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Rödertal-Vereinen bleiben Mitglieder weg

Durch den Dauer-Lockdown ist die Zahl der Sportler im Landkreis gesunken. Auch Clubs im Rödertal sind besorgt.

Dietmar Rösler ist Trainer beim Fußballverein TSV Wachau. Schon im vergangenen Jahr musste er wegen Corona den Platz schließen. Jetzt hofft er, dass alle Spieler an Bord bleiben
Dietmar Rösler ist Trainer beim Fußballverein TSV Wachau. Schon im vergangenen Jahr musste er wegen Corona den Platz schließen. Jetzt hofft er, dass alle Spieler an Bord bleiben © Archivfoto: Rene Meinig

Radeberg. Die Idee des Lomnitzer SV eine Volleyballabteilung zu gründen, kam im letzten Sommer bei denjenigen, die sich für diesen Sport begeistern, gut an. Doch als Anfang November ganz Deutschland erneut in den Lockdown geschickt wurde, war „es vorbei mit dem Volleyballspielen“, sagt Markus Klotsche, der Präsident des rund 200 Mitglieder zählenden Sportvereins. Und ob demnächst in seinem Klub wieder gepritscht und gebaggert werden kann, das sei fraglich, so Klotsche weiter.

In den zurückliegenden Monaten bangten in der Region zahlreiche Vereinsvertreter um ihre Klubs, man hörte von zahlreichen Abmeldungen. Beunruhigende Nachrichten waren das. Wer sich bei Lars Bauer erkundigt, erfährt vom Geschäftsführer des Bautzener Kreissportbundes (KSB), dass sich die Pandemie in der Tat auch auf den Breitensport im Landkreis ausgewirkt hat. Bauer: „Wir haben 2020 einen nicht unerheblichen Rückgang von Mitgliedern registriert.“ Ein Minus von vier Prozent. So sei die Zahl der Vereinssportler von 47.328 auf 45.234 gesunken. Besonders betroffen sind die Altersbereiche bis zu sechs Jahren, hier ist es ein Minus von 525 Mitgliedern und von sieben bis 14 Jahren, hier gibt es ein Minus von 300 Mitgliedern zu verzeichnen.

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In der Altersklasse der 27- bis 40-Jährigen registrierte der KSB sogar einen Verlust von 585 Breitensportlern. Die meisten Abgänge gab in den Bereichen Gesundheitssport sowie im Kraft- und Fitnesssport. Bei den traditionellen Sportarten wie Fußball, Handball oder Kegeln stagnierten die Zahlen im landkreisweiten Durchschnitt. Auch dafür hat der KSB-Geschäftsführer eine Erklärung: „Während des Lockdowns haben sich Vereine einiges einfallen lassen, um den Kontakt mit ihren Sportlern aufrecht zu erhalten.“ WhatsApp-Gruppen gegründet, Online-Training angeboten.

Beim 240-Mitglieder-zählenden FV Ottendorf-Okrilla war die Stimmung zuletzt ziemlich am Boden, wie man von Vereinsvertretern erfuhr. Fehlende Perspektiven, nachlassende Motivation, sich individuell fit zu halten, führt Vorstandsmitglied Karl-Heinz Großmann als Gründe auf. Beim TSV Wachau mit seinen fünf Jugendteams hat man derzeit keinen genauen Überblick hinsichtlich der Abmeldungen. Vereinschef Robert Zukowski glaubt aber, dass „es einige geben wird, die wegen Corona aufgehört haben“.

In den vergangenen Monaten der Pandemie war im Zusammenhang mit den Sportvereinen im Lande häufig von „existenzbedrohender Lage“ die Rede gewesen, so jedenfalls wurden die Zustände an der Basis oft beschrieben. Umfragen der Landessportbünde ergaben, dass sich 52,4 Prozent der 90.000 kleineren Sportvereine in Deutschland davor fürchten, im Laufe dieses Jahres in „eine existenzbedrohende Lage“ zu geraten. Weniger weil das Geld fehlt, sondern weil die größten Probleme im Bereich der Mitgliederzahlen erwartet werden.

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So hatte der Landessportbund (LSB) Sachsen jüngst mitgeteilt, dass der Mitgliederschwund 2020 bei rund drei Prozent liege, das sind 20.000 Sporttreibende weniger als Ende 2019. Drei Prozent Abweichung, das klingt erst mal moderat. Allerdings fallen rund 12.000 der Abmeldungen in die Gruppe der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre. Nun schrillen beim LSB die Alarmglocken. Man spricht von einem „verheerenden Bild“, weil sich der Nachwuchs vom Sport abwendet. Aber nicht nur aus diesem Grund fürchten die Vereine weitreichende Folgen.

In vielen Mannschaftssportarten führt bereits der Weggang von zwei, drei Spielern dazu, dass ganze Teams von der Bildfläche verschwinden, weil der Kader plötzlich zu klein ist. Was auch die Verantwortlichen beim FV Arnsdorf beunruhigt. Wer sich mit Jugendleiter Jörg Gruner in diesen Tagen unterhält, erfährt, dass es in den zurückliegenden Monaten nur einige Abmeldungen gegeben habe, wegen Um- oder Fortzug. Gruner weist darauf hin, dass man im Verein mit einer gewissen Anspannung auf den Tag X blickt, an dem der Trainingsbetrieb wieder beginnt. Dann, so der Jugendleiter, „wissen wir, wie es um unseren Klub bestellt ist“. Heißt: Erst dann sehe man, wer weiter Sport treiben wolle, wisse man, welche Teams der Verein nach dem Lockdown wieder für den Wettspielbetrieb anmelden könne.

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