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Döbeln

"Es ist nun Zeit zum Geben"

François Maher Presley pflegt Kontakte weltweit. Er sorgt sich um Freunde, in deren Ländern das Gesundheitssystem krankt. Ein Gastbeitrag.

François Maher Presley ruft zum Corona-Impfen auf und fordert Solidarität mit anderen Ländern.
François Maher Presley ruft zum Corona-Impfen auf und fordert Solidarität mit anderen Ländern. © privat

Von François Maher Presley (geboren 1961 in Kuwait-Stadt, ist ein deutscher Autor syrischer Herkunft, Essayist, Fotograf, Kurator, Kunstkritiker, Kosmopolit und Philanthrop)

Christian schrieb mir aus Kuba. „Heute war ich von der Situation hier wirklich übersättigt. Ich versuchte, einer Freundin von mir zu helfen, Medikamente für ihre Mutter zu bekommen.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Die Freundin und ihre Schwester sind völlig aufgelöst. Ihre Mutter und ihr Mann haben Covid-Symptome. Sie gingen ins Krankenhaus, und es wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert. Es kann Covid sein, aber es gibt nichts, um es zu bewerten. Es gibt also keine Tests, es gibt keine Medikamente.

Alles ist schrecklich. Man kann vermuten, Medikamente wenigsten auf dem Schwarzmarkt zu exorbitanten Preisen zu finden. Kaum vorstellbar, aber auch da nichts. Es gibt nicht einmal ein Kopfschmerzmittel. Ich habe Angst, dass ich oder meine Familie nicht nur mit dem Coronavirus, sondern mit jeder Krankheit infiziert werden könnte, da die Wahrscheinlichkeit zu sterben aufgrund des Fehlens an Medikamenten oder Pflege hoch ist.“

Hohe Lebenserwartung in Deutschland

Im 18. Jahrhundert lag die Lebenserwartung weltweit im Schnitt bei 29 Jahren. Anfang der 1930er Jahre machte sie in Deutschland einen Sprung auf über 60. Heute liegt sie im Schnitt bei 78 (Männer) bis 83 (Frauen) Jahren. Einige Meilensteine, die dazu beigetragen haben, waren Impfstoffe gegen Tuberkulose, Diphtherie, Tetanus, Cholera, Hepatitis-A oder Tollwut.

Der medizinische Fortschritt des 21. Jahrhunderts stellt alles Vorhergehende in den Schatten. So ermöglichen Impfstoffe unsere Reisen in viele Länder der Welt. Krankheiten, die früher zum Tode geführt hätten, sind aus unserem Bewusstsein verschwunden. Medizintechnik, Medikamente, Impfstoffe machen das möglich.

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Man kann diese Entwicklung natürlich hinterfragen. Man kann auch Glauben gegen Wissen stellen und Verantwortung an andere verschieben. Unser System ermöglicht es jedem, seine Meinung zu vertreten und zu verbreiten. Dieses Recht ist unabhängig von ihrer Richtigkeit oder eigenen und belastbaren Kenntnissen. Im Ergebnis jedoch partizipieren wir alle von den wissenschaftlichen Möglichkeiten.

Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen

Wie wäre unsere gelebte Freiheit in dieser sehr individuellen Form sonst überhaupt möglich? Ihre Inanspruchnahme halten wir richtigerweise auch für unser Grundrecht.

Es ist jedoch an der Zeit, sich in diese Entwicklung einzubringen, für sich und für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen. Eine Gemeinschaft, die nicht allein aus „ich“, sondern aus „ich und du“ besteht.

Es ist nun und nach den endlosen Diskussionsrunden Zeit, Verantwortung in jener Gesellschaft mitzutragen, deren Sozialsysteme bereitstehen, jeden zu stützen. Ob bei Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Krankheit, im Alter oder bei Behinderungen.

Eine Gesellschaft, die unseren Kindern einen Kita-Platz, eine kostenlose Schulausbildung und gegebenenfalls ein ebenso kostenloses Studium gewährt. Eine Gesellschaft, deren Gesundheitssystem vielen schmerzfreies Leben und gar Überleben ermöglicht und grauenhafte Umstände erspart.

Masken, Tests und Medikamente fehlen

Zustände, wie in Indien, wo massenhaft an oder mit Corona Verstorbene in den Ganges geworfen oder auf Straßen verbrannt wurden. Wie in afrikanischen Ländern, in denen Menschen aus räumlichen oder finanziellen Gründen medizinische Versorgung nicht in Anspruch nehmen können.

Oder auf Kuba, da wo Christian mit seiner Familie lebt, wo es nicht einmal mehr Masken, Tests oder Medikamente gibt, egal, von welcher Krankheit die Menschen betroffen sind. Die dortigen Machthaber rufen gar Touristen auf, Medikamente für die Bevölkerung mitzubringen und schaffen für einen bestimmten Zeitraum Einfuhrzölle ab.

Handeln statt reden

Weltweit sind bisher etwa 4,5 Millionen Menschen an oder mit Corona gestorben. Diese offizielle Zahl verschweigt die hohe Dunkelziffer. In vielen Ländern wird oder kann nicht gezählt werden. Die Zahlen steigen täglich.

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Wir reden und weisen Angebote zurück. Wir müssen endlich aufhören zu reden! Handeln! Nicht immer nur nehmen. Auch geben. Denken wir daran, dass wir unsere Rechte nicht gegen das Wohlergehen anderer Menschen durchsetzen. Solidarität ist gegenseitig. Impfen wir uns und helfen in anderen Ländern.

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