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Corona: Befürchtete Pleitewelle ist bisher ausgeblieben

Die Zahl der Insolvenzen ist nur geringfügig gestiegen. Bisher mussten kaum Firmen in Bereich Löbau/Zittau pandemiebedingt aufgeben. Kommt das dicke Ende noch?

© Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa (Symbolbild)

Die Zahl der Firmeninsolvenzen im Landkreis Görlitz ist im Vergleich der ersten Halbjahre 2020 und 2021 leicht gestiegen: Laut Statistischem Landesamt mussten zwischen Januar und Juni 19 Unternehmen und damit eines mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres ein entsprechendes Verfahren anmelden. Nach Angaben des Amtes betraf das 13 Einzelunternehmer und sechs Gesellschaften wie zum Beispiel GmbH. Die meisten waren in den Bereichen Handel, Autoreparaturen und verarbeitendes Gewerbe tätig. Zum Vergleich: In den letzten fünf Gesamtjahren schwankte die Zahl der Firmenpleiten zwischen 21 und 44. In den ersten fünf Jahren des neuen Jahrtausends lag sie zwischen 121 und 164.

In ganz Sachsen ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen laut des Amtes im Vergleich der beiden ersten Halbjahre sogar um mehr als 25 Prozent zurück. Die Gründe für die Insolvenzen werden nicht erfasst. Die Halbjahre sind trotz der wegen der Corona-Auswirkungen teilweise ausgesetzten Insolvenzpflicht in etwa vergleichbar: 2020 galt die harte Regelung vom 1. Januar bis 29. Februar, 2021 ab 1. Mai bis 30. Juni, also jeweils zwei Monate.

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Im Bereich Löbau/Zittau haben die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer, die einen Großteil der Firmen vertreten, bisher keine Kenntnis von pandemiebedingten Pleiten. "Mir persönlich ist in unserem Geschäftsbereich niemand bekannt, der wegen Corona oder ausbleibender Staatshilfen Insolvenz anmelden musste", teilte Matthias Schwarzbach, Leiter der auch für das Löbauer Gebiet zuständigen IHK-Geschäftsstelle Zittau, auf SZ-Anfrage mit. Aber: "Ich weiß, dass es den einen oder andren gibt, der die Geschäftsaufgabe durch Corona früher vollzogen hat als ursprünglich geplant." Nicht erklären kann er sich derzeit, warum die Zahl der Insolvenzen von 2021 und 2020 sogar noch unter denen von 2018 und 2019 liegen. Die These, dass bereits angeschlagene Unternehmen durch die Corona-Staatshilfen über Wasser gehalten werden, sei bisher seriös nicht belegbar, so Schwarzbach.

Ähnliches hat die Handwerkskammer beobachtet. "In wenigen Einzelfällen haben Betriebe bereits vermerkt, dass die Corona-Pandemie der Grund für die Gewerbeabmeldung ist", teilte Carolin Hähne, Sprecherin der Handwerkskammer, auf SZ-Anfrage für den Kammerbezirk Dresden mit. "Dabei handelt es sich aber nicht zwingend um eine Insolvenz." Festzustellen sei aktuell ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen. Es unterscheide sich nicht merklich zu dem der Vorjahre.

Prognosen, ob das dicke Ende noch kommt, wagen IHK und HWK nicht. "Prinzipiell gilt: Es ist zu erwarten, dass je länger die Pandemie andauert, umso mehr Betriebe betroffen sein werden – sprich: Es zu Gewerbeabmeldungen kommt", so die HWK-Sprecherin. Aber Unternehmer sind in der Regel Kämpfer. Aufzugeben ist "für viele Betriebe wirklich nur der allerletzte Schritt. Wir beobachten im Kammerbezirk, dass die Handwerksbetriebe mit allen Mitteln versuchen, die Umsatzeinbußen der vergangenen Monate wieder reinzuholen bzw. den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten."

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