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Viel Aufwand für einen kleinen Pieks

Die Hausarztpraxen haben mit den Corona-Impfungen begonnen. Die Bürokratie dahinter ist groß.

Dr. Elke Marcks, die eigentlich schon ihren Ruhestand genießt, unterstützt Allgemeinmediziner Ernst Schneider in seiner Praxis in Waldheim bei den Corona-Impfungen.
Dr. Elke Marcks, die eigentlich schon ihren Ruhestand genießt, unterstützt Allgemeinmediziner Ernst Schneider in seiner Praxis in Waldheim bei den Corona-Impfungen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Als sie sich am Telefon meldet, klingt Kathrin Schneider etwas abgehetzt. Und sie möchte die Leitung auch möglichst schnell wieder freigeben. Denn die „glüht“ regelrecht. So wie in der Praxis von Ernst Schneider in Waldheim ist die Situation derzeit in vielen Hausarztpraxen. Unzählige Patienten wollen einen Termin für die Impfung gegen das Coronavirus.

Bei Ernst Schneider ist die Liste der Impfwilligen auf Anhieb etwas länger als in anderen Praxen. Denn dem Waldheimer Allgemeinmediziner stehen in der ersten Woche 90 und nicht nur 18 Impfdosen zur Verfügung.

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Aber wie kommt es zu diesem Unterschied? „Einige Hausarztpraxen haben Urlaub und keinen Impfstoff angefordert. Deshalb konnten wir aufstocken. Wir sind da offensiv rangegangen“, erklärt Kathrin Schneider.

Seit Dienstag klingelt sich das Telefon in der Praxis „heiß“. Sehr viele Patienten haben sich bereits registrieren lassen. Und die Nachfrage reißt nicht ab. „Wir erweitern die Liste ständig“, so Kathrin Schneider.

Sondersprechstunden für das Impfen

Für das Impfen werden Sondersprechstunden an den eigentlich freien Nachmittagen eingerichtet. Probeweise werden aller 15 Minuten drei Patienten bestellt. Das Team müsse erst einmal ausprobieren, ob das funktioniert.

Denn nicht nur die Vorbereitung des Impfstoffs ist aufwendiger als bei einer Grippeschutzimpfung. Vor dem entscheidenden Pieks muss eine Aufklärung erfolgen und sich die Patienten danach noch 15 Minuten ausruhen.

Den Impf-Marathon muss Ernst Schneider nicht alleine bewältigen. Er bekommt Unterstützung von Dr. Elke Marcks. Sie befindet sich eigentlich schon im Ruhestand. „Sie hat aber schon vor längerer Zeit angeboten, die Impfsprechstunden mit abzuhalten“, so Kathrin Schneider.

Impfstoff nur begrenzt haltbar

Während in Waldheim bereits am Mittwoch einige Patienten eine Impfung erhielten, werden in der Döbelner Praxis von Dr. Rosemarie Wockenfuß am Donnerstag die ersten Impfdosen aufgezogen. Insgesamt 18 stehen zur Verfügung.

Auch bei der Allgemeinmedizinerin steht das Telefon nicht still. „Bei denen, die wir auf die Liste setzen, halten wir uns an die Prioritäten“, sagt die Ärztin. Gleichzeitig entsteht eine Reserveliste, auf die die Praxis zurückgreift, wenn ein Patient ausfällt, damit kein schon angebrochener Impfstoff weggeworfen werden muss.

Denn nach dem Auftauen, also der Lieferung an die Arztpraxen, ist der Impfstoff von Biontech nur noch 120 Stunden haltbar. „Wenn er dann auf die Spritze aufgezogen ist und gekühlt wird, muss er innerhalb von sechs Stunden verimpft werden, ungekühlt innerhalb von zwei Stunden“, erklärt Rosemarie Wockenfuß.

Formulare auf Döbelner Internetseite

Letzteres treffe zum Beispiel zu, wenn die Impfung während eines Hausbesuches erfolgen soll. Auch in der Döbelner Praxis wird außerhalb der regulären Sprechzeit geimpft. „Wir versuchen, die Termine an einem Tag zusammenzufassen, damit es weder ein Öffnungs- noch ein Lagerproblem gibt“, meint Rosemarie Wockenfuß.

Insgesamt sei das Impfen sehr verwaltungslastig meint sie. Die Patienten müssen vor dem Impfen ein Aufklärungsblatt, eine Einwilligungserklärung und einen Anamnesebogen ausfüllen. Das sei zeitaufwendig. Deshalb wäre es günstig, wenn die Impfwilligen das Ausfüllen bereits im Vorfeld Zuhause erledigen würden.

Die Stadt Döbeln bietet dafür die Formulare zum Ausdrucken auf ihrer Internetseite an. Es sei das Ziel, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu impfen. „Dafür sollte man die bürokratischen Hürden nicht so hoch setzen“, sagt Rosemarie Wockenfuß.

Viel Papierkram für die Praxen

Auch dem Arzt steht nach dem Impfen noch einiger Papierkram bevor. Bis spätestens um 23.59 Uhr des Impftages muss er für jeden Patienten aus einer Liste Nummern heraussuchen, hinter denen sich zum Beispiel das Alter, das Geschlecht und der Beruf verbergen, und diese Daten verschlüsselt an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) senden, erklärt Diana Fischer, Mitarbeiterin in der Praxis von Ulf-Dietrich Fischer in Leisnig.

Den Aufwand mit den Anamnesebögen werde sich die Praxis sparen. Denn niemand kenne den Gesundheitszustand der Patienten so gut wie der Hausarzt.

Ulf-Dietrich Fischer hatte versucht, ein kleines Impfzentrum in Leisnig zu etablieren, um den Impfwilligen den Weg nach Mittweida zu ersparen. Doch das sei abgelehnt worden. Am 14. April übernimmt er nun die Impfungen im Impfbus, der dann in Leisnig hält.

Impfdosen müssen jede Woche neu bestellt werden

Am Mittwoch hat er bereits die ersten zwölf Impfdosen Patienten bei einem Hausbesuch verabreicht. Insgesamt 24 Dosen hat die Praxis erhalten. „50 hatten wir beantragt“, so Diana Fischer. Und dieser Antrag müsse jede Woche an einem bestimmten Tag bis zu einer bestimmten Zeit neu gestellt werden.

In dieser und der kommenden Woche habe das Impfen der Personen Vorrang, die der Arzt regelmäßig Zuhause besucht. Je nachdem, wie viel Impfstoff in der kommenden Woche zur Verfügung steht, werde dann auch das Impfen in der Praxis beginnen – ebenfalls außerhalb der regulären Sprechzeiten.

„Es ist ein großer Mehraufwand, der sich hoffentlich lohnt“, so Diana Fischer. Dabei sollte die Politik aber beachten, dass die Ärzte ihre normalen Sprechstunden halten, Hausbesuche machen und zudem die Impfsprechstunden anbieten. Der bürokratische Aufwand dafür sollte sich in Grenzen halten.

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