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Pirna: Wieso ein öffentlicher Corona-Dialog ausbleibt

2020 hatte der OB nach gewalttätigen Demos Gesprächsrunden initiiert. Nun aber ist es in dieser Hinsicht ziemlich still – aber nur nach außen.

Von Thomas Möckel
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Pirnas OB Klaus-Peter Hanke (M.) im Mai 2020 beim Bürgerdialog auf dem Markt: Miteinander reden statt gegeneinander demonstrieren.
Pirnas OB Klaus-Peter Hanke (M.) im Mai 2020 beim Bürgerdialog auf dem Markt: Miteinander reden statt gegeneinander demonstrieren. © Daniel Förster

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) sieht sich derzeit immer häufiger Vorwürfen ausgesetzt, er agiere angesichts der derzeitigen Corona-Situation und den eskalierenden Demonstrationen in der Stadt zu passiv.

Zuletzt kritisierte der Pirnaer Stadtrat Tim Lochner den Rathauschef, er vermisse vor allem eine konkrete Aussage. „Ein bisschen mehr Engagement hätte ich mir schon gewünscht“, sagt Lochner. Der Freitaler Oberbürgermeister habe beispielsweise mit Gesprächsrunden auf die montäglichen Spaziergänge von Corona-Kritikern reagiert. In Pirna hingegen passiere diesbezüglich gerade recht wenig.

Mit seiner Kritik zielt Lochner vor allem auf das vorletzte Jahr ab. 2020 hatte Hanke nach Corona-Protesten, die teils gewalttätig verliefen, versucht, die Menschen wieder für einen friedlichen Dialog zu gewinnen. Im Frühjahr 2020 initiierte der Rathauschef große Bürgerrunden, zudem lud der Corona-Kritiker zum Diskussionsforum mit Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD).

Keine Angriffsfläche bieten

Doch Hanke liegt nach wie vor viel an einem konstruktiven Dialog, auch daran, dass sich die Menschen wieder anständig und friedlich begegnen. Erst im großen Jahresinterview mit Sächsische.de hatte der Rathauschef betont, wie wichtig es sei, dass die Menschen miteinander sprechen – statt gegeneinander zu demonstrieren.

Allerdings ließen die strengen Corona-Regeln solche Formate wie große Gesprächsrunden oder einen großen Bürgerdialog auf dem Markt nicht zu. Derartige Versammlungen waren bislang auf eine äußerst kleine Teilnehmerzahl begrenzt. Sich darüber hinwegzusetzen, verbot sich von selbst – schließlich wollte man ja als Stadt den Corona-Kritikern nicht noch eine weitere Angriffsfläche bieten.

So initiierte der Oberbürgermeister zunächst eine stille Aktion in Form von „Eine Kerze für Pirna“. Dieses Licht soll symbolisch für Respekt, Anstand und Mitmenschlichkeit werden. Auch soll es dazu beitragen, die Stadtgesellschaft wieder zu einen. Ein großes Banner am Rathaus wird jetzt auf die Aktion hinweisen.

Darüber hinaus laufen derzeit viele Gespräche, auch mit den Fraktionschefs im Pirnaer Stadtrat. Ziel dessen sei nach Aussage des Rathauses, gemeinsam wieder einen Bürgerdialog anzuschieben und diesen auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Denkbar wären zudem auch virtuelle Gesprächsangebot wie 2020 die Runde mit Petra Köpping. Konkrete Formen nehmen die Projekte aber erst an, wenn die Corona-Regeln wieder gelockert werden.