzentriert, rangiert Corona dagegen nur auf dem vierten Platz. Offenbar meinten die Umfrage-Teilnehmenden mehrheitlich, dass der schlimmste Teil der Pandemie bald überstanden sei und die Welt im Laufe des Jahres mehr und mehr in die normale Spur zurückfinde.

Pandemien werden als bedrohlicher eingeschätzt

Das hohe Risikopotenzial von Krankheiten wie Corona deckt sich mit einer Einschätzung, die die Allianz-Versicherung ebenfalls am Dienstag veröffentlichte. Im neuen Risikobarometer des Unternehmens sind Pandemien im Vergleich zum Vorjahr vom 17. auf den 2. Platz vorgerückt. Das ermittelte der zur Allianz gehörende Industrieversicherer AGCS in seiner alljährlichen Umfrage unter rund 2.800 Expertinnen und Experten.

Der Weltrisikobericht des WEF spiegelt einerseits die reale Lage, andererseits die Intensität der öffentlichen Debatten über bestimmte Probleme. 2020 standen erstmals ökologische Themen auf den fünf Spitzenplätzen der wahrscheinlichsten Risiken. Am gefährlichsten stuften die Befragten damals das Risiko „extremer Wetterereignisse“ ein, dann folgte ein mögliches „Scheitern von Klima-Politik“. Das war unter anderem ein Reflex auf die klimapolitischen Debatten und die entsprechende Protestbewegung Fridays for Future 2019. Dieses Jahr hat das Klima-Thema ebenfalls hohe Priorität. Auf der Liste der größten Schäden 2021 steht das „Versagen von Klimapolitik“ an zweiter Stelle. Unter den wahrscheinlichsten Risiken rangieren Extremwetter, schlechte Klimapolitik und menschengemachte Umweltschäden auf den ersten drei Plätzen – dann folgen Corona und andere Infektionskrankheiten.

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Auch für das WEF startet 2021 schlecht. Image, Wirkung und Einnahmen der Organisation hängen zum guten Teil daran, dass jedes Jahr tausende Konzernvorstände und Regierungsmitglieder aus aller Welt zum Januar-Kongress in das Bergstädtchen Davos pilgern. Ein virtueller Gipfel wie in dieses Jahr kann die Atmosphäre und Informationsdichte im Kongresszentrum von Davos nicht ersetzen. Trotzdem ist das Programm für nächste Woche eindrucksvoll: Unter anderem sind Internet-Reden von Chinas Staatschef Xi Jinping, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Angela Merkel geplant. Mitte Mai soll das Ersatz-WEF als Präsenzveranstaltung in Singapur stattfinden.

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