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Corona: Verkehrsbetriebe fahren Verlust ein

Die Schließung von Geschäften und Schulen kostet den Verkehrsverbund Oberelbe etliche Millionen. Für Fahrgäste ändert das nichts - vorerst.

Die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen liegt weit unter dem Plan.
Die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen liegt weit unter dem Plan. © Norbert Millauer

Volle Busse oder Bahnen sind die Ausnahme geworden. Viele Pendler arbeiten im Homeoffice, touristische Reisen sind untersagt und lediglich Schüler der Abschlussklassen oder zur Notbetreuung sind regelmäßig zur Schule unterwegs. Dass es immense Einnahmeverluste bei den Verkehrsbetrieben gibt, war absehbar.

Doch jetzt ist erstmals bekannt geworden, wie hoch die Ausfälle tatsächlich sind. In einer ersten Bilanz hat der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) ermittelt, dass die Einnahmen im VVO-Tarif 2020 um 21,3 Millionen Euro unter denen des Vorjahres liegen. Hinzu kommen weitere Einnahmeausfälle für Bahnstrecken, die das VVO-Gebiet verlassen, der Verkehrsverbund aber anteilig am Fahrkartenverkauf profitiert. Das sind beispielsweise Strecken wie Dresden – Leipzig oder Dresden – Görlitz.

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Rechnet man diese Verluste noch hinzu, betragen die Einnahmeausfälle aller zwölf im VVO agierenden Verkehrsunternehmen für das vergangene Jahr etwa 28 Millionen Euro, teilt der Verbund auf Nachfrage mit.

Regionalverkehr hat realistisch geplant

Für den Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) bedeutet das im Ergebnis Mindereinnahmen von rund zwei Millionen Euro. Das kreiseigene Unternehmen ist mit rund neun Prozent an den Einnahmen im VVO-Tarif beteiligt. Die Verluste können sich noch erhöhen, wenn vom Landkreis beschlossene Erstattungen hinzugerechnet werden.

Trotzdem dürfte man im Landratsamt erleichtert über die Nachricht sein. Denn gerechnet hatte man mit einem Jahresverlust von 3,5 Millionen Euro. Zu den zwei Millionen Euro aus dem VVO-Tarif kommen zwar noch die Mindereinnahmen vom Ticketverkauf der Fähren oder der Kirnitzschtalbahn hinzu, die schlimmsten Befürchtungen sind aber nicht eingetreten.

Dafür hat auch der gute Sommer gesorgt. Die Sächsische Schweiz verzeichnete Rekordzahlen bei Übernachtungen. Allerdings fließen die meisten Mehreinnahmen in den Gesamt-Topf des VVO und der RVSOE profitiert nur mit besagten neun Prozent daran.

© SZ/VVO

Größte Ausfälle im Dezember

Besonders extrem machen sich die Ausfälle im Dezember bemerkbar. Der Monat bringt traditionell die meisten Einnahmen. Weihnachtseinkäufe, der Besuch von Weihnachtsmärkten und Tourismus sorgen normalerweise für steigende Fahrgeldeinnahmen. Das fiel dieses Jahr alles fast komplett aus.

Geplant hatte der VVO allein für Dezember Einnahmen von mehr als 18 Millionen Euro. Das war ein ehrgeiziges Ziel. Immerhin wäre das eine Steigerung zu 2019 von einer glatten Million Euro gewesen. Es konnten aber nicht mal zwölf Millionen Euro erreicht werden. Fast ein Viertel des gesamten Jahresverlustes wurde demnach im Dezember 2020 eingefahren.

Liquidität des Regionalverkehrs ist gesichert

Aufgrund der riesigen Finanzhilfen werden Insolvenzen für Verkehrsunternehmen aber erst mal abgewendet. Bund und Länder hatten fünf Milliarden Euro für Einnahmeausfälle bereitgestellt. Nach ersten Erkenntnissen werden für 2020 etwa 3,5 Milliarden gebraucht. In dieser Höhe ist allerdings noch nicht das Geld geflossen. "Teilweise hat es aber schon Auszahlungen gegeben", heißt es vom VVO.

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hatte schon mal vorsorglich einen Zuschuss von zwei Millionen Euro dem RVSOE zugebilligt, als Liquiditätshilfe, damit Gehälter und Rechnungen bezahlt werden können.

Wie das Nahverkehrsangebot 2021 aufrechterhalten werden kann, muss nun diskutiert werden. Wie sich die Corona-Lage entwickelt, ist schwer abzusehen. Wofür die übrig gebliebenen 1,5 Milliarden aus Steuergeldern von Bund und Ländern reichen, muss noch geprüft werden.

Mitfahrt nur mit medizinischen Masken

Am Angebot des VVO wird trotz der Einnahmeverluste vorerst nichts reduziert. Das Einzige, was sich für Fahrgäste ändert: Seit Donnerstag muss im öffentlichen Nahverkehr eine medizinische Schutzmaske getragen werden, alltägliche Stoffmasken reichen nicht mehr. Bekanntlich schützen sie nicht vor Aerosolen.

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Die weitere Strategie des VVO kann nur die Verbandsversammlung entscheiden. In der sind die beteiligten Kommunen der Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie Meißen, der Stadt Dresden und der westliche Teil des Landkreises Bautzen vertreten. Regulär ist die nächste Versammlung Ende Juni vorgesehen. Da dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach zuvor noch eine Sondersitzung nötig werden.

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