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Wie Restaurants in Dresden ganz öffnen wollen

In Sachsen sind mehrere Corona-Modellprojekte zugelassen worden. Auch Dresdner Gastronomen planen Öffnungen. Weshalb es dabei noch klemmt.

Mit einem Modellversuch wollen Dresdner Gastronomen bald auch drinnen öffnen.
Mit einem Modellversuch wollen Dresdner Gastronomen bald auch drinnen öffnen. ©  Archiv/dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Nach mehreren Monaten Schließung können Dresdner Wirte seit vergangenem Mittwoch ihre Gäste zumindest draußen wieder bedienen. Doch angesichts des aktuellen wechselhaften Wetters zieht es diese wohl eher nach drinnen.

In Dresden soll das zumindest zum Teil bald wieder möglich sein. Ein Corona-Modellprojekt steht in den Startlöchern. Unter bestimmten Bedingungen sollen in einem zentralen Bereich in der Innenstadt Restaurants und auch Kultureinrichtungen sehr bald öffnen. Und es gibt weitere Ideen. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

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Wie ist die aktuelle Situation?

"Modellprojekte sind im Amt für Gesundheit und Prävention der Landeshauptstadt Dresden zu beantragen", erklärt Rathaussprecherin Barbara Knifka. Die Stadt hat das Einvernehmen mit der Fachkommission Modellprojekte des Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus und dem Sächsischen Datenschutzbeauftragten herzustellen.

Die Wirtschaftsförderung arbeitet an einem Modellprojekt mit: Dieses nennt sich "Be.Safe Dresden". Dafür konnte bereits das Einvernehmen mit der Fachkommission Modellprojekte erzielt werden.

"Weitere verschiedene Ideen für Modellprojekte liegen mit unterschiedlichem Bearbeitungsstand vor", so Knifka "Häufig scheitert es an der notwendigen wissenschaftlichen Begleitung, die für eine finale Beantragung nötig wäre." Aktuell sei ein weiteres Modellprojekt zu Chorgesang und Chorarbeit in der engeren Abstimmung. Details können aber laut Stadt noch nicht genannt werden.

Was steckt hinter "Be.Safe"?

Eigentlich ist es der Name eines Chemnitzer Start-up-Unternehmens, das auch Schnelltestzentren wie im Kurländer Palais oder im Elbepark betreibt. Auf Basis dieser Tests und einer speziellen Web-App zur Nachverfolgung sind auch Modellprojekte geplant.

In Dresden kümmert sich Promikoch Gerd Kastenmeier mit um das Modellprojekt und koordiniert unter anderem die potenziellen Teilnehmer. "Wir wollen in einem kleinen Bereich rund um die Frauenkirche beginnen", so Kastenmeier. Wichtig, um als Modellprojekt anerkannt zu werden, ist die wissenschaftliche Begleitung.

Die Öffnung nur für die Außenbereiche bringe Kastenmeier, der sein Sushi-Restaurant im Taschenbergpalais betreibt, nichts. "Unsere Gäste wollen drei Stunden sitzen, sich schick anziehen und einen guten Wein in Ruhe trinken." Deshalb und wegen des Wetters die Idee, drinnen zumindest probeweise zu öffnen.

Wer könnte bald öffnen?

Neben dem Kastenmeiers im Taschengergpalais sind es die Restaurants Hofbräu zur Frauenkirche, Gewandhaus, Burgerei, Freiberger Schankhaus, Bodega Madrid, Hans im Glück, Classico Italiano, Tamakuchi, Paulaner, Steak Royal und Vapiano - alle rund um den Dresdner Neumarkt und die Frauenkirche.

Laut Stadt dürfen in der ersten Phase zunächst maximal 20 gastronomische Einrichtungen zusätzlich im Innenbereich im Gebiet Frauenkirche bis Zwinger für zwei Wochen öffnen. In der anschließenden Phase zwei können bis zu 40 gastronomische Einrichtungen im Innenbereich und Einzelhandel öffnen, dann allerdings bis zur Hauptstraße am Goldenen Reiter. Diese Phase ist für vier Wochen vorgesehen.

Laut Kastenmeier sei das Prinzip später auch für Hotelöffnungen denkbar und in ganz Dresden anwendbar, wenn es funktioniert.

Welches Schutz-System ist geplant?

Das Projekt basiert auf den Tests und der Web-App der Firma "Be.Safe". Die Vorteile seien: schnelle Anzeige der Testergebnisse und keine separate App nötigt, denn die Web-App funktioniert im Browser von Smartphones. Man muss also nichts runterladen und Besucher können sich darüber ein- und ausloggen. So ist es jederzeit nachzuverfolgen, wer tatsächlich in welchem Restaurant oder in welcher Kultureinrichtung war.

Alle Mitarbeiter und Gäste müssen sich verpflichten, parallel sowohl PCR- als auch Schnelltests auf das Coronavirus zu machen. "Dadurch wird gleichzeitig die Zuverlässigkeit der Tests verglichen", erklärt Kastenmeier. Mitarbeiter der Einrichtungen müssen sich täglich testen lassen. Es kommen auch nur negativ getestete Kunden, die eine Buchung vorlegen können, in die Restaurants.

Das Projekt soll von der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich begleitet und damit permanent überwacht werden. Nur wenn es sicher bleibe, werde es fortgesetzt.

Was soll es bringen, und was ist das Problem?

"Für das Modellprojekt liegt noch kein Einvernehmen mit dem Sächsischen Datenschutzbeauftragten vor", erklärt Rathaussprecherin Knifka. Erst wenn dieses vorliegt, kann es durch das Gesundheitsamt genehmigt werden.

"Modellprojekte unter wissenschaftlicher Begleitung dienen der Erprobung von Öffnungsszenarien von eigentlich geschlossenen Einrichtungen und sollen Grundlage für spätere kontrollierte und gezielte Lockerung schaffen", erklärt Knifka. Denn nach aktueller Corona-Schutzverordnung ist es noch verboten, Restaurants innen zu öffnen oder Läden - außer die des täglichen Bedarfs - ohne vorherigen Termin zu besuchen.

Durch die wissenschaftliche Begleitung soll untersucht werden, ob und in welcher Branche Besucher und Mitarbeiter verstärkt einer Corona-Ansteckung ausgesetzt sind. Das wird durch die PCR-Testung der Mitarbeiter und Besucher festgestellt, zusätzlich zum Schnelltest.

In Leipzig, Freiberg, Oberwiesenthal und Augustusburg hat der Sächsische Datenschutzbeauftragte solche Modellversuche bereits zugelassen. "Bei uns werden immer neue Anforderungen gestellt, wir müssen nun noch nachweisen, dass der Server, auf dem die Daten gespeichert werden, in Deutschland steht." Dann hoffe er schnell auf die Genehmigung.

Wann öffnen die ersten Restaurants?

Die Gaststätten für Phase eins seien bereit, sagt Kastenmeier. Das Personal warte auf den Startschuss. "Wir hätten schon vor drei Wochen öffnen wollen".

Sobald es die Genehmigung für das Modellprojekt gibt, gehe es los. "Dann benötigen wir zwei bis drei Tage", so Kastenmeier. "Wir müssen alles vorbereiten, vorkochen, Saucen ansetzen und so weiter. Alle stehen in den Startlöchern."

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