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Ungerechte Pflege-Prämie?

Ein Teil der Pflegekräfte in Radeberg und Umgebung erhalten den Corona-Bonus, andere gehen leer aus. Sie fühlen sich benachteiligt.

Pflegekräfte arbeiten derzeit oft bis an die Grenze der Belastbarkeit. Als Anerkennung wird die Corona-Prämie gezahlt. Jetzt fühlen sich einige Pfleger benachteiligt.
Pflegekräfte arbeiten derzeit oft bis an die Grenze der Belastbarkeit. Als Anerkennung wird die Corona-Prämie gezahlt. Jetzt fühlen sich einige Pfleger benachteiligt. © Symbolfoto/Kay Nietfeld/dpa

Radeberg. Die Zustimmung war groß, als zunächst Bundesregierung und dann auch der Freistaat eine Extrazahlung für Pflegekräfte auf den Weg brachten. 1.000 Euro vom Bund plus 500 Euro vom Land sollen als Anerkennung für die Arbeit in den Pflegeheimen gezahlt werden. Im Freistaat Sachsen versorgen und betreuen im Bereich der stationären und ambulanten Pflege rund 70.000 Beschäftigte über 200.000 Pflegebedürftige. Inzwischen ist bei einigen die Verärgerung groß. Denn sie gehen trotz aufopferungsvoller Arbeit leer aus.

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So werden die Mitarbeiter des „Hauses am Karswald“ in Arnsdorf keine Prämie erhalten. „Sie leisten hier eine Arbeit, die durch die Corona-Pandemie sehr viel schwieriger geworden ist“, sagt Romy Bröhm. Sie ist die Personalratsvorsitzende in der Einrichtung. 166 geistig behinderte Menschen und psychisch Kranke werden im „Haus am Karswald“ von 134 Mitarbeitern betreut. „Wir arbeiten hier in der Pflege von behinderten Menschen. Durch die Corona-Pandemie hat sich auch unsere Arbeit stark gewandelt. Die Bewohner können nicht wie früher nach draußen und ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Der Pflegeaufwand ist immens gestiegen“, sagt Romy Bröhm. Zumal auch in der Einrichtung drei Abteilungen wegen Corona-Fällen unter Quarantäne gestellt werden mussten. „Völlig unverständlich ist für uns, dass 35 Mitarbeiter einer Station als Pflegekräfte gelten und die Prämie erhalten und der Großteil unserer Einrichtung nicht . Ich möchte, dass gleiche Arbeit auch gleich entlohnt wird. Es geht um eine Wertschätzung der Kollegen hier“, sagt sie.

Laut Landesregierung wurde die Prämie in zwei Tranchen im Juli und jetzt im Dezember ausgezahlt. Profitiert haben davon Pflegekräfte im Alten- und Pflegeheim in Radeberg. „Wir haben den Mitarbeitern sowohl die erste als auch die zweite Tranche überwiesen“, sagt Radebergs Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD). Jedoch haben nicht alle die 1.500 Euro erhalten. „Das hängt davon ab, ob ein Mitarbeiter Teil- oder Vollzeit arbeitet und welche Ausbildung er hat, ob er als Hilfspfleger oder als Pfleger arbeitet.“ Allerdings hat Radeberg die Summe zunächst vorgeschossen. „Wir als Stadt betreiben das Heim. Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter die Prämie bekommen. Jetzt warten wir darauf, dass uns das Geld vom Bund und vom Land wieder vollständig erstattet wird.“

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Auch Krankenhauspersonal ist eine Prämie zugesagt, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. „Voraussetzung ist, dass bis zu einem bestimmten Stichtag eine Mindestanzahl von Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt wurden“, sagt Asklepios-Regionalgeschäftsführer Patrik Hilbrenner. In der Asklepios-ASB Klinik in Radeberg wurde diese Zahl nicht erreicht. „Deshalb kann eine Prämie nicht ausgezahlt werden. Leider sind die Regeln so festgelegt worden. Ich hätte mir gewünscht, dass auch die Kollegen in Radeberg diese Prämie erhalten könnten. Gerade weil sie ja jetzt während der zweiten Welle mit den vielen Corona-Patienten eine herausragende Arbeit leisten.“

Auf einen Corona-Bonus verzichten müssen auch die Beschäftigten des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf. „Es mangelt an einer gesetzlichen oder tariflichen Grundlage“, heißt es aus dem sächsischen Sozialministerium, dem Träger des Krankenhauses. Die Mitarbeiter im Epilepsiezentrum Kleinwachau haben ebenfalls keinen Anspruch auf die Corona-Prämie, obwohl auch hier Mitarbeiter sowie Patienten, Klienten oder Schüler in häusliche Quarantäne mussten. Das Wohnheim „Tobiasmühle“ stand komplett unter Quarantäne. Hunderte Patienten und Mitarbeiter wurden Tests unterzogen. „Für die betreffenden Mitarbeiter ist das eine Mammutaufgabe“, sagt Alexander Nuck, Leiter Unternehmenskommunikation. Das Epilepsiezentrum hat sich deshalb entschlossen, den 560 Mitarbeiterin ein kleines Dankeschön in Form eines Geschenkkorbs zu überreichen. „Da sind unter anderem ein Wertgutschein und Produkte lokaler Hersteller drin. Die Resonanz ist sehr gut.“

Detaillierte Angaben darüber, weshalb nur bestimmte Pflegekräfte die Corona-Prämie bekommen, machte das Sozialministerium Sachsen nicht.

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