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Uniklinik-Chef: "Im Notfall positiv getestetes Personal"

Der medizinische Vorstand des Dresdner Uniklinikums Michael Albrecht warnt vor steigenden Corona-Zahlen. Die Kliniken kämpfen mit Personalengpass.

Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden.
Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden. ©  Archivbild: Christian Juppe

Dresden. Die Coronalage in Dresden spitzt sich zu. Die Zahl der Neuinfektionen steigt und langsam kommen die Krankenhäuser in der Stadt und in Ostsachsen an ihre Grenzen. 

"Wir kämpfen mit zwei Problemen: Die Infektionszahlen steigen weiter kontinuierlich an und das Personal wird durch Quarantänefälle knapp", so der medizinische Vorstand der Uniklinik Dresden Michael Albrecht. Die Lage sei "massiv angespannt." Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu. 

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Wie ist die Situation in Dresden?

Die Uniklinik selbst hat noch freie Kapazitäten für Corona-Patienten. "Wir werden in den kommenden Tage wahrscheinlich noch vier bis fünf Covid-Patienten aus der Region Bautzen aufnehmen", sagt Albrecht. Die Uniklinik ist in einem Verbund-Cluster mit 35 Kliniken aus Dresden, wie dem städtischen Klinikum, und aus der Region Ostsachsen wie Bautzen und Ebersbach. 

Mit Stand Freitagmittag werden an der Uniklinik 34 Patienten auf der Normalstation und 22 auf der Intensivstation behandelt. Auf der Normalstation habe man aktuell 20 Betten in Reserve, auf der Intensivstation 11. Pro Bett brauche man in wechselnden Schichten etwa vier Intensivschwestern, das sei eine mehr als bei anderen Erkrankungen, da die Behandlung und Versorgung mit der kompletten Schutzausrüstung sehr aufwendig sei.

Die Uniklinik hat noch genügend Betten für die Covid-19-Patienten, aber es "hängt am Personal", so Albrecht. Ähnlich gehe es auch Kliniken in Berlin oder Heidelberg. "Sobald Pflegepersonal oder Ärzte in Quarantäne müssen, haben wir einen Engpass", sagt der Klinikchef. Aktuell seien 35 Mitarbeiter aus der Pflege in Quarantäne. 

Generell sei es auch denkbar, um die Versorgung zu gewährleisten, dass auch positiv getestetes Personal die Corona-Patienten versorgt, wenn die Mitarbeiter symptomfrei sind und ihr Okay geben. "Im Notfall ist es zu vertreten, sonst geht uns irgendwann das Personal aus." Es würden aber generell die Mitarbeiter sehr regelmäßig getestet, um sicher zu gehen.

Am Städtischen Klinikum werden aktuell insgesamt 65 Corona-Patienten behandelt, davon 18 auf der Intensivstation, so Sprecherin Viviane Piffczyk am Freitagnachmittag.

Wie lange müssen Patienten intensiv behandelt werden?

Im Durchschnitt gehe er von vier bis sechs Wochen aus, so Albrecht. Es könnten aber auch bis zu drei Monaten werden. Die Behandlung sei daher sehr personalintensiv. Auch weil die Langzeitfolgen sehr schwerwiegend seien können. Diese reichen von Lähmungen bis zu dauerhaften Lungenschäden, so der Mediziner. "Auch bei jungen Patienten mussten wir bereits solche Lungeneinschränkungen diagnostizieren." Die Patienten müssen nach der Behandlung in der Klinik zur Reha etwa nach Kreischa, Pulsnitz oder Bischofswerda. 

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Wie bewertet der Mediziner den aktuellen Lockdown?

Für eine Einschätzung sei es noch zu früh, betont der medizinische Direktor. "Noch sehen wir keinen Effekt von den Einschränkungen", so Albrecht. Seit Anfang November gelten deutschlandweit strengere Regeln, so sind unter anderem Theater, Kinos und Restaurants geschlossen. Er betonte, es sei wichtig, die Regeln zu befolgen, damit die Versorgung der Patienten weiter gewährleistet werden könne in den Kliniken und diese nicht überlastet werden. Er gehe davon aus, dass die Fallzahlen erst ab Mitte Dezember wieder niedriger werden. Sorgenvoll blickt Albrecht gen Weihnachten und Silvester. "Wenn sich an den Feiertagen alle treffen, werden wir Anfang oder Mitte Januar wieder stark steigende Fallzahlen haben." Die Ansteckungsgefahr sei bei solchen größeren Treffen sehr groß. 

Werden noch andere Eingriffe durchgeführt?

Ja, medizinisch dringend notwendige Eingriffe wie Tumor-Operationen werden nach wie vor durchgeführt, versichert Professor Albrecht. Aktuell würden um die 30 bis 35 Prozent aller Eingriffe verschoben. "Wir gucken und planen aber sehr genau, welche OP wir verschieben und welche nicht, das hängt immer von den aktuellen Kapazitäten ab."

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