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Warum es Corona in der kalten Jahreszeit leichter hat

Von trockener Heizungsluft bis zu depressiven Verstimmungen – darum ist das Infektionsrisiko im Winter deutlich höher als im Sommer.

Mund-Nasen-Masken haben außer der Schutzfunktion noch einen weiteren positiven Aspekt.
Mund-Nasen-Masken haben außer der Schutzfunktion noch einen weiteren positiven Aspekt. ©  dpa/Sebastian Kahnert (Symbolfoto)

Von Wilhelm Pischke

Volksfeste seien in der Corona-Pandemie mit passenden Hygienekonzepten kein Problem, ist der Deutsche Schaustellerbund (DSB) überzeugt. Das hätten die Veranstaltungen des Sommers gezeigt. „Nirgendwo gab es eine nachgewiesene Infektion“, sagte kürzlich der DSB-Vizepräsident Lorenz Kalb. Ist die Absage von Weihnachtsmärkten also gar nicht nötig?

Dazu muss man wissen: Für sehr viele Infektionen lässt sich nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nicht nachvollziehen, wo die Ansteckung passiert ist. Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung derzeit allein dadurch größer ist, dass es inzwischen wesentlich mehr akut Infizierte gibt als noch vor Monaten. Und noch ein Faktor greift: Sars-Cov-2 wird in der kalten Jahreszeit verstärkt übertragen. Nicht nur, weil sich nun mehr Menschen drinnen statt draußen treffen, wo das Ansteckungsrisiko meist merklich geringer ist. Eine Reihe von Eigenschaften des Virus und des menschlichen Organismus begünstigen die winterliche Ausbreitung.

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Typische Winterviren – zu denen auch Sars-Cov-2 gehört – hätten bei trockener Luft vermutlich eine höhere Überlebensfähigkeit, sagt Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Besonders schlechte Bedingungen haben viele der Viren bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, wie aus einer im März veröffentlichten Studie von Forschern der Yale-Universität hervorgeht. Sinkt die relative Luftfeuchtigkeit – wie im Winter zu beobachten – verbessere sich die Ausgangslage für die Erreger.

„Die kalte Luft kann weniger Feuchte aufnehmen“, erklärt der HNO-Arzt. Wird diese Luft bei gleichbleibender Luftfeuchte in Räumen erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchte und es verbessert sich die Überlebensmöglichkeit und Infektiosität für das Virus. „Deshalb warnten schon die Großmütter nicht zu Unrecht vor trockener Heizungsluft“, führt Deitmer aus. Aus seiner Sicht könnten daher Raumbefeuchter die Überlebensfähigkeit von Sars-Cov-2 verschlechtern.

Masken und Lüften sind besonders gut

Ein weiteres Problem: Das Nasen- und Bronchialsystem könne Viren im Winter schlechter unschädlich machen, sagt HNO-Arzt Deitmer. Der sogenannte Flimmertransport von Viren und Partikeln auf der Schleimhaut verlaufe bei kälteren Temperaturen und relativ niedriger Luftfeuchtigkeit langsamer und zäher. Über die Flimmerhärchen würden die Viren aus den Bronchien zum Kehlkopf beziehungsweise aus der Nase in den Rachen transportiert und von dort in den Magen „abtransportiert und entsorgt“.

Ein Aspekt, der aus Deitmers Sicht bisher recht kurz kam, sei die positive Wirkung der Mund-Nasen-Masken. „Die Maske nimmt einen Teil der Luftfeuchte beim Ausatmen an und gibt diese beim Einatmen wieder ab. Das erhöht die relative Feuchtigkeit der Luft und sorgt im Mund-Rachen-Raum für bessere Bedingungen zur Abwehr des Virus.“

Auch regelmäßiges Lüften sei im Winter besonders wichtig, sagt Eberhard Bodenschatz, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. „Bei deutlichen Unterschieden der Lufttemperatur im Innen- und Außenbereich ist der Luftaustausch wesentlich höher.“ In kürzerer Zeit käme so mehr virusfreie Frischluft in den Raum, sagt der Wissenschaftler.

Schließlich kommt hinzu, dass das Immunsystem im Herbst und Winter schwächelt. „Durch weniger Sonneneinstrahlung sinkt der Vitamin-D-Spiegel und damit die Abwehrkraft eines jeden einzelnen“, sagt Bernhard Junge-Hülsing, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte in Bayern. Auch depressive Verstimmungen schwächten die Abwehrkräfte. Solche saisonal-ausgeprägten Depressionen seien häufig im Winter und Herbst zu beobachten, erklärte jüngst Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe. (dpa)

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