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Urlauber aus Kreis Görlitz stecken in Corona-Falle

Wer am Sonnabend in die Herbstferien nach Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt starten will, kann jetzt nur noch hoffen.

Eine Urlaubsreise in den Harz mit Ausflug auf den Brocken könnte schwierig werden für Urlauber aus dem Kreis Görlitz.
Eine Urlaubsreise in den Harz mit Ausflug auf den Brocken könnte schwierig werden für Urlauber aus dem Kreis Görlitz. © dpa-Zentralbild

Noch Ende September warb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für Urlaub in Deutschland. Wer ihm aus dem Landkreis Görlitz folgte, für den könnte es am Sonnabend ein böses Erwachen geben. Und das hat mit Corona zu tun.

Die wichtigste Orientierungszahl für die Pandemie stieg am Donnerstag im Landkreis Görlitz erneut. Die 7-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 38,8 Fällen auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie bis Sonnabendfrüh auf 50 hochschnellt und der Landkreis Risikogebiet wird. Dazu braucht es nur 35 bis 40 neue Fälle bis Sonnabend, unwahrscheinlich ist das nicht: Am Dienstag kamen 32 Neuinfektionen dazu.

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Dann aber ist ein Corona-Negativtest nötig, um beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein oder Sachsen-Anhalt seine gebuchte Unterkunft auch zu beziehen. Nur: Woher bekommt man Sonnabendvormittag einen Test und das Ergebnis gleich dazu. Die Urlauber stecken in der Corona-Falle.

Das zeichnete sich seit Anfang der Woche mit den steigenden Neuinfektionen sowie dem Festhalten am Beherbergungsverbot von einzelnen Ländern ab. Zwar hob Sachsen am Donnerstag dieses Verbot für den Freistaat auf, in Baden-Württemberg und Niedersachsen nahmen Gerichte diesen Schritt der Politik ab.

Doch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gilt das Verbot noch. Wer aus einem Risikogebiet 50 kommt, kann nur im Hotel oder in einer Pension einchecken, wenn er einen negativen Corona-Test vorlegen kann, der nicht älter als 48 Stunden ist. In Mecklenburg-Vorpommern droht dann auch noch eine mindestens fünftägige Quarantäne bis zum zweiten Test. "Wir bitten um Verständnis", erklärt der Schweriner Pressesprecher Andreas Timm, "dass wir diese strengen Regeln für Risikogebiete aufgestellt haben. Sie dienen dem Schutz der einheimischen Bevölkerung, der Beschäftigten in der Tourismuswirtschaft und auch unserer Urlaubsgäste selbst."

Das hilft dem verunsicherten Urlauber aus dem Landkreis Görlitz wenig. Er muss an diesem Freitag für sich entscheiden, ob er mit seiner Familie vorsorglich einen Corona-Test machen möchte, um so in jedem Fall am Sonnabend einen Nachweis zu haben, selbst wenn der Grenzwert doch nicht überschritten wird. 

Prinzipiell ist der Test in den Praxen von Kinder- und Hausärzten möglich. Aber die Kosten dafür müssen die Urlauber selber tragen - denn der Inzidenzwert liegt noch nicht über 50. Erst danach übernehmen die Krankenkassen die Kosten und auch dann nur, wenn der Wert sieben Tage lang über 50-Fällen liegt. So steht es in der neuesten Testverordnung des Bundes, die am Donnerstag in Kraft trat.

Muss man die Kosten selber tragen, macht das mindestens 50 Euro pro Person, es kann aber auch teurer sein. Minimalkosten für eine 4-Personen-Familie: 200 Euro. Der Test nützt aber nichts, wenn das Ergebnis nicht bis Sonnabendfrüh vorliegt.

Die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass verschiedene Zahlen kursieren. Der Landkreis Görlitz gab die Inzidenz am Donnerstag mit 38 an, das Robert-Koch-Institut in Berlin mit 20 - also halb so hoch. Nach welcher Zahl sollen sich die Urlauber nun richten? Der Landkreis sagt, unsere Zahl ist die entscheidende für Einschränkungen im Landkreis Görlitz. Die Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern räumt ein, dass entscheidend die Angaben auf der Internetseite des Landesgesundheitsamtes des nördlichen Bundeslandes sind. Die Zahlen dort beruhen auf den Angaben des RKI. Der Unterschied sei nicht weiter schlimm, da das RKI zeitnah seine Zahlen aktualisiere. 

Das ist aber nicht immer so. Am Dienstag dieser Woche gab das RKI noch einen Grenzwert für den Landkreis Görlitz an, der auf den Daten von Freitag zuvor beruhte. Währenddessen waren im Landkreis schon 40 weitere Neuinfektionen aufgetreten. Sonnabendfrüh könnte es zu der Situation kommen, dass das RKI den Landkreis Görlitz nicht als Risikogebiet einschätzt, die Görlitzer Landkreisverwaltung aber durchaus. Was rät der Sprecher der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern? "In dem Moment, wo klar ist, dass Ihr Kreis Risikogebiet ist, sollte man so oder so nicht mehr ohne frischen Test zu einer Reise nach Mecklenburg-Vorpommern aufbrechen", sagt Andreas Timm. Nur wann ist es klar?

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Die Schweriner Staatskanzlei reagierte auf die Anfragen von sächsische.de und SZ, der Pressesprecher rief sogar in der Görlitzer Redaktion an. Dieselben Fragen waren am Donnerstagmorgen auch an die Staatskanzleien in Magdeburg und Dresden gegangen.  Aus Magdeburg traf bis zum Abend keine Antwort ein. In Sachsen reagierte das Sozialministerium: „Ich bitte Sie um Verständnis: wir können hier keine allgemeingültigen Aussagen treffen. Jeder/Jede ist angehalten, sorgfältig und verantwortungsvoll zu prüfen, ob eine geplante Urlaubsreise angesichts der aktuellen Infektionslage angemessen ist oder nicht.“

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