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Wann Schnelltests auch für Geimpfte sinnvoll sind

Eine Corona-Impfung schützt gut vor schweren Verläufen, aber nicht immer vor Ansteckung. Ein Blick auf Situationen, wo das Testen weiterhin wichtig ist.

Die Mitarbeiterin eines Testzentrums hält einen Teststab für einen Schnelltest auf das Coronavirus in ihren Händen.
Die Mitarbeiterin eines Testzentrums hält einen Teststab für einen Schnelltest auf das Coronavirus in ihren Händen. © Moritz Frankenberg/dpa

Von Thomas Sabin

In wenigen Tagen ist es soweit: Wer nicht gegen das Coronavirus geimpft oder genesen ist, muss einen negativen Schnelltest vorweisen, um zum Beispiel ins Restaurant gehen zu können oder sich die Haare schneiden zu lassen. Etwa acht Wochen später werden die Schnelltests kostenpflichtig.

Wer also geimpft ist, wird sich ziemlich frei bewegen können. Und trotzdem gibt es noch Situationen, in denen Tests für Geimpfte sinnvoll sein könnten. Denn in seltenen Fällen können Menschen das Virus verbreiten, auch wenn sie vollständig geimpft sind. Infektiologe Clemens Wendtner sagte dem Tagesspiegel: „Geimpfte können das Virus übertragen, werden jedoch selbst nicht oder kaum krank. Infizieren sie jemand Ungeimpften, besteht für diese Person wiederum das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs.“

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Im Gesundheitssystem ist eine Testpflicht deshalb auch für Geimpfte sinnvoll, erklärt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). „Krankenhäuser sind besonders sensible Bereiche, denn Patienten gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen“, so die DKG. „Dies gilt vor allem, weil es auch Patienten gibt, die nicht geimpft werden können.“

Laut DKG sehe die Nationale Teststrategie vor, dass Patienten im Krankenhaus (vorrangig durch PCR-Tests) getestet werden müssen. Dies betreffe auch geimpft Personen. „Wir müssen immer bedenken, dass auch eine geimpfte Person infiziert sein kann und wir im Bereich Krankenhaus besondere Vorsicht walten lassen müssen. Diese Tests fallen auch nicht in den Bereich der selbst zu zahlenden Tests“, so die DKG.

Auch in einem Papier des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit dem Titel „Vorbereitung auf den Herbst und Winter“ wird für die ambulante und stationäre Versorgung, also bei Ärzten oder in Krankenhäusern, die Vorbereitung einer Teststrategie empfohlen.

Außerdem könne es insbesondere an Orten wie Pflegeheimen, wo vulnerable Menschen zusammenleben, wegen abnehmendem Impfschutz zu Impfdurchbrüchen und schweren Corona-Ausbrüchen kommen, heißt es weiter.

Neben einer Stärkung der Personalressourcen empfiehlt das RKI deshalb für den Bereich der Pflege unter anderem die „Vorbereitung einer systematischen Teststrategie zum Screening von Personal und Besuchenden“.

Sozialverband fordert kostenlose Test in der Pflege

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, hat ebenfalls bereits Ausnahmen von den kostenpflichtigen Tests für alle ungeimpften Mitarbeiter und Besucher von Pflegeheimen gefordert, um Ansteckungen von alten und kranken Menschen zu vermeiden. „Wir mussten im vergangenen Jahr dabei zusehen, wie die Bewohner von Pflegeheimen an dem Coronavirus verstarben. Und die Gefahr ist noch lange nicht vorüber“, sagte Bentele der „Rheinischen Post“.

„Eine Impfquote von 100 Prozent werden wir in den Pflegeheimen wohl nie erreichen. Denn es gibt viele Erkrankungen, die eine Impfung nicht möglich machen. Die ungeimpften Bewohner sind der Gefahr der Infektion besonders ausgesetzt, wenn wir jetzt nicht weiter testen“, sagte Bentele.

Sie betonte zudem, dass auch bereits Geimpfte weiterhin Überträger des Coronavirus sein könnten. „Und deshalb müssen wir zum Schutz der pflegebedürftigen Menschen nicht wieder alle Türen zusperren, sondern wirksam kostenfrei testen, weiter impfen und die AHA-Regeln einhalten“, so Bentele weiter.

Ein möglicher Rückgang an PCR-Testungen sowie eine Änderung der Teststrategie könne laut RKI zudem dazu führen, dass das Infektionsgeschehen in bestimmten Altersgruppen nicht mehr genau erfasst wird. „Wie genau sich ein mögliches verändertes Testverhalten auswirkt, kann noch nicht vorhergesagt werden“, heißt es in dem Papier.

Das sind die wichtigsten Vereinbarungen von Bund und Ländern:

  • Der negative Corona-Test: Ungeimpfte sollen ab 23. August Zugang zur Gastronomie oder kulturellen Veranstaltungen nur noch mit negativem Testergebnis erhalten.
  • Die 3G-Regelung: Zutritt zu Veranstaltungen im Innern oder Einrichtungen soll nur für geimpfte, genesene oder getestete Menschen möglich sein.
  • Die kostenlosen Tests: Gratistests sollen ab 11. Oktober nicht mehr zur Verfügung stehen. Ungeimpfte müssten dann für Coronatests bezahlen.
  • Die pandemische Lage: Die Regelungen mit Sonderdurchgriffsrechten soll über den September hinaus vom Bundestag verlängert werden.

Ein weiterer Bereich, der darauf angewiesen ist, dass der Betrieb am Laufen gehalten wird, ist die Industrie. Ausfälle durch Virusausbrüche könnten großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Besonders empfindlich sind Bereiche, wo nicht ausreichend Abstand gehalten werden kann. Test für Geimpfte könnten das Risiko verringern.

Die Vergangenheit zeigt auch, dass sich das Virus auf Veranstaltungen verbreiten kann, die nur für Geimpfte ausgerichtet werden. So kam es beispielsweise bei Feierlichkeiten im US-Bundesstaat Massachusetts Anfang Juli zu einem Superspreader-Event.

Die Datenaufbereitung zu den infizierten Personen zeigt: Von 900 Fällen waren knapp 470 bereits vollständig geimpft – eine sehr hohe Rate an Durchbruchsinfektionen. Eine Testung der Geimpften vor der Veranstaltung hätte diese Rate verringern können.

Karneval mit Corona-Test?

Gegen Karnevalsfeiern nur für Geimpfte und Genesene hatte sich zuletzt der katholische Diakon und Büttenclown Willibert Pauels ausgesprochen. „Diejenigen, die sich einen Test besorgen vor der Veranstaltung, die lassen wir rein“, forderte er auf dem Kölner Online-Portal domradio.de.

Für Geimpfte, Genesene und Getestete sollte bei der Karnevalsession ab dem 11. November „alles“ erlaubt sein, so der Diakon. Er sprach sich jedoch gegen eine „radikale Freigabe“ aus. „Aber auch da sollte gelten, wie bei Karnevals-Veranstaltungen, auch für die Weihnachtsmessen zum Beispiel: Mit 3G dürfen alle rein.“

Doch auch hier könnten infizierte Geimpfte das Virus auf die Veranstaltung bringen. Ohne einen Test würde das niemand bemerken. Allerdings ist noch nicht klar, ob Karnevals-Feiern überhaupt stattfinden werden können.

Lehrerverband will keine Gratistests für ungeimpfte Lehrer

Und wie sieht es an den Schulen aus? Hier plädiert der Deutscher Lehrerverband (DL) dafür, vollständig geimpfte Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler von den Tests auszunehmen. „Es gibt keinen Grund, nach Auslaufen der automatischen Kostenübernahme für Schnelltests ab Oktober weiterhin generell Lehrkräften kostenlos Schnelltests zur Verfügung zu stellen“, teilt der DL dem Tagesspiegel auf Nachfrage mit. „Dies gilt vor allem für die wenigen Lehrkräfte, die trotz gesundheitlicher Eignung ein Impfangebot nicht wahrgenommen haben.“

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Das würde dem Lehrerverband zufolge bedeuten, dass 90 Prozent der Lehrkräfte nicht mehr an den regelmäßigen Tests teilnehmen müssten sowie etwa 25 Prozent der Jugendlichen an weiterführenden Schulen. „An den Grund- und Förderschulen, wo derzeit keine Kinder einen Impfung erhalten können, plädieren wir bei diesen für den regelmäßigen, mindestens zweimal pro Woche erfolgenden Einsatz von PCR-Lolly- und Gurgeltests.“

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