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Werden Bus und Bahn wegen Corona teurer?

Seit Beginn der Pandemie nutzen weniger Leute den öffentlichen Nahverkehr im Kreis Bautzen. Verkehrsbetriebe haben hohe Verluste - und brauchen Hilfe.

Seit Beginn der Corona-Pandemie steigen im Landkreis Bautzen deutlich weniger Fahrgäste in Busse und Bahnen ein.
Seit Beginn der Corona-Pandemie steigen im Landkreis Bautzen deutlich weniger Fahrgäste in Busse und Bahnen ein. © Symbolfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Volle Busse und Bahnen sind die Ausnahme geworden. Viele Pendler arbeiten derzeit im Homeoffice, touristische Reisen sind untersagt, nur wenige Kinder sind zu ihren Schulen unterwegs. Da kommen immense Einnahme-Verluste im öffentlichen Nahverkehr nicht überraschend.

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Diese Verluste werden ausgeglichen – aber nicht durch die Kunden. An den Fahrpreisen im Nahverkehr wird sich zumindest in diesem Jahr nichts ändern, erklären Sprecher der Verkehrsverbünde Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) und Oberelbe (VVO). Verkehrsbetriebe müssten eine Preiserhöhung erst bei den Verbünden beantragen. Dann müssten Verbandsversammlungen von Zvon und VVO darüber entscheiden.

Im Zvon gab es zuletzt im August 2019 neue Fahrpreise, im VVO 2020. "Wir haben für 2021 keinen Antrag seitens der Unternehmen auf Tarifanpassung vorliegen", sagt Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius. Und Christian Schlemper vom VVO ergänzt: "In diesem Jahr gibt es definitiv keine neuen Fahrpreise."

Das Minus geht in die Millionen

Das Corona-Minus für beide Verkehrsverbünde geht in die Millionen. Das geht aus Zahlen hervor, die Zvon und VVO jetzt erstmals vorlegten - für das Jahr 2020. In diesen Zahlen ist nur der halbe zweite Lockdown bis Silvester enthalten. Da aber auch im Januar und in der ersten Februarhälfte sehr viel weniger Fahrgäste in Busse oder Bahnen stiegen, sind Verluste für 2021 schon heute absehbar. "Aktuell haben wir für die derzeitige Lockdown-Phase noch keine konkreten Zahlen", sagt Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius. "Im Busbereich schätzen wir Mindereinnahmen von 20 Prozent, im Bahnbereich von 40 bis 50 Prozent."

Für das vergangene Jahr verbucht der Zvon ein Minus von 3,5 Millionen Euro gegenüber 2019. Damals verkaufte der Verkehrsverbund Fahrkarten für insgesamt 22,8 Millionen Euro, 2020 waren es 19,3 Millionen Euro.

Aber nicht alle Tickets verkaufte der Zvon auch selbst an seinem Tresen im Bautzener Bahnhof. In die Summe fließt auch ein, was Busfahrer und Zugbegleiter an die Frau oder den Mann brachten - so lange es Zvon-Tickets waren. Fahrkarten für Reisen in benachbarte Verkehrsverbünde wie den VVO oder auch für den Fernverkehr sind in dieser Rechnung nicht enthalten. Die Länderbahn zum Beispiel fährt zwischen Dresden und Görlitz oder Zittau durch beide ostsächsische Verkehrsverbünde - und machte dabei im vergangenen Jahr rund fünf Millionen Euro Verlust.

Der VVO verkaufte 2020 für 21,3 Millionen Euro weniger Fahrkarten als 2019. Dagegen erscheinen die 3,5 Millionen Euro Verlust beim Zvon gering - aber im Verkehrsverbund Oberelbe liegt die Landeshauptstadt Dresden mit ihrem dichten Straßenbahn-, Stadtbus- und S-Bahn-Netz.

Bund und Land gleichen entgangene Einnahmen aus

Das größte Minus entfällt auf den Verkauf - besser gesagt: Nichtverkauf - von Einzelfahrscheinen. Allein im Zvon summieren sich die dabei entgangenen Einnahmen auf 2,2 Millionen Euro. Bei Tageskarten gab es einen Verlust von rund 600.000 Euro und bei Monats- und Wochenkarten ein Minus von 1,2 Millionen Euro.

Darüber, wie sich das nun auf die Finanzlage der einzelnen Verkehrsunternehmen auswirkt, ließe sich eigentlich ein Buch schreiben - so kompliziert ist das Procedere. Im VVO agieren zwölf Verkehrsbetriebe, im Zvon-Gebiet zehn. Alle bekommen etwas von den Einnahmen des Fahrkartenverkaufs, aber alle spüren auch die Verluste.

Doch mit diesen Löchern in den Kassen werden die Verkehrsunternehmen nicht allein gelassen. Der Bund und der Freistaat Sachsen spannten 2020 einen Rettungsschirm und glichen die entgangenen Einnahmen aus. Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius bestätigt, dass die "für die Zeit bis August 2020 beantragten Mittel zu 100 Prozent ausgezahlt" wurden. So war es auch beim VVO.

Da ging es um riesige Summen. 2,5 Milliarden Euro stellte der Bund zum Ausgleich von Corona-Verlusten im öffentlichen Nahverkehr bereit. 167 Millionen davon bekam der Freistaat Sachsen, der seinerseits 16 Millionen Euro drauf legte. Wie das Wirtschafts- und Verkehrsministerium in Dresden mitteilt, lagen aus ganz Sachsen 68 Anträge auf Ausgleichszahlungen vor - und alle wurden zu 100 Prozent bewilligt.

Hoffnung auf zweiten Rettungsschirm

Allerdings nur für die Zeit bis August 2020. Für den zweiten Lockdown "bemühen sich die Unternehmen und Verbünde sowie die kommunalen Aufgabenträger um einen neuen Rettungsschirm, aber es gibt noch keine konkrete neue Regelung", sagt die Zvon-Sprecherin.

Die Geschäftsführerin des größten regionalen Busunternehmens ist aber optimistisch, dass der zweite Rettungsschirm kommt. Denn beim ersten Mal habe das gut funktioniert, sagt Andrea Radtke, Chefin der Regionalbus Oberlausitz GmbH mit Sitz in Bautzen.

Konkrete Zahlen nennt sie nicht. Aber die Regiobus-Chefin, die sonst auch schon mal kritische Worte in Richtung Politik äußert, ist zufrieden mit der Regelung. "Ich kann der Regierung nur danken, dass die Verkehrsunternehmen so eine gute Unterstützung in der Corona-Krise bekommen haben." Entgangene Einnahmen durch den Nichtverkauf von Fahrkarten seien "so weit wie möglich" ausgeglichen worden. "Das war ein Riesenbatzen Geld. Ich kenne kein anderes Land, das den öffentlichen Nahverkehr so unterstützt."

Der Beitrag wurde am 19. Februar um 10.55 Uhr aktualisiert.

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