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Schafe vor der Kamera

Der Wachauer Schaf-Woll-Lenz wird in diesem Jahr anders als gewohnt stattfinden. Die Schur wird ins Netz gestellt.

Daniel Hammer bereitet das Frühlingsfest des Wachauer Vereins Wunder Land vor. Wegen der Corona-Beschränkungen findet es in diesem Jahr nur virtuell statt. Ein Höhepunkt ist die Aufzeichnung der Schafschur.
Daniel Hammer bereitet das Frühlingsfest des Wachauer Vereins Wunder Land vor. Wegen der Corona-Beschränkungen findet es in diesem Jahr nur virtuell statt. Ein Höhepunkt ist die Aufzeichnung der Schafschur. © René Meinig

Wachau. Es gibt Künste, die ihre volle Wirkung nur live entfalten. Wenn sie in diesen Corona-Zeiten „konserviert“ vorgeführt werden, etwa per Video oder Live-Stream, spürt man mitunter schmerzlich, wie sehr man die Realität vermisst, dieses hautnahe Dabei-sein-Können.

Womit wir bei der Schafschur wären, die eine Kunst ist, wenn auch eine handwerkliche. Diese stand in den vergangenen Jahren beim Schaf-Woll-Lenz des Wachauer Wunder-Land-Vereines, neben dem ebenfalls beliebten Schafrennen, im Mittelpunkt des Festes.

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Die sechste Ausgabe dieses Events hatte der Verein eigentlich für diesen Samstag geplant. Da wollte man an der Museumsscheune in Kunaths Hof wieder feiern, mit Publikum versteht sich. Was aber derzeit nicht möglich ist. Das bedauert man nicht nur beim Wunder-Land-Verein. Denn diese als Frühlingsfest deklarierte Veranstaltung, bei der Kultur- und Brauchtumspflege eng miteinander verbunden sind, war in den vergangenen Jahren mit bis zu 500 Besuchern gut besucht.

Virtueller Rundgang durch die Museumsscheune

Weil das Fest bereits 2020 wegen Corona ausgefallen war, wollten die Organisatoren in diesem Jahr wenigstens eine abgespeckte Version durchführen. Zum einen, weil die Tiere ohnedies geschoren werden müssen, zum anderen, um zu zeigen, „dass wir in diesen kontaktarmen Zeiten noch da sind“, so Vorstandsmitglied Daniel Hammer.

Um das nach außen zu dokumentieren, hatte der Verein in den vergangenen Monaten intensiv an der Gestaltung eines virtuellen Museumsscheunen-Rundgangs gearbeitet, inklusive zahlreicher Infos zu den historischen Ausstellungsstücken. „Wir hoffen, dass wir mit den Bildern und Videosequenzen das Interesse an unserem Verein wecken können“, so Hammer, der im Verein auch für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist.

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Fast drei Monate arbeiteten die Wunder-Land-Macher an dem Online-Projekt, das nach Einschätzung von Hammer auch „eine virtuelle Show“ ist. Die jedoch noch nicht ganz fertig ist. Es fehlen noch Bilder, Videos. Eigentlich wollte der Verein das samstägliche Schafscheren in voller Länge im Live-Stream zeigen. Man sei aber davon abgewichen, so Hammer weiter. Das sei zu zeitintensiv.

Für die zehn Altschafe – jedes Tier wird um rund 15 Kilogramm Wolle erleichtert – dürften die Scherer, unter ihnen Vereinschef Steffen Jakob und die Weißiger Tierärztin Teresa Benzner, je Tier sicher mindestens eine Viertelstunde benötigen, schätzt Hammer. Worüber professionelle Schafscherer wohl nur müde lächeln werden. Der Weltrekord beim Schafscheren liegt bei 35 Sekunden für ein Schaf, aufgestellt von einem Neuseeländer.

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Aber auf Schnelligkeit komme es ja nicht an, erklärt Hammer. „Uns geht es darum, zu zeigen, wie dieses Handwerk ausgeübt wird“. In der Vergangenheit durften da auch schon mal Besucher zur Schafschere greifen. Hammer, der sich mit seiner Frau um die Schafe des Vereines kümmert, wird am Samstag also einiges zu filmen haben.

Der mehrminütige Videoclip soll dann in den virtuellen Museumsscheunen-Rundgang integriert werden. 108 Mitglieder hat der Wachauer Wunder-Land-Verein derzeit, dessen Ziel und Anliegen es ist, Kindern und Jugendlichen und natürlich auch den Erwachsenen des Vereines die Natur, das Landleben nahezubringen.

30 Pferde, drei Ziegen, fünf Esel, drei Kühe, vier Schweine besitzt der Verein. Und ein Dutzend Schafe. Die einmal im Jahr, bei der Schaf-Woll-Lenz, im Blickpunkt der Besucher stehen. Was mit den rund 150 Kilogramm Wolle passiert, um die die Tiere erleichtert werden, weiß Daniel Hammer auch schon. „Wir haben im Verein eine Abteilung, da kümmern sich die Mitglieder um die Wolle, machen daraus Fäustlinge oder Socken.“

Man darf gespannt sein, was Daniel Hammer alles von der abgespeckten Ausgabe des diesjährigen 6. Wachauer Schaf-Woll-Lenzes filmen wird. Und wie das für die Schafe werden wird, wenn sie fast ihr gesamtes Wollkleid verlieren und (fast) niemand zuschaut.

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