merken
PLUS Sachsen

So geht es jetzt beim Impfen in Sachsen weiter

In den Impfzentren bleiben alle Erstimpfungstermine bestehen. Astrazeneca kommt aber vorerst nicht zum Einsatz. Die wichtigsten Antworten.

In Sachsen wird die Altersbeschränkung beim Astrazeneca-Impfstoff ab Mittwoch umgesetzt.
In Sachsen wird die Altersbeschränkung beim Astrazeneca-Impfstoff ab Mittwoch umgesetzt. © Jan Woitas/dpa

Dresden. Die eingeschränkte Verwendungsmöglichkeit von Astrazeneca wirft auch in Sachsen zahlreiche Fragen auf, wie es nun weitergeht.

Warum darf Astrazeneca nur noch eingeschränkt eingesetzt werden?

Die Nutzung des Impfstoffs wird nach einem einstimmigen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom Bund ab sofort nur noch bei Menschen verwendet, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Grund dafür sind 31 Fälle Impfschadensfälle und gesundheitliche Komplikationen, die nach dem Gebrauch von Astrazeneca aufgetreten sind. Darunter waren mehrere schwere Blutgerinnsel im Hirn. Deutschlandweit gab es neun Todesfälle, wobei nicht geklärt ist, ob all diese Folgen auf die Impfung zurückgehen. Zur Sicherheit hat die Ständige Impfkommission ihre Altersempfehlung für Astrazeneca geändert. Deutschland ist dem am Dienstagabend gefolgt.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Gab es auch Vorfälle nach Impfungen mit Astrazeneca in Sachsen?

Ja. Bis Ende März gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Sachsen insgesamt 31 so genannte Impfschaden-Verdachtsfälle nach Corona-Impfungen. Davon sind sechs Fälle nach Verwendung von Astrazeneca aufgetaucht, 21 nach Impfung mit Biontech/Pfizer sowie zwei nach Moderna. Bei zwei Fällen lässt sich der verwendete Impfstoff nicht zuordnen.

Bei Astrazeneca sind fünf Frauen im Alter von 36 bis 60 Jahre betroffen und ein Mann (41). Nebenwirkungen nach Impfungen sind nicht generell meldepflichtig, sondern nur, wenn sie (nach Einschätzung des Arztes) über das übliche Maß hinausgehen.

Es geht unter anderem um eine 36-jährige Frau aus Bautzen, die nach der Impfung ins Krankenhaus musste; um einen nicht näher bekannten Fall im Kreis Meißen. Zuletzt hatte das Schicksal einer 25-jährigen Frau in Leipzig für Schlagzeilen gesorgt. Die junge Frau musste nach der Impfung mit einer Sinusthrombose auf der Intensivstation behandelt werden. Allerdings: Auch in diesem Fall trat die Erkrankung zwar nach der Impfung auf, doch ob die Impfung dafür auch ursächlich war, ist unklar.

Astrazeneca-Impfungen bekommen vorerst nur noch Menschen über 60 Jahren.
Astrazeneca-Impfungen bekommen vorerst nur noch Menschen über 60 Jahren. © dpa

Bei wem darf Astrazeneca jetzt noch eingesetzt werden?

Nur noch bei Menschen, die mindestens das 60. Lebensjahr vollendet haben oder älter sind.

Wie geht es jetzt mit den bereits terminierten Impfungen weiter, bei denen Astrazeneca verwendet werden soll?

Alle Termine in den Impfzentren und Impfbussen bleiben wie vereinbart bestehen. Jeder, der über das Impfportal einen Termin gebucht hat, sollte auch dort zum vereinbarten Zeitpunkt erscheinen. Von diesem Donnerstag an werden dann alle bereits vereinbarten Erstimpf-Termine in den 13 sächsischen Impfzentren sowie in Grimma und Plauen mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna durchgeführt. Alter und Geschlecht der Person spielt dabei keine Rolle. Achtung: Wenn der Impfstoff gewechselt wird – beispielsweise von Astrazeneca zu Biontech ¬– rutscht der Zweitimpfungstermin deutlich nach vorne. So dürfen bei Biontech nur 21 Tage dazwischen liegen, bei Astrazeneca bis zu zweieinhalb Monate. Der neue Termin wird vor Ort im Impfzentrum mitgeteilt.

Was ist mit den bereits vereinbarten Zweitimpfungen – vor allem bei den Unter-60-Jährigen?

Alle Über-60-Jährigen sollten ihre Termine zur Zweitimpfung wie vereinbart wahrnehmen. Dagegen ist momentan unklar, was mit den Jüngeren wird, für die Astrazeneca nicht mehr empfohlen wird. Die Ständige Impfkommission will erst bis Mitte April entscheiden, ob sie eine Zweitimpfung empfiehlt. So lange gibt es da eine gewisse Grauzone, in der jeder selbst für sich entscheiden muss. Allerdings: In Sachsen beginnen die Zweitimpfungen mit Astrazeneca ohnehin erst Ende dieses Monats.

Kann man als Über-60-Jähriger eine Impfung ablehnen?

Grundsätzlich gilt: Die Impfung ist freiwillig, es gibt aber keine freie Wahl des Impfstoffes. Bis 6. April stellt sich diese Frage aber ohnehin nicht. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar.

Können nach dem Impfstoff-Ausfall für bestimmte Altersgruppen jetzt dennoch weitere Impftermine über das Portal gebucht werden?

Der Teil-Ausfall von Astrazeneca bringt erheblichen logistischen Mehraufwand für das Deutsche Rote Kreuz, das die Arbeit dort koordiniert. Zudem ist Impfstoff nach wie vor äußerst knapp. Daher können derzeit keine neuen Termine zur Erstimpfung in den 13 Zentren gebucht werden. „Wir müssen da jetzt sehr vorsichtig sein“, warnt DRK-Sprecher Kai Kranich. „Wir fahren auf Sicht.“ Es können nur noch – mit viel Glück – Termine gebucht werden, die storniert worden sind und damit für andere frei werden.

Wird die Impf-Reihenfolge jetzt grundlegend geändert?

Nein, die Reihenfolge besteht weiterhin. Nach der Priorisierungsgruppe 1 und 2 wird aber voraussichtlich in den kommenden Tagen auch für die nächste Gruppe, die Über-60-Jährigen, das Impfportal geöffnet, damit sie einen Termin vereinbaren können.

Gibt es die Möglichkeit, sich freiwillig mit Astrazeneca impfen zu lassen?

Nein, die von Anfang an in Deutschland beschlossene Reihenfolge nach bestimmten Priorisierungsgruppen bleibt bestehen. Es gibt wohl viele, die sich trotz der Bedenken lieber mit Astrazeneca schützen lassen würden – nach dem Prinzip „Ich würd’s trotzdem nehmen“ – doch das ist nicht möglich.

Wann dürfen alle Hausärzte in Sachsen impfen?

Es gibt bereits 39 Modell-Praxen im Freistaat sowie 111 Praxen vor allem im Hochrisikogebiet Vogtland. Die Ärzte im Vogtland dürfen bereits jeden impfen, der es dort möchte. Ab 7. April sollen dann nach und nach alle Hausärzte miteinbezogen, mit Impfstoff versorgt werden und gemäß der vorgegebenen Priorisierung ihre Patienten versorgen können. Anfangs, solange der Impfstoff noch knapp ist, gibt es pro Arztpraxis nur 20 Dosen pro Woche.

Welcher Impfstoff wird von den Hausärzten eingesetzt?

Derzeit wird in 111 Hausarztpraxen im Vogtland sowie den 39 Modell-Praxen weiter Astrazeneca verimpft – jedenfalls für die Älteren. Für Jüngere sollen den Ärzten auch andere Vakzine zu Verfügung gestellt werden. So sollen einige Ärzte bereits übernächste Woche auch Dosen der in Sachsen erwarteten ersten Lieferung von Johnson & Johnson erhalten. Der Vorteil: Es muss nur einmal gespritzt werden.

Zudem soll es nach Beschluss von Bund und Ländern auch möglich sein, dass jüngere Personen aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 mit Astrazeneca geimpft werden können. Allerdings nur dann, „wenn die Entscheidung gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ entschieden wurde. Ein solches Beratungsgespräch soll in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erfolgen, da dafür in der Regel auch mehr Zeit und Kenntnis über die Krankheitsgeschichte des Patienten erforderlich ist.

Ab wann können sich auch Menschen über 60 Jahre impfen lassen?

Alle Bundesländer dürften nach Bund-Länder-Beschluss bereits jetzt auch die 60- bis 69-Jährigen für Astrazeneca in ihre Impfkampagne einbeziehen. Doch aufgrund der zusätzlichen Dosen Astrazeneca, die jetzt frei werden, weil sie nicht mehr für Jüngere eingesetzt werden dürfen, hat die Gruppe „60plus“ jetzt das Glück, früher dranzukommen. Sachsen will demnächst entscheiden, wann es losgeht.

Wie sieht das Impftempo aus?

Gesundheitsministerin Petra Köpping hofft, dass „bis Ende Juni 60 Prozent der Sachsen geimpft sind“. Aber dies hänge auch von der Impfbereitschaft und der künftigen Akzeptanz von Astrazeneca in der Bevölkerung ab.

Weiterführende Artikel

Priorisierung bei Corona-Impfung soll ab 7. Juni enden

Priorisierung bei Corona-Impfung soll ab 7. Juni enden

Termine für alle in Impfzentren und bei Ärzten, nur 228 Neuinfektionen in Sachsen, Erzgebirgskreis ist Hotspot, Dresden lockert ab Mittwoch - unser Newsblog.

Günther Jauch hat Corona

Günther Jauch hat Corona

Der Moderator hat sich mit dem Coronavirus angesteckt und fällt für eine RTL-Show am Samstag aus. Gleichzeitig macht er sich jetzt fürs Impfen stark.

Großer Andrang in Dresdner Testzentren

Großer Andrang in Dresdner Testzentren

DRK und Johanniter verzeichnen eine höhere Nachfrage nach Covid-19-Tests, die Wartezeiten werden länger. Auch bei Sarrasani kann jetzt getestet werden.

Dresden: "Endlich können wir Hausärzte impfen"

Dresden: "Endlich können wir Hausärzte impfen"

Die Telefone in den Praxen stehen kaum still, die Nachfrage nach Impfungen gegen Covid-19 ist riesig. Doch wie es nächste Woche weitergeht, weiß noch keiner.

Unklar ist derzeit auch, wie es mit den 13 Impfzentren weitergeht, die ursprünglich bis Ende Juni arbeiten sollten. Die langfristige Planung sei schwierig, hiess es dazu auf SZ-Nachfrage aus dem Ministerium. Derzeit plane man, im Juli „mindestens die Impfzentren in Dresden, Leipzig und Chemnitz weiter zu betreiben“. Das hänge aber auch davon ab, wie schnell und erfolgreich beispielsweise die Hausärzte in die Impfungen einbezogen werden könnten.

Mehr zum Thema Sachsen