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Was bringt ein Luftreiniger fürs Zuhause?

Luftreiniger gibt es auch für die eigene Wohnung. Verbraucherschützer warnen aber von teuren Fehlkäufen. Worauf es bei der Wahl ankommt.

Reicht lüften, um die Viruslast zu senken?
Reicht lüften, um die Viruslast zu senken? © dpa/Christoph Schmidt

Die Frage, wie stark Luftreiniger die Verbreitung von Coronaviren in Räumen eindämmen können, ist umstritten. Verbraucherschützer weisen jetzt darauf hin, dass Hersteller momentan massiv für ihre Geräte werben – teilweise wohl auch mit übertriebenen Versprechungen. Sich in Zeiten sinkender Temperaturen und steigender Infektionsrisiken allein auf die Maschinen zu verlassen, ist aus Sicht von Hygienespezialisten der falsche Weg.

Welche Luftreiniger halten Aerosole zuverlässig zurück?

Nicht jeder Luftreiniger sei in der Lage, Viren oder mit Viren beladene Aerosole zurückzuhalten, sagt Tristan Jorde, Leiter des Bereichs Umwelt in der Verbraucherzentrale Hamburg. „Nur Geräte mit HEPA-Filtern der Klasse H13 oder H14 können das.“ Das Kürzel HEPA steht für High Efficient Particulate Air, was sich mit „hocheffizienter Partikelfilter“ übersetzen lässt. Üblicherweise steckten solche Schwebstofffilter in dreistufigen Anlagen, wie sie etwa in OP-Sälen von Krankenhäusern verbaut sind, erklärt das Umweltbundesamt (UBA). Laut Jorde sind mittlerweile aber auch Geräte mit H13- oder H14-Filter für den Privatgebrauch zu haben.

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Wie teuer sind solche Reiniger für private Anwender?

Hersteller teurer Anlagen mit H13- oder H14-Filtern hielten sich bedeckt, was ihre Preise angehe, so Jorde. Seinen Recherchen zufolge werden bis zu fünfstellige Summen aufgerufen. „In manchen Fällen reden wir über 10.000 bis 12.000 Euro.“ Günstige Geräte mit niedrigeren Filterklassen sind dagegen ab etwa 200 Euro zu haben. Sind dort aber Feinfilter der Klassen F7 bis F9 verbaut, wie sie in normalen raumlufttechnischen Anlagen mit zwei Filterstufen zum Einsatz kommen, reiche das zur wirksamen Verringerung der Virenkonzentration nicht aus, so das UBA.

Gibt es seriöse Tests von Luftreinigern, und falls ja, was war das Ergebnis?

Die Stiftung Warentest hat Anfang des Jahres sieben Geräte geprüft, die damals zwischen 250 und 425 Euro kosteten. Ergebnis: Nur zwei Exemplare – der Philips AC2889/10 und der Soehnle Airfresh Clean Connect 500 – erreichten die Gesamtnote „gut“. Allerdings, so ein Sprecher der Stiftung, habe sich der im März veröffentlichte Test nur darauf bezogen, wie gut die Geräte Blütenpollen, Feinstaub, Zigarettenrauch und chemische Verbindungen aus der Atemluft der Wohnung herausholen. Ob die Luftreiniger potenziell gefährliche Aerosole einfangen können, sei nicht geprüft worden. Pauschalaussagen zur Wirksamkeit von Luftreinigern gegenüber Sars-CoV-2-Viren seien daher schwierig.

Worauf muss ich achten, wenn ich trotzdem ein Gerät kaufen will?

Neben der Filterqualität ist die Menge der gefilterten Luft ein wichtiges Kriterium. Diesen Wert geben Hersteller üblicherweise in Kubikmetern pro Stunde an. Je höher die Durchsatzrate, desto schneller wird die Luft in einem Raum umgewälzt. Als Faustformel gilt, dass die gesamte Raumluft pro Stunde drei- bis fünfmal durch den Filter des Luftreinigers strömen sollte. Für einen 25 Quadratmeter großen Raum mit einer Deckenhöhe von 2,40 Metern wäre demnach ein Durchsatz von mindestens 300 Kubikmetern pro Stunde vonnöten, damit die gesamte Raumluft binnen 60 Minuten fünfmal umgewälzt werden kann. Wichtig ist laut Tristan Jorde auch, dass das Gerät optimal im Zimmer positioniert wird. Meist ist dies die Raummitte.

Ist es ratsam, die eingebauten Filter bei Bedarf selbst austauschen?

Nein. Den Tausch potenziell infektiöser Gerätefilter sollte man einem Profi überlassen, empfiehlt Tristan Jorde. „Dafür kommen am ehesten die Fachleute des Herstellers infrage.“ Was allerdings die Frage nach den Folgekosten aufwerfe. Denn auch der Stromverbrauch und der Nachkauf von Ersatzfiltern geht ziemlich ins Geld. Bei den von der Stiftung Warentest geprüften Luftreinigern lagen die Preise pro Filterset zwischen 39 und 140 Euro.

Was bringen Luftreiniger, die mit UV-Licht arbeiten?

Tatsächlich ist es möglich, mittels energiereicher, ultravioletter Strahlung Bakterien abzutöten und Viren unschädlich zu machen. In Laboren werden Geräte mit UV-C-Strahlungsquellen eingesetzt, um Oberflächen zu entkeimen. „Über die Wirksamkeit des Einsatzes in Luftreinigungsgeräten liegen (...) keine Kenntnisse vor“, heißt es in der Stellungnahme der UBA-Kommission Innenraumlufthygiene. Die Behörde lehnt daher den Einsatz von Filtergeräten mit UV-Licht im nicht-gewerblichen Bereich ab. Vorsicht geboten ist aus Sicht von Verbraucherschützern auch bei Modellen, die die Raumluft ionisieren: Dieses Verfahren könne Viren nicht wirksam unschädlich machen, stattdessen bilde sich giftiges Ozon. Nur bei einigen Geräten werde das Reizgas bereits während des Betriebs in harmlosere Verbindungen zerlegt, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Lohnt dann überhaupt die Anschaffung eines solchen Geräts?

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Für die Privatwohnung jedenfalls nicht, sagt UBA-Sprecher Felix Poetschke. Er rät stattdessen zur simpelsten Strategie, um die Raumluft zu reinigen: „Fenster aufmachen.“ Dieses Stoßlüften sollte drei- bis fünfmal täglich für jeweils zehn bis 20 Minuten erfolgen. Bei großen Temperaturunterschieden zwischen Drinnen und Draußen reichen demnach auch fünf Minuten. Laut UBA kann der Einsatz mobiler Luftreiniger zu Hause das aktive Lüften nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen.

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