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Deutschland & Welt

Was Mutationen für Impfungen bedeuten

Das Impfen gegen Corona rollt erst richtig an, schon gibt es Dämpfer wegen neuer Varianten. Wie der Schutz vor dem Coronavirus trotzdem klappen kann.

Ein Forscher bereitet im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg einen PCR-Test für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vor.
Ein Forscher bereitet im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg einen PCR-Test für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vor. © Sebastian Gollnow/dpa

Berlin. Der Fall sorgt für Aufsehen: Über ein Dutzend bereits geimpfte Senioren in einem niedersächsischen Pflegeheim werden positiv auf die britische Virusvariante B.1.1.7 getestet. Haben Mutationen die zugelassenen Corona-Impfstoffe also schon überholt? Experten geben etwas Entwarnung - und machen trotz neuer Virusvarianten Hoffnung.

Schützen die aktuellen Impfstoffe gegen neue Varianten?

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Noch sieht es recht gut aus. Der Fall in Niedersachsen sei "nicht besorgniserregend, sondern zeigt, dass die Impfung funktioniert", sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. In dem Heim habe es zunächst keine schweren Verläufe gegeben. Und das zu verhindern sei die Aufgabe der Impfung. "Die vorhandenen Vakzinen schützen bislang alle vor schwerer Krankheit und Tod", sagt auch der Gießener Virologe Friedemann Weber. Zwar könne man nun annehmen, dass bei Mutationen der Impfschutz in Bezug auf die Symptomatik etwas sinke und es schwerere Verläufe geben könne. Aber: "Ein Stück weit schützt die Impfung immer."

Wie leicht können Impfstoffe an neue Varianten angepasst werden?

Noch helfen Impfstoffe also zumindest teilweise gegen aufkommende Varianten. Sollten sie künftig angepasst werden müssen, könnte das insbesondere bei den auf Boten-RNA (mRNA) basierenden Impfstoffen von Biontech, Moderna oder perspektivisch auch Curevac schnell gehen. "Da muss man nur die Buchstabenreihenfolge im genetischen Bauplan ändern", sagt Watzl. Er schätzt, dass eine Umstellung der Produktion in rund sechs Wochen machbar wäre. Das deckt sich mit Angaben der Hersteller. Etwa doppelt so lange könnte seiner Einschätzung nach der Prozess bei Vektor-Impfstoffen wie etwa dem von Astrazeneca dauern. Nach Einschätzung von Watzl müsste man für den kompletten Prozess bis zur Anwendung grob vier bis sechs Monate veranschlagen. Astrazeneca kündigte jüngst eine neue Impfstoff-Generation für den Herbst an, die besser vor Varianten schützen soll.

Wie oft muss die Impfung in Zukunft aufgefrischt werden?

Das hängt zum einen davon ab, wie schnell die Wirksamkeit des Impfstoffs nachlässt, wie Weber erklärt. Dazu fehlen noch langfristige Daten. Die andere Unbekannte ist, ob neue Mutationen neue Impfstoffe erfordern. "Coronaviren sind im Vergleich zu anderen Viren behäbiger", erklärt Weber. Solange sie jedoch in großer Zahl in Umlauf sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit von Mutationen höher. Insgesamt könne er sich "durchaus vorstellen, dass man künftig jeden Herbst nachimpfen muss". Immunologe Watzl schätzt, dass "erst nach mehreren Jahren" aufgefrischt werden muss. Einig sind sich die Experten jedoch in einem Punkt: Das Thema wird uns die kommenden Jahrzehnte begleiten.

Hilft ein globales Impfprogramm gegen Mutationen?

Etliche Stimmen kritisieren die globale Impfstoff-Verteilung und mahnen, das könne auch hierzulande zum Problem werden. Das Argument: Wenn sich das Virus in einigen Weltregionen frei entfalten kann, entstehen mehr Mutationen, die irgendwann auch in Deutschland ankommen. "Die Pandemie ist nicht vorbei, wenn Deutschland geimpft ist, sondern wenn die ganze Welt geimpft ist", sagt Watzl. Auch Weber plädiert für ein globales Impfprogramm.

Beide machen aber auch klar: Sobald in Deutschland ausreichend geimpft wurde, sei eine Grundimmunität in der Bevölkerung vorhanden, die es neuen Varianten schwerer macht. "Wenn dann eine Mutante durchkommt, sind wir nicht mehr so ungeschützt", erklärt Watzl. Auch Weber rechnet nicht damit, dass neue Mutationen den Fortschritt in der Pandemiebekämpfung in Deutschland auf null zurücksetzen.

Wie viele Virusvarianten sind noch denkbar?

Seit Beginn der Pandemie hat das als behäbig geltende Sars-CoV-2 schon mehrere potenziell ansteckendere und gefährlichere Varianten ausgeprägt - obwohl es noch keine Herdenimmunität gab und der Anpassungsdruck für das Virus relativ gering war. Wird es also mit steigender Immunisierung gefährlicher? "Das ist schwierig vorherzusagen", sagt Weber. Es könne sein, dass eine nur mittlere oder "halbgare" Immunität in der Bevölkerung die Entstehung neuer Varianten begünstige. Dann seien viele Viren unterwegs, was Mutationen wahrscheinlicher mache. Und es gebe hier und da einen Anpassungsdruck, auf den das Virus reagiere.

Wann klappt das hierzulande mit der Herdenimmunität?

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Die wirksamste Waffe auch gegen Mutationen wäre die vielbeschworene Herdenimmunität. Die könnte man vielleicht schon im Herbst erreichen, meint Weber. Bis dahin werde die Impfstoff-Produktion massiv hochgefahren. Sollten dann Varianten wie etwa B.1.1.7. vorherrschen, müssten für eine Herdenimmunität wohl mindestens 80 Prozent der Bevölkerung immun sein. Auch Watzl denkt, dass dem Virus bis zum Herbst eine weitgehend immunisierte Bevölkerung gegenübersteht und die Infektionszahlen gedrückt sind: "Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen." Bis dahin seien ein weiteres Einhalten der Abstandsregeln und andere Maßnahmen nötig: "Wir werden uns aus dieser aktuellen zweiten Welle nicht rausimpfen können." (David Hutzler, dpa)

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