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Darum sagt Dresdens OB die Weihnachtsmärkte nicht ab

Dirk Hilbert reagiert auf die Kritik wegen der Hängepartie für die Weihnachtsmärkte. Er hofft auf eine schnelle Wirkung des Lockdowns.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert wird wegen der Weihnachtsmärkte kritisiert, an denen er trotz Corona festhält.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert wird wegen der Weihnachtsmärkte kritisiert, an denen er trotz Corona festhält. © Christian Juppe

Dresden. Die meisten deutschen Städte haben die Weihnachtsmärkte bereits abgesagt. In Dresden ist das anders. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will den Striezelmarkt und die anderen Märkte öffnen, wenn es irgendwie geht.

Das sei unverantwortlich, sagen Kritiker. Es ist auch von "Gesundheitsgefährdung" die Rede. Weshalb OB Hilbert so an Striezelmarkt und Co. festhält und was er zu der Kritik an ihm sagt. 

Corona-Infektionszahlen auch in Dresden viel zu hoch

Er würde sich wünschen, dass OB Hilbert den "Arsch in der Hose" hätte, den Vertragspartnern zu sagen, dass in diesem Jahr keine Weihnachtsmärkte stattfinden. Mit diesen drastischen Worten forderte SPD-Stadtrat Richard Kaniewski OB Hilbert auf, die Märkte für dieses Jahr abzusagen.

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Die Corona-Infektionszahlen seien auch in Dresden viel zu hoch und würden absehbar nicht sinken. In die gleiche Richtung ging auch die Kritik von Die Linke und einigen Grünen in Richtung OB. Als "gesundheitsgefährdend" bezeichnete es Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi. "Die Menschen, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, müssen geschützt werden." Kaniewski bezeichnete sogar das gesamte Corona-Management von Hilbert und der Stadtverwaltung als "Katastrophe.

"Die Menschen brauchen Perspektiven"

Auf die verbalen Attacken von Kaniewski gegen ihn werde Hilbert nicht eingehen, sagte er der SZ. "Aber ich möchte die Möglichkeit erhalten, dass Weihnachtsmärkte stattfinden, wenn es die Infektionszahlen und Regelungen zulassen. In welcher Form hängt auch von den Entscheidungen der Bundes- und Landesebene in den kommenden Tagen ab."

Das sei nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht der Händler wichtig. Daran hingen etliche Existenzen. "Ich sehe es vielmehr auch als eine gesellschaftliche Frage. Die Menschen brauchen Perspektiven, nicht nur ein zeitlich langes schwarzes Loch in das wir hinein blicken. Wenn wir Weihnachten in Frage stellen, wird die Bereitschaft den Corona-Maßnahmen zu folgen, stark sinken", so Hilbert.

OB Hilbert erwartet Lockdown-Lockerungen

Deshalb können die Einschränkungen in diesem Lockdown aus Sicht von Hilbert auch nicht unbegrenzt fortgesetzt werden. Wenn die Bürger Weihnachtsmärkte und Weihnachten mit der Familie als Perspektive hätten, würden diese die Einschränkungen eher akzeptieren und noch eine Weile mitmachen. 

Deshalb gehe der OB auch davon aus, dass die Bundesregierung weitere Lockerungen der Corona-Vorgaben vornimmt. Diese hat angekündigt, sich am 16. November dazu zu äußern. Aber auch wenn der Termin verschoben werde, gehe Hilbert von Lockerungen aus. Er würde auch nur Weihnachtsmärkte durchführen, wenn dies vertretbar sei. Aber er gehe davon aus, dass der aktuelle Lockdown Wirkung zeige und die Infektionszahlen auch in Dresden bald stagnieren und dann sinken werden. 

Sozialbürgermeisterin: "Wünschte, wir wären schneller"

Auf den Vorwurf, Dresdens Corona-Management sei eine Katastrophe, wie es Kaniewski ausdrückt, reagiert auch die zuständige Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke).  "Nicht das Coronamanagement in Dresden ist eine Katastrophe, sondern das Virus selbst. Es ist dahingehend tückisch, dass die höchste Wahrscheinlichkeit der Ansteckung in einer Phase der Symptomfreiheit gegeben ist."

Damit habe sich nicht nur in Dresden das Virus wie vorausgesagt unbemerkt in allen Stadtteilen und Bevölkerungsschichten ausgebreitet, sondern auch Zeitpunkt und Geschwindigkeit des Anstiegs sind anders, als seitens der Wissenschaft vorausgesagt, erklärt Kaufmann. "Wir mussten mindestens einen Monat zeitiger in den Beginn der heißen Phase einsteigen. Würde ich mir wünschen, dass wir noch schneller werden? Selbstverständlich ja."

"Mehr Transparenz ist kaum möglich"

Allein anhand der aktuell 28 Dresdner Schulen oder 17 betroffenen Kitas lasse sich erahnen, wie viele Umfelder es einzeln und individuell bei einem Klassenteiler von 28 und Kitagruppen von 12 Kindern abzuklären gelte, Gespräche zu führen und Bescheide zu erstellen seien. "Da spreche ich noch gar nicht von Personen, die 100-fach benennen, nicht zu wissen, wo sie sich angesteckt haben", so die Bürgermeisterin. "Wir stocken das notwendige Personal im Gesundheitsamt kontinuierlich auf, schulen jeden Neuzugang, differenzieren uns organisatorisch kontinuierlich weiter aus."

Kaufmann dankt ausdrücklich denen, "die in dieser turbulenten Zeit die Nerven bewahren". Die Einrichtung eines Lenkungsteams, wie von Kaniewski gefordert, ändere an der hochdynamischen Situation nichts. "Wir berichten regelmäßig in den Fachausschüssen und im Ältestenrat. Mehr Transparenz in unsere Arbeit, die mit dem Virus damit in Verbindung stehenden Herausforderungen zu bringen, ist gegenüber der Politik kaum möglich."

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