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Homeoffice-Pflicht endet - so reagieren Sachsens Firmen

Corona hat die Jobwelt verändert. Ab Juli müssen Chefs ihren Mitarbeitern aber kein mobiles Arbeiten mehr anbieten. Wie Sachsens Firmen damit umgehen.

Der Büroalltag wird sich ändern in Deutschland - auch wenn am 1. Juli die Homeoffice-Pflicht endet.
Der Büroalltag wird sich ändern in Deutschland - auch wenn am 1. Juli die Homeoffice-Pflicht endet. © Sebastian Kahnert/dpa

Verwaiste Schreibtische, leere Gänge. Das Schild "Arbeitsbereich. Bitte Ruhe halten" ist derzeit beim Dresdner Chiphersteller Globalfoundries nicht unbedingt nötig: In den Großraumbüros sitzt derzeit kaum jemand für einen lauten Schwatz. Von den mehr als 3000 Beschäftigten arbeitet derzeit gut die Hälfte mobil - je nach Aufgabe auch komplett im Homeoffice. Gut 1.500 Mitarbeiter hingegen halten die Stellung im Reinraum, den Laboren oder in der Energie- und Medienversorgung. "Am Standort sind derzeit deutlich weniger Mitarbeitende, das merkt man", sagt Sprecherin Karin Raths.

Seit März 2020 - zu Beginn der Corona-Pandemie - hat der Halbleiterhersteller seine Beschäftigten ins mobile Arbeiten geschickt und dafür zusätzlich Smartphones und Laptops angeschafft. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt, zudem sind immer mehr Menschen geimpft. Die Corona-Vorschriften am Arbeitsplatz werden daher gelockert. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch Anpassungen in der Corona-Arbeitsschutzverordnung gebilligt. Sie treten am 1. Juli in Kraft und gelten bis 10. September.

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Die Betriebe müssen zwar weiterhin Tests anbieten und Hygienepläne erstellen, aber die Kontakte nicht mehr so stark reduzieren. Beschäftigte sollen auch weiterhin im Homeoffice arbeiten, doch die strikte Vorgabe von Homeoffice läuft am 30. Juni mit der Bundesnotbremse aus. Seit Januar müssen Arbeitgeber dort wo möglich, Homeoffice anbieten. Wie handhaben das Unternehmen in Sachsen? Kehren im Juli die Mitarbeiter in Scharen in die Büros zurück und alles wird wie früher?

Gesetzliche Regeln für mobiles Arbeiten gefordert

Verlässliche Prognosen lassen sich nach Ansicht des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums kaum treffen. Man geht aber davon aus, dass die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten in vielen Firmen auch weiter genutzt wird. Die Pandemie sei noch nicht vorüber, hieß es. Arbeitsminister Martin Dulig sieht im Homeoffice hingegen kein "Pandemie-Phänomen", sondern eine wichtige Alternative zur Arbeit im Büro. "Auch nach dem Ende der gesetzlichen Pflicht sollte die Möglichkeit des Homeoffice weiter genutzt werden, denn Beschäftigte und Arbeitgeber profitieren von den Vorteilen und von flexiblen Arbeitsmodellen", so der SPD-Politiker. Er unterstützt den Vorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil für ein modernes Gesetz zum mobilen Arbeiten."

"Homeoffice braucht gesetzliche Leitplanken", fordert auch Sachsens DGB-Vorsitzender Markus Schlimbach. Nur so können sie vor Schattenseiten wie unsichtbaren Überstunden und ständiger Erreichbarkeit geschützt werden. Die letzten Wochen und Monate hätten gezeigt, dass Homeoffice ein wirksamer Schutz vor Infektionen sei. Aus Sicht von Schlimbach sollte daher das mobile Arbeiten überall dort, wo es möglich, beibehalten werden. Auch ohne Gesetz stellen sich viele Firmen darauf ein, dass die Mitarbeiter zumindest tageweise ihren Job von zu Hause machen wollen: Homeoffice und Videokonferenzen werden auch mit der Rückkehr zur Normalität nicht ganz verschwinden, heißt es etwa in den Deutschen Werkstätten Hellerau.

Vor der Corona-Krise war das Arbeiten von zu Hause zwar möglich, aber eher die Ausnahme. Seit März des vergangenen Jahres gehört es für viele zur Normalität. Die Umstellung auf "remote" habe problemlos geklappt, sagt Sprecherin Juliane Richter. Die Werkstätten arbeiten seit Jahren mit weltweiten Partnern zusammen. "Weshalb die Digitalisierung durch den häufigen Datenaustausch bei uns ohnehin schon sehr weit fortgeschritten war." Eine Reduzierung oder ein Umbau der Büroflächen ist in Hellerau nicht geplant. Gearbeitet wird auch künftig in zwei offenen Bürolandschaften mit insgesamt 180 Plätzen. Damit habe man in den vergangenen 15 Jahren gute Erfahrungen gemacht, so Richter.

Vor- und Nachteile für beide Seiten

Auch beim Energieversorger VNG in Leipzig hat sich einiges geändert: Vor der Corona-Pandemie konnte in der Regel ein Tag pro Woche mobil gearbeitet werden und war somit noch eher die Ausnahme. "Seit Beginn der Pandemie wurde mobiles Arbeiten, da wo es möglich ist, der Normalfall", so ein Sprecher. Hybride Arbeitszeitmodelle soll es bei dem Energieversorger auch künftig geben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden wertet das Ende der Homeoffice-Pflicht als gutes Zeichen.

Angesichts der stark gesunkenen Infektionszahlen sei eine strikte Kontaktvermeidung nun nicht mehr nötig, sagt Sprecher Lars Fiehler. "Nach vielen Monaten Erfahrung bei Chefs und Arbeitnehmern lässt sich die Uhr in Sachen Homeoffice vermutlich nicht mehr komplett zurück drehen." Beide Seiten hätten Vor- und Nachteile "hautnah" erlebt. Ob sich das Arbeitsmodell durchsetze, bleibe abzuwarten, so Fiehler. Während der Pandemie ging es aus Sicht der IHK weniger darum, ob die Mitarbeiter mobil arbeiten mochten oder ob sich der Job überhaupt dafür eignete. "Wer parallel zum Homeoffice noch Kinder zu Hause betreuen musste, hat vermutlich erst mal genug von der schönen neuen Arbeitswelt und will einfach nur zurück ins Büro."

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Fiehler mahnte, bei Absprachen die Interessen beider Seiten zu beachten. Ein Recht auf Homeoffice wäre demnach genauso falsch wie eine Verpflichtung, von daheim oder grundsätzlich in Präsenz zu arbeiten. Der Chiphersteller Globalfoundries will das mobile Arbeiten je nach Aufgabe auch nach der Pandemie ermöglichen. Die Erfahrung der vergangenen Monate sei positiv, auch mit der Hälfte der Belegschaft im mobilen Modus seien die Wafer pünktlich ausgeliefert worden. Sprecherin Karin Raths spricht von einem "Modell der Zukunft in vielen Unternehmen." (dpa)

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